Pinneberg
Radsport

Der harte Weg nach Tokio führt auch über Bremen

Das hohe Tempo auf der Radrennbahn ist genau „das Ding“ für den aus Wedel stammenden Radsportler Leon Rohde (24). Sein Straßentraining führt ihn dagegen auch schon mal bis nach Glückstadt.

Das hohe Tempo auf der Radrennbahn ist genau „das Ding“ für den aus Wedel stammenden Radsportler Leon Rohde (24). Sein Straßentraining führt ihn dagegen auch schon mal bis nach Glückstadt.

Foto: Ulrich Stückler

Der aus Wedel stammende Leon Rohde nimmt an den Sixdays in der Hansestadt teil. Seine Vorbereitung für die Olympiaqualifikation.

Bremen. Lampenfieber? Keine Spur. Zumindest ein wenig Unruhe vor dem ersten Start bei einem Sechstagerennen? Im Gegenteil. Völlig tiefenentspannt kommt Leon Rohde zum vereinbarten Treffpunkt im Foyer der Bremer ÖVB-Arena. Dabei hätte er allen Grund, etwas „hibbelig“ zu sein. Keine drei Stunden trennen den aus Wedel stammenden Radsportler von seiner Premiere bei der traditionsreichen Bahnrad-Veranstaltung in der Hansestadt. Es ist mit Berlin eines von nur noch zwei in Deutschland stattfindenden Sechstagerennen.

Doch das hat wenig Einfluss auf die Gemütsverfassung von Leon Rohde, der 24-Jährige hat die Ruhe weg. „Ich habe eben noch kurz gegessen – ein wenig Nudeln und Reis.“ Klar, die Kohlen­hydrattanks müssen aufgeladen werden. Näher lässt er den Gedanken an den ersten Rennabend bei den 56. Sixdays noch nicht an sich ran. „Ich geh jetzt zurück ins Hotel, gegen 19.30 Uhr bin ich wieder hier, dann haben wir freies Training.“ Und nur noch 75 Minuten bis zur offiziellen Fahrerpräsentation in der sich allmählich mit Menschen füllenden ÖVB-Arena.

Mit 24 Jahren ein alter Hase im Leistungsradsport

Dieses beneidenswerte Maß an Abgeklärtheit erklärt sich, wenn man realisiert, dass Leon Rohde trotz seiner erst 24 Lenze in Sachen Leistungsradsport ein alter Hase ist. Bereits mit 16 streicht der zu dem Zeitpunkt schon seit knapp zwei Jahren im Radsport-Internat des RSC Cottbus lebende Wedeler die ersten deutschen Meistertitel ein (Straße sowie auf der Bahn Mannschaftsverfolgung und Zweierteam). Im Zweier-Mannschaftsfahren wird er 2014 an der Seite von Domenic Weinstein U23-Europameister.

Nur einige von vielen bemerkenswerten Platzierungen im auslaufenden Jahrzehnt, die verständlicherweise Begehrlichkeiten bei dem ältesten von drei Rohde-Brüdern (Louis, Luca) für die sportliche Zukunft geweckt haben. Olympia soll es schon gerne werden.

Seit 2018 fokussiert er sich auf den Mannschafts-Bahnvierer

Damit der Traum mit der Teilnahme an Tokio 2020 wahr wird, konzentriert sich Leon Rohde seit 2018 ganz auf die Bahn, den Mannschaftsvierer, und hat sich dafür auch dem größten deutschen Sportförderer, der Bundeswehr angeschlossen.

Offiziell der Sportfördergruppe Frankfurt/Oder zugehörig, wohnt der Hauptgefreite Rohde in Hamburg-Osdorf, ist aber seinem Heimatort Wedel auf besondere Art verbunden. „Meine Trainingsfahrten gehen meistens über Wedel und Waldenau bis Uetersen und durch die Haseldorfer Marsch. Manchmal wird es auch etwas länger, und ich fahre bis Glückstadt durch“, sagt Rohde.

Bremer Sportchef ermöglicht Rohdes Sixdays-Premiere

Mit dem Deutschland-Vierer, der ihn schließlich nach Tokio bringen soll, war Rohde auch vor einem Monat in Brisbane beim Weltcup aktiv, als er seine Sixdays-Premiere vereinbarte. „Ich bin vom Bremer Sportchef kontaktiert worden, weil noch ein Startplatz frei war“, sagte Rohde, der einen vierten Platz aus Australien mit nach Hause brachte. „Alles Wichtige haben wir dann telefonisch noch in Brisbane geklärt. Ich freue mich sehr auf diese Erfahrung.“

Rennkilometer, die er stets in Abstimmung mit Bundestrainer Sven Meyer vereinbart. „Der Bundestrainer sucht die Veranstaltungen aus, an denen wir teilnehmen“, sagt Rohde und bricht eine Lanze für die gerne Mal als Showveranstaltung abgetanen sechs Tage auf der Radrennbahn. „Ich habe aufgehört, Krafttraining zu betreiben; alle meine Übungseinheiten finden auf dem Rad statt. Daher sind auch diese Sixdays wichtig für meine Vorbereitung, um mich für Olympia zu qualifizieren. In Sachen Schnelligkeit und bahnspezifisches Verhalten lerne ich hier viel.“

Doch ohne intaktes Sportgerät kann auch der beste Athlet nichts reißen. Und so führt der erste Weg nach seiner Rückkehr in die ÖVB-Arena Leon Rohde gleich gegen 19.30 Uhr ins Fahrerlager an der Stirnseite des Innenraums vom Rennoval. Dort erwartet ihn Jens Lentfer. Der junge Mann aus Lilienthal ist einer von mehreren Mechanikern, die in dieser und den folgenden fünf Nächten bei den Hightech-Rennmaschinen nach dem Rechten sehen. Die beiden stimmen sich kurz ab, alles ist fürs Erste klar. Nun kann das freie Training folgen. Entspannt dreht Rohde seine Runden – mal für sich, mal in der Kleingruppe. Der 24-Jährige lächelt, alles fühlt sich gut an.

Solides Mittelfeld nach Tag Eins

20.40 Uhr. Rohde hat sich nochmal kurz nach den Trainingsrunden gesammelt, nun folgt die erste Pflichtaufgabe. Nacheinander werden die Fahrer-Duos auf die Bühne im Inneraum gerufen und per Lautsprecher und Videowand den Tausenden im Oval vorgestellt. Erster Sixdays-Applaus für den Wedeler.

21.15 Uhr. Die Startschuss-Zeremonie hat begonnen. Während sich die Fahrer bereits auf der Start-/Zielgeraden für das erste Rennen des Tages, das Ausscheidungsfahren, positioniert haben, schickt sie Kapitän Morten Hansen von der SAIL Bremerhaven mit dem symbolischen Startschuss ins Sechstagerennen.

Nach fünf Konkurrenzen beenden Rohde und Partner Moreno de Pauw den Tag um 0.25 Uhr als Siebte unter zwölf Teams. „Eine spannende Erfahrung“, resümierte der Wedeler. „Gerade die Jagd war zwischendurch richtig schnell. Moreno hat mir noch einige Tipps gegeben. Mal sehen, was wir in den nächsten Tagen noch verbessern können.“