Pinneberg
Pferdesport

Kleiner Hengst mit großem Selbstbewusstsein

Thorfalk Stoll mit dem Hengst Fluxus (12). Er versucht, die Holsteiner Auktionsstuten immer im Blick zu behalten 

Thorfalk Stoll mit dem Hengst Fluxus (12). Er versucht, die Holsteiner Auktionsstuten immer im Blick zu behalten 

Foto: FOTO: Melanie Mallon / Melanie Mallon

Nur 88 Zentimeter groß, aber der Chef. Shetlandpony Fluxus und Besitzer Thorfalk Stoll empfangen zur Holsteiner Winter-Auktion 78 Pferde.

Elmshorn. Er ist der Exot unter den großen Schönen im Stalltrakt des Holsteiner Verbandes. Fluxus ist gerade mal 88 Zentimeter groß; nur halb so hoch wie seine jungen Artgenossen. Und er gehört mit seinen zwölf Lebensjahren zu den gestandenen Kerlen, während die anderen Pferde in seiner Nachbarschaft gerade zwei bis vier Jahre alt sind und noch sehr viel lernen müssen.

Was nicht unbedingt bedeutet, dass das Shetlandpony zu den sittlich Gereiften seiner Spezies gehört. Im Gegenteil: Der kleine Hengst mit dem großen Selbstbewusstsein ist frech, übermütig und hat jede Menge Flausen im Kopf.

Fluxus hat seinen Besitzer Thorfalk Stoll von Hamburg nach Elmshorn begleitet. Dessen Aufgabe ist es, die 64 jungen unerfahrenen Pferde für ihren Auftritt bei der Holsteiner Winterauktion in der Elmshorner Fritz-Thiedemann-Halle an diesem Wochenende fit zu machen. Das bedeutet, ihnen Manieren beizubringen. Zum kleinen Ein-mal-Eins gehören: Halfter akzeptieren, an der Longe laufen, brav den Huf geben - und, ganz wichtig: Vertrauen zum Menschen aufbauen. „Geduld ist eine Zauberformel; manchmal geht es auch erst zwei Schritte zurück und dann drei wieder nach vorne“, sagt Stoll.

So wie Hundebesitzer ihren Gefährten stets gerne dabei haben, so nimmt auch Stoll seinen Liebling mit zur Arbeit, wann immer das möglich ist. „Es war Liebe auf den ersten Blick, obwohl Fluxus bei der ersten Begegnung richtig frech war. Aber den musste ich haben“, sagt der 39-Jährige.

Bocken, einfach auf der Weide davongaloppieren waren war für Fluxus mit drei Jahren ein Riesenspaß. Auch jetzt im Erwachsenenalter ist Fluxus verspielt und übermütig wie ein Fohlen. Besonders gern beschäftigt er sich mit Gymnastikbällen, die einen Durchmesser von 50 Zentimetern haben und damit dem „Shetty“ bis zur Brust reichen. Er kickt sie mit den Hufen, verbeißt sich in ihnen und schleudert sie mit dem Kopf unermüdlich über den Sandplatz. Ein für Pferde sehr ungewöhnliches Verhalten.

„Gefühlt hat Fluxus im Lauf der Jahre 80 Gymnastik- und Medizinbälle geschrottet, da kennt der nix“, sagt Stoll. Obwohl Fluxus feinfühlig und sensibel ist, hat er keine Scheu vor großen Tieren. Schon gar nicht vor Stuten. „Ein Hengst eben“, sagt Stoll achselzuckend. „Die Eier machen die geringe Körpergröße wieder wett.“ Grund genug, den Draufgänger während des Trainings für die Winterauktion von weiblichen Verlockungen fernzuhalten. „Die Stuten bekommen hier Frühlingsgefühle und konzentrieren sich nicht mehr auf die Arbeit, zum Ärger der Reiter“, sagt Pferdewirt Stoll.

Bei der zweitägigen Auktion werden 78 Holsteiner angeboten, unter ihnen sind 14 Reitpferde. Die Idee zu dieser ersten Auktion ausschließlich mit Pferden des Holsteiner Verbandes haben die Geschäftsführer Norbert Boley (63) und Roland Metz (46) gemeinsam entwickelt. Ein Hingucker hat jetzt schon für viel Wirbel gesorgt – der acht Jahre alte Wallach Casaltino. Der damalige Siegerhengst der Holsteiner Körung von 2013 war unumstrittener Liebling im Publikum und hoch gelobt. Bei seinen ersten Turniereinsätzen konnte der Sohn des Weltelite-Hengstes Casall sich mit hohen Noten präsentieren. Das machte ihn zu einem hoffnungsvollen Nachwuchspferd im Stall von Elite-Reiter Rolf-Göran Bengtsson in Oelixdorf (bei Itzehoe).

Nun hat sich der Verband entschieden, Casaltino als Wallach zu versteigern. „Als Wallach ist Casaltino einfacher und pflegeleichter zu bedienen“, sagt Metz. Zu den Hoffnungsträgern gehört der erst vier Jahre alte braune Wallach Dixon. „Er ist bereits angeritten und zählt zu meinen persönlichen Favoriten“, sagt Metz. „Wir haben alle Pferde als Fohlen erworben.“

Bevor die vierbeinigen Springsportler neue Besitzer bekommen, gab es einen Pferde-TÜV. Hier geht es um Standarduntersuchungen von Augen, Herz, Lunge, Beinen und Gelenken inklusive Röntgenbilder. Für Roland Metz ist es nun die dritte Holsteiner Auktion als Mitglied der Geschäftsführung. Der Pferdewirt war im Spring-, Dressur- und Vielseitigkeitssport aktiv. Die Auktion leitet der bundesweit versierte Auktionator Hendrik Schulze Rückamp (48) aus Baden-Württemberg.

Weil die Stuten den Kleinen als sehr attraktiv einstufen und rossig werden, musste Fluxus bei der Unterbringung eine Entscheidung von Tragweite erdulden: Die Stute nebenan ist ans andere Ende der Stallgasse umgesiedelt worden; in Fluxus’ Nachbarbox steht nun ein Wallach. „Fluxus ist richtig sauer“, sagt Thorfalk Stoll. „Der stellt sich auf die Hinterbeine, macht einen langen Hals, checkt den neuen Nachbarn und versucht, die Witterung seiner Freundin aufzunehmen.“ Ein Hengst eben.