Pinneberg
American Football

Ein Mann bringt NFL-Erfahrung für die Fighting Pirates

Hoher Besuch bei den Fighting Pirates: Ted Daisher (65) bringt 40 Jahre Erfahrung als Footballtrainer mit, davon sechs Spielzeiten als Special Teams Coach in der NFL. Coach Patrick Esume (l.), der den Kontakt hergestellt hat, und Headcoach Jörn Maier (r.) sind vom Profi und seiner Trainingseinheit begeistert.

Hoher Besuch bei den Fighting Pirates: Ted Daisher (65) bringt 40 Jahre Erfahrung als Footballtrainer mit, davon sechs Spielzeiten als Special Teams Coach in der NFL. Coach Patrick Esume (l.), der den Kontakt hergestellt hat, und Headcoach Jörn Maier (r.) sind vom Profi und seiner Trainingseinheit begeistert.

Foto: Ulrich Stückler

US-Coach Ted Daisher leitet einen Trainingsabend mit den Erstliga-Footballern. Sein Know-how hat der 65-Jährige auch aus der Profi-Liga

Elmshorn.  Drahtig sieht er aus. Topfit. Dieser Mann soll 65 Jahre alt sein? Ted Daisher steht konzentriert, aufrecht aber doch völlig entspannt in der Krückauhalle vor den GFL-Footballern der Elmshorn Fighting Pirates. Chefcoach Jörn Maier stellt kurz den Gast seinem Team vor. Aber viele Worte sind überflüssig, die meisten Akteure im Kader des Erst­ligaaufsteigers haben sich bereits vor diesem Trainingsabend im Internet darüber schlau gemacht, wer ihr hoher Besuch aus den USA ist.

Der hohe Gast blickt auf 40 Jahre Trainererfahrung zurück

Was sie dort gefunden haben, ist das Zeugnis eines Lebens mit und für den Footballsport. 1955 in Taylor/Michigan geboren, hat der Absolvent am Western Michigan College nur 23 Jahre später seine erste Stelle als Coach übernommen; die Running und Defensive Backs der Kalamazoo Christian Highschool wurden seine erste Trainerstation. 26 Jahre später, 2004, folgte das absolute Highlight einer jeden Football-Trainerkarriere: Der Sprung in die National Football League (NFL). Von 2004 bis 2009 betreute Daisher nacheinander die Special Teams der Philadelphia Eagles, Oakland Raiders und Cleveland Browns.

Patrick Esume war in Oakland Praktikant von Ted Daisher

Und diese prestigeträchtigsten Trainerstationen haben den Vollblut-Footballcoach über Patrick Esume –
seit dieser Saison Defensecoach der Elmshorner Freibeuter – auch bei den Pirates ins Gespräch gebracht. „Patrick war 2006 bei den Oakland Raders und 2007 bei den Cleveland Browns mein Praktikant und hat in den Trainingscamps als Positionstrainer gearbeitet“, erinnert sich Daisher. „Als ich jetzt einer Einladung nach Nürnberg zur bayerischen Trainerconvention gefolgt bin, hat er halt die Gelegenheit genutzt,
mich auch hierher einzuladen. Patrick ist genau­genommen meine einzige Beziehung zu Deutschland.“

Und diese Verbindung hat den Spielern des Aufsteigers ein nicht alltägliches Trainingserlebnis eingebracht.
Nach der Begrüßung übernimmt Daisher das Kommando in der Halle. Nicht wie von einigen Gedacht für eine kurze Übung, um dann für Fragen Rede und Antwort zu stehen. Volle 100 Minuten hält der 65-Jährige die Elmshorner Spieler, aber auch deren Trainer auf Trab.

Eine Lawine an Informationen und Anweisungen – alles auf Englisch – prasselt auf die Erstliga-Footballer und ihre Chefs ein. Daisher ist Fachmann für Special Teams – Formationen, die in Kicksituationen auf dem Feld stehen. Momente im Spiel, die spezialisierte Spieler und ausgefeilte Taktik erfordern. Als wäre es Schach mit menschlichen Figuren, stellt der US-Amerikaner Szene um Szene nach, erklärt Laufwege und Blockaufgaben. Maier, Esume und die übrigen Coaches assistieren. Kein Ruhemoment, die Zeit will optimal genutzt werden. Es will auch niemand Pause; die Leidenschaft des US-Trainers steckt alle Pirates an.

„Trainer sein, das geht nicht ohne Hingabe. Die Spieler spüren deine Leidenschaft für den Sport“, sagt Daisher. „Dann nehmen sie Ratschläge leichter an, sind motiviert. Und Motivation ist grade für die Jungs hier so wichtig. Das sind Amateure; Football kann nicht die Nummer eins in ihrem Leben sein.“

Doch, an diesem Abend schon. Spieler und Trainer verlassen nach rund zwei Stunden zufrieden die Krückauhalle. Keiner, ohne sich vorher bei Daisher zu bedanken...