Handball

Die neue Saison beginnt beim TSV Ellerbek im Kraftraum

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Athletiktrainer Kersten Kopietz (l.) gibt mit Neuzugang Niklas Benkendorf (r.) beim Bankdrücken Hilfestellung für Jesko Sauerland.

Athletiktrainer Kersten Kopietz (l.) gibt mit Neuzugang Niklas Benkendorf (r.) beim Bankdrücken Hilfestellung für Jesko Sauerland.

Foto: Ulrich Stückler / HA

Oberliga-Männerteam bereitet sich mit Athletiktrainer Kersten Kopietz auf Punktspielstart vor. Am Anfang steht die Leistungsdiagnostik

Ellerbek. Es ist warm im Kraftraum des TSV Ellerbek. Hier im Nebenbau der heimischen Harbig-Halle am Rugenbergener Mühlenweg herrschen locker über 25 Grad. Eigentlich vollkommen unnötig, denn ins Schwitzen geraten werden Jesko Sauerland und Niklas Benkendorf jetzt ohnehin. Die beiden Oberliga-Handballer aus dem Team von Chefcoach Nico Kibat haben für die nächsten 90 Minuten die nahezu ungeteilte Aufmerksamkeit von Kersten Kopietz.

Kopietz ist seit Anfang Dezember vergangenen Jahres Athletikcoach für das erste Männerteam des TSV Ellerbek. Der Absolvent der Sporthochschule Köln ist als Sportwissenschaftler ziviler Angestellter der Bundeswehr in Appen und bringt sein Fachwissen nun auch in die Mannschaft ein, die bei Saisonabbruch im April per Quotientenregel den neunten Platz (Quotient 75,0) in der Ober­liga-Abschlusstabelle belegt hat.

Seit Juni befasst sich Kopietz mit der Leistungsdiagnostik der Spieler

Auch wenn die „heiße“ Vorbereitungsphase auf die Serie 20/21 erst sieben Wochen vor dem Auftaktmatch beginnt – ein Termin ist noch nicht von den Verbänden avisiert worden – geht es jetzt schon unter Kopietz‘ Regie in die Vollen. Seit Juni ist der Athletikcoach damit beschäftigt, jeden Spieler leistungsdiagnostisch zu erfassen und zu analysieren. Allgemeine Trainingspläne gibt es bereits.

Jesko Sauerland und Niklas Benkendorf sind Nachzügler in dieser Testreihe, waren zuvor verhindert. „Jetzt gilt es, für jeden der Jungs seine individuellen Leistungsmerkmale, die Ist-Situation zu erfassen“, sagt Kopietz. „Erst wenn ich für die wichtigsten Muskelgruppen in Arm, Brust, Bein, Gesäß die Maximalkraft kenne und Elemente wie Sprunghöhen ermittelt habe, kann ich für jeden der Spieler ein auf ihn ausgerichtetes Kraft- und Athletiktraining zusammenstellen.“

Die „Aufwärm“-Kniebeugen beginnen bei 70 Kilogramm Schulterlast

Los geht’s. Warm machen ist angesagt. „Warm machen?!?“ Wer aus dem normalen „Hausgebrauch“ seines Fitnessstudios Gewicht-Kniebeugen mit Hantelstange und einer kleinen Scheibe auf jeder Seite kennt, könnte nun in moderate Fruststarre verfallen. Mit 70 Kilogramm beginnen die beiden. Locker und sauber absolvieren sie ihre Kniebeugen. Jetzt 110 kg. Wieder kein Problem, erste Schweißperlen sind eher der Umgebungstemperatur geschuldet. Scheibe um Scheibe wird gesteigert. Nun zählt’s. 135 bzw. 140 Kilogramm wandern auf die Hantelstange. Mitspieler Yannick Giles hat sich dazugesellt und leistet zusätzlich Hilfestellung für den Fall, dass die Kniebeuge an ihrer tiefsten Stelle enden sollte. Sauerland und Benkendorf packen ihr jeweiliges Gewicht, schaffen die Kniebeuge, doch zitternde Beine und knallroter Kopf verraten: Ende der Fahnenstange. Kopietz notiert die Werte.

So geht’s reihum weiter. Sprunghöhe mit Gewicht auf der Schulter, Bank­drücken und Rudern am Seilzugturm. Immer tasten sich die Männer an ihre Belastungshöchstwerte heran. Ist das hier doch eine „Folterkammer“, oder nicht? Kopietz: „Nein, Anstrengung ist ja nicht gleich Qual. Auf Basis dieser Werte kann ich jedem Spieler sein Übungspaket schnüren und die Reize der Übungen so dosieren, dass wir einen optimalen Trainingseffekt ohne Überlastung erzielen. Das wissen die Jungs und sind motiviert.“

Cheftrainer Kibat sieht großen Wert des Athletiktrainings in Verletzungsprophylaxe

Überlastung. Stichwort für Nico Kibat, um zu betonen, wie wertvoll die Arbeit seines Athletikcoaches für ihn als Cheftrainer ist. „Handball ist schließlich ein sehr körperbetonter Sport; Kraft und Athletik sind da gleich in doppelter Hinsicht gefordert“, sagt der erfahrene Coach, der selber als Spieler mit dem THW Kiel zwei Deutsche Meisterschaften und Pokalsiege eingefahren hat. „Auf deiner jeweiligen Position hast du als Spieler durch mehr Kraft oder einen schnelleren Antritt Vorteile gegenüber deinem Gegenspieler. Eine gut ausgebildete Muskulatur fungiert aber auch als Prophylaxe gegen Verletzungen. Und darin sehe ich die Priorität von Kerstens Arbeit und bin froh, dass er dieses hohe Maß an Professionalität in unser Training mit reinbringt.“

Und davon wird es reichlich geben, sobald ein Termin für den Punktspiel­auftakt feststeht. Kersten Kopietz:
„Dann werden die Jungs und ich in den ersten 14 Vorbereitungstagen drei Übungseinheiten pro Woche bestreiten.“

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