Handball

Der Kapitän geht von Bord, weil die Uni nochmal ruft

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Lasse Finck überzeugt nicht nur Spielgestalter – hier auch als siebenfacher Torschütze beim 31:30-Heimsieg über die SG Flensburg-Handewitt II.

Lasse Finck überzeugt nicht nur Spielgestalter – hier auch als siebenfacher Torschütze beim 31:30-Heimsieg über die SG Flensburg-Handewitt II.

Foto: Ulrich Stückler

Lasse Finck, Mannschaftsführer von Oberligist TSV Ellerbek, verlässt das Team nach vier Jahren. Er möchte ein Masterstudium absolvieren

Ellerbek.  Als die Oberliga-Handballer des TSV Ellerbek ihren Anhängern über die Sozialen Medien diese nicht nur aus sportlicher Sicht unerfreuliche Nachricht übermittelten, da hatte der „Blitz“ die Spieler des Viertligisten und deren Coach Nico Kibat schon längst getroffen. Na gut, eher ein „Blitzchen“ ist es gewesen, als Lasse Finck seinen Teamkameraden unterbreitete, dass sie die kommende Spielzeit – und wohl auch mindestens die darauffolgende – ohne ihren Kapitän bestreiten müssen.

„Lasse hat immer mit offenen Karten gespielt, dass seine Pläne Richtung beruflicher Veränderung gehen und dass ihn dies aus dem Bereich des Hamburger Handball-Verbands fortziehen könne“, sagte Trainer Nico Kibat. „Dank dieser Offenheit, die ihn auszeichnet und durch die er nicht zuletzt auch Mannschaftskapitän geworden ist, haben wir so bei der Kaderplanung für die kommende Saison entsprechend vorbauen können.“ Mit Niklas Benkendorf, Nico Hecht und Arne Schneider haben gleich drei Akteure für den TSV-Rückraum zugesagt. Kibat: „Wäre Lasse geblieben, hätten wir wohl sogar jemanden umschulen müssen.“

Kaum konnte er laufen, begann Finck mit dem Handballspielen

Bedauert wird Lasse Fincks Schritt von allen beim TSV, die seine Entwicklung in der heimischen Harbig-Halle über die vergangenen vier Jahre beobachtet haben. Ein sportlicher Lebensweg, der für den 23 Jahre alten Ellerauer indes schon viel früher begonnen hat. „Seit ich laufen kann, spiele ich eigentlich auch Handball; beim TSV Ellerau ist es gleich mit der jüngsten Minigruppe losgegangen“, erinnert sich Finck, der auch schon in jungen Jahren klar gemacht hat, dass er Veränderungen nicht scheut, wenn er ein Ziel erreichen möchte. „Ich bin zwar bis zur D-Jugend in Ellerau geblieben, dann hatte sich aber in Bad Bramstedt ein tolles Team für den 97er-Jahrgang geformt, bei dem ich dann drei Jahre geblieben bin. Wir waren landesweit konkurrenzfähig.“

Beim SVHU lernt der damals A-Jugendliche Coach Kibat noch als Spieler kennen

Und noch ein Drei-Jahres-Schritt sollte den Abiturienten am Quickborner Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium um ein gutes Stück voranbringen. „Den Rest der B-Jugend und die volle A-Jugendzeit habe ich beim SV Henstedt-Ulzburg gespielt. Gegen Ende durfte ich dort auch beim ersten Männerteam, das in der 2. Liga Nord gespielt hat, mittrainieren.“ Trainer dort: Tobias Skerka, von Sommer 2017 bis 2019 auch Fincks Coach bei den Ellerbekern. „Und als Spieler habe ich da bereits Nico Kibat kennengelernt, der war Teamkapitän.“ Das Amt also, das Lasse Finck für die Ellerbeker in der im April corona-bedingt abgebrochenen Spielzeit bekleidet hat.

Wie es dazu kam, dass der Rückraumakteur und Spielmacher den Posten vom bisherigen Mannschaftsführer Felix Albrecht übernahm, der sich zugunsten seiner Doktorarbeit zurückgezogen hatte, beschreibt sein jetziger Trainer gern: „Lasse ist im ganzen Auftreten vorbildlich. Er hat auf und neben den Feld als der intelligente Spieler, der er ist, echte Führungsqualität“, sagt Kibat. „Er ist stets ansprechbar und ein sehr gutes Bindeglied zwischen Mannschaftsleitung und Mannschaft. Ein Teamplayer eben.“

Der so Gelobte sieht seine Stärke besonders in mentaler Ausgeglichenheit. „Auf dem Feld kann ich auch in kritischen Situationen ruhig bleiben und bin dann auch bereit, Verantwortung zu übernehmen. Das hat mir in der Mannschaft wohl ein gewisses Standing gebracht“, sagt der ehemalige duale Student der Fielmann AG, die seit 2014 sein Arbeitgeber war.

Doch sechs Jahre sind genug, sagt der junge Mann. „Ich entscheide mich ja nicht gegen Ellerbek, sondern für einen neuen Lebensweg. Ich habe das Gefühl, dass die Zeit für eine neue Herausforderung gekommen ist.“ Und eine solche steht nun im Raum. Nach dreieinhalb Jahren Studium der Wirtschaftsinformatik für Fielmann will Lasse Finck „richtig“ an die Uni. „Unsere Gesellschaft, unser Berufsleben entwickeln sich so schnell, dass sich da spannende Perspektiven ergeben. Deswegen möchte ich gerne in Wirtschaftspsychologie meinen Master machen.“

Und wo soll das stattfinden? „Da bin ich nicht festgelegt“, sagt Lasse Finck, schmunzelt aber ein wenig. „Ich habe seit letztem Jahr eine Freundin im Saarland. Es wäre doch schön, wenn uns das Studium etwas näher zusammenbrächte...“

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