Pinneberg
Handball

TSV Ellerbek: Ans Aufhören denkt Maren Sicks noch nicht

Maren Sicks beim Torabschluss gegen den  ATSV Stockelsdorf. Nach der Nieder­lage gibt es an diesem Sonntag im Heimspiel gegen die HSG Mönkeberg-Schönkirchen die Chance auf Wiedergutmachung. 

Maren Sicks beim Torabschluss gegen den ATSV Stockelsdorf. Nach der Nieder­lage gibt es an diesem Sonntag im Heimspiel gegen die HSG Mönkeberg-Schönkirchen die Chance auf Wiedergutmachung. 

Foto: Frederik Büll

Rückraumspielerin Maren Sicks ist seit über 20 Jahren Handballerin und denkt nicht ans Aufhören. An diesem Sonntag ist das nächste Heimspiel

Borstel-Hohenraden.  Maren Sicks (32) ist Mutter; Tochter Emily ist mittlerweile drei Jahre alt. Für Handballerinnen ist eine Familiengründung oft auch die sportliche Zäsur. „Ich habe aber gemerkt, dass ich irgendwie ohne Handball nicht kann. Da fehlt mir einfach etwas. Mir war schon während der Schwangerschaft klar, dass ich wieder anfangen möchte. Und es ist für mich ein schöner Ausgleich zum Alltag“, sagt die Rückraumspielerin des TSV Ellerbek.

Also ist gutes Zeitmanagement gefragt, um Familie, Beruf und Sport in der vierthöchsten deutschen Spielklasse miteinander zu kombinieren. Sicks arbeitet in Teilzeit im Vertrieb einer Hamburger Gabelstaplerfirma, trainiert alle zwei Wochen die beiden Einheiten in ihrer Mannschaft mit – und steht an den Wochenenden im Norden der Republik auf den jeweiligen Spielfeldern. Bei Heimpartien werden sie und ihre Teamkolleginnen von Tochter Emily mittlerweile regelmäßig als Zuschauerin unterstützt – selbstverständlich im Trikot ihrer Mama.

TSV-Trainer Molkow ist glücklich, Sicks im Team zu haben

Ellerbeks Trainer Jens Molkow ist glücklich, dass Sicks nach wie vor in seinem Team steht. „Sie ist eine absolute Führungsspielerin, die einen großen Erfahrungsschatz aufgebaut hat“, sagt er. Und eines schätzt Molkow ganz besonders an der Rückraumspielerin, die schon seit zehn Jahren beim TSV Ellerbek Handball spielt: „Maren bleibt in Stresssituationen immer ruhig.“

Als „beste Abwehrspielerin“ hat die Linkshänderin meist die Aufgabe, die angreifende Spielerin im Rückraum-links – häufig die Haupttorschützin – zu verteidigen. Auch ihr eigener Vater sieht die Stärken in der Defensive. „Manchmal ist das persönliche Empfinden ja anders. Meiner Meinung nach ist die Abwehr bei mir schon nicht schlecht, aber ich sehe meine Stärken eher im Angriff in der Variation der Würfe. Ich habe nicht unbedingt ein festes Wurfbild“, sagt Sicks, die in Borstel-Hohenraden wohnt. Sie kann im Rückraum links und rechts spielen, schaut sich den Torwart an und reagiert auf dessen Schwächen.

In ihrer Geschwindigkeit sieht Sicks noch Verbesserungspotenzial

Schwächen habe sie nicht, meint Sicks lachend: „Naja, mittlerweile ist es die Geschwindigkeit. Ich war noch nie die Schnellste, aber in dem Bereich könnte ich schon etwas mehr arbeiten.“ Andererseits sichere sie bei Tempogegenstößen dann eben lieber hinten ab. Beim TSV Ellerbek gebe es schließlich „genug junge Hüpfer.“ Christina Hinrichs (32) ist als älteste Ellerbek-Spielerinnen zwei Wochen älter als sie selbst. Eine Handvoll anderer Teamkolleginnen hat ebenfalls schon die Altersgrenze von 30 Jahren geknackt.

Mit Handball angefangen hat Sicks, die auch verantwortlich für die Social-Media-Auftritte ihres Teams ist, vor mehr als 20 Jahren. Vorher war sie Fußballerin beim Glashütter SV. Als Abwehrspielerin wirkte sie bei den Jungs mit – bis es aus Altersgründen dann aber nicht mehr ging. Deshalb wechselte sie über eine Mitspielerin, deren Vater in Norderstedt Handball-Coach war, die Sportart. „Handball ist auch der deutlich körperbetontere Sport. Und es geht auch fairer zu als beim Fußball. Zudem ist es eine wetterneutrale Sportart. Das wird ja gerade im Alter immer wichtiger“, so Sicks.

2008/2009 gab es drei Kurzeinsätze im Buxtehuder Bundesligateam

Seit den Anfängen kamen lediglich zwei Clubwechsel hinzu. Die gebürtige Norderstedterin, die damals und bis zu Ellerbek-Zeiten auf Rechtsaußen unterwegs war, trat für die damalige HG Norderstedt an, wechselte dann nach der Jugendzeit zum Buxtehuder SV II in die Regionalliga – und gehörte fortan auch zum erweiterten Kader der Bundesliga-Mannschaft. In der Saison 2008/09 gab es sogar drei Kurzeinsätze in der höchsten deutschen Spielklasse.

2010 ging es dann für Maren Sicks – mit Ausnahme der insgesamt einjährigen Schwangerschafts- und Tochterpause – beim TSV Ellerbek weiter. Die gewöhnlich hohe, wechselseitige Fluktuation zwischen Ellerbek und dem Nachbarn TuS Esingen blieb in Sicks’ Fall aus. Sie steht eben für sportliche Kontinuität.

„Ich bin damals aus Buxtehude weggegangen, weil ich den Fokus mehr auf das Private legen und nicht mehr so weit fahren wollte. Der TuS Esingen hat damals auch nicht in der Oberliga gespielt und als es noch mal die Chance gab, war ich schwanger“, sagte Sicks. 2010 war sie nach Tangstedt gezogen, Ellerbek eine naheliegende sportliche Option

Trainer und Spielerin kennen sich von gemeinsamer Zeit in der Jugend-Auswahl

Molkow und Sicks hatten schon zur Jahrtausendwende bei der Hamburger Auswahl zusammengearbeitet. Ihre Beteuerungen, dass es keine Anekdoten aus der Jugendzeit gebe und sie sich nie etwas zu Schulden habe kommen lassen, scheinen wahr zu sein. „Maren war schon immer eher solide und brav unterwegs. Über andere Spielerinnen könnte ich theoretisch schon einige Geschichten erzählen, aber bei Maren gab es da einfach nichts“, sagt der Ellerbek-Trainer über die Ruhe in Person, die auch meist an die Siebenmeter-Linie tritt.

So lange sie noch Leistung zeigen kann, möchte Maren Sicks, die früher ein Fan von Florian Kehrmanns Spielweise auf Rechtsaußen war, weitermachen. „Bevor es nur noch für die Bezirksliga reichen sollte, höre ich auf. Ich habe keine Lust, mir meine Knochen kaputt machen zu lassen.“ Noch aber ist der Wunsch da, sich komplett zu verausgaben. Und dafür haben auch ihr Mann Christopher – kein Handballer – und Tochter Emily vollstes Verständnis.

Diese Lust auf Handball soll nun am Sonntag (18.30 Uhr) in der Harbig-Halle helfen, gegen den Tabellendritten HSG Mönkeberg-Schönkirchen den zehnten Saisonsieg einzufahren.