Handball

Er ist beim TSV Ellerbek der Mann mit dem „Werkzeugkasten“

Torwarttrainer Horst Zehetbauer (M., 52) mit den Keepern Florian Knust (l.) und Luis Skroce. Timo Schmidt, fehlt noch nach einer Mandel-OP.

Torwarttrainer Horst Zehetbauer (M., 52) mit den Keepern Florian Knust (l.) und Luis Skroce. Timo Schmidt, fehlt noch nach einer Mandel-OP.

Foto: Ulrich Stückler / HA

Horst Zehetbauer trainiert seit fünf Jahren die Torhüter des Handball-Oberligisten. Ganz wichtig: Er muss ein gutes Bauchgefühl haben

Ellerbek. Die exponierte Position des Handball-Torhüters ist ein wenig auch wie ein Handwerk zu verstehen. Zumindest benutzt Horst Zehetbauer gern diese Metapher, um seine Arbeitals Torwarttrainer mit den Keepern des TSV Ellerbek zu umschreiben. „Ich biete den Jungs einen ,Werkzeugkasten‘ an,
also ein Repertoire an Bewegungsmustern für bestimmte Situationen, denen sie sich dann im Spielgeschehen gegenübersehen“, sagt der 52-Jährige.

Seine derzeitigen „Handwerker“ für die Mitte Oktober beginnende Oberliga-Punktrunde sind – bereits in seinem zweiten Jahr beim TSV – Luis Skroče (23) und der zu dieser Saison aus Barmbek nach Ellerbek gewechselte Routinier Florian Knust (32). Als Dritter wird sich Timo Schmidt (24) dazugesellen, sobald er sich von seiner Mandel-OP erholt hat.

Zehetbauer orientiert sich am persönlichen Stil der Torhüter

Drei grundverschiedene Charaktere und damit auch Torhüter. „Genau deswegen werde ich mich auch hüten, zu versuchen, einem Torhüter eine Abwehrtechnik, ein Verhalten zwingend anzutrainieren, das nicht seinem Naturell entspricht“, sagt der Mitarbeiter im Servicecenter der Stadtwerke Pinneberg und greift erneut auf die Handwerker-Metapher zurück. „Wenn es einem gelingt, verlässlich und beständig mit einer Säge einen Nagel einzuschlagen, dann lasse ich ihn gewähren. Ich sehe es dann nur als meine Aufgabe, ihm zu zeigen, dass es da auch einen Hammer gibt.“

Sein Rüstzeug für die Torhüter­ausbildung sammelt sich Zehetbauer, der sich selbst als „Ur-Rellinger“ bezeichnet, seit 1992 zusammen. „Damals habe ich nach einigen Jahren als aktiver Handballer für den Rellinger TV beim BSV Kisdorf damit begonnen, in Richtung Trainerarbeit zu gehen.“

Der Torwarttrainer hat sich auch bei den Profis etwas abgeguckt

Doch der Keepercoach beließ es nicht beim Besuch von Fortbildungen und Seminaren. „Ich habe mich in meinen Anfangsjahren auch zu den Profis in die Halle begeben; hab zum Beispiel einmal beim THW Kiel vorsichtig angefragt, ob ich einfach beim Training still in der Ecke sitzen und beobachten darf“, erinnert sich der 52-Jährige und hebt eine Lehre dabei hervor: „Ohne Freude geht’s nicht. Spaß und Disziplin erbringen erst in ihrer Symbiose den Erfolg als Torhüter.“

Zustimmung erntet Zehetbauer von Florian Knust. Der 32 Jahre alte Neuzugang von Drittligist HG Hamburg-Barmbek ist nach einer ersten Übungseinheit im Frühsommer und anschließender beruflicher Weiterbildung zum Kraftwerker zu Anfang letzter Woche endgültig ins Mannschaftstraining eingestiegen.

„Ich habe als Fünfjähriger, damals noch als ,Mini‘, mit der HG Norderstedt an einem F-Jugendturnier teilgenommen. Ich wurde ins Tor gestellt und bin da seitdem auch geblieben. Die Freude am Torhüterdasein habe ich nie verloren.“ Selbst, wenn es mal ein, zwei Gesichtstreffer gab? „Im Training nervt sowas fürchterlich; aber im Spiel ist das noch eine extra Motivation für mich und definitiv ein Fehler meines Gegenspielers, nicht besser gezielt zu haben.“

Die Entscheidung, wer beim Spiel im Tor steht, fällt kurzfristig

Und welcher Keeper steht zu Spielbeginn zwischen den Pfosten? „Ich stehe in ständigem Austausch mit Horst und vertraue da auch auf sein Bauchgefühl“, sagt Cheftrainer Nico Kibat. „Für mich als ehemaligem Feldspieler ist es eine große Hilfe, jemanden wie Horst zur Seite zu haben.“ Bauchgefühl? „Da spielt vieles hinein“, sagt Zehetbauer. „Ich würde mich nie schon am Donnerstag festlegen, wer am Wochenende spielt; das ist ganz viel Tagesform. In die Entscheidung spielen auch Dinge wie Körpersprache oder einfach ein Blick in die Augen hinein...“