Pinneberg
Sportpferde

Dieser junge Hengst ist so teuer wie ein Wohnhaus

Für 400.000 Euro wird dieser junge Holsteiner Hengst Chinchero nun seine neue Box bei der internationalen Springreiterin Janne-Friederike Meyer-Zimmermann in Waldenau beziehen.

Für 400.000 Euro wird dieser junge Holsteiner Hengst Chinchero nun seine neue Box bei der internationalen Springreiterin Janne-Friederike Meyer-Zimmermann in Waldenau beziehen.

Foto: Melanie Mallon

Der unerfahrene Holsteiner Vize-Champion Chinchero wird für 400.000 Euro versteigert. Insgesamt werden an diesem Tag 71 Hengste verkauft

Neumünster/Elmshorn.  Es ist eine Szene, wie man sie sonst allenfalls im Zirkus erlebt. Absolute Stille herrscht in der Arena vor dem nächsten Auftritt; die mehr als 4000 Zuschauer ahnen, dass gleich Außergewöhnliches passiert. Doch nicht ein waghalsiger Artist zieht das Publikum in den Bann. Alle Augen richten sich in der ausverkauften Holstenhalle von Neumünster auf Chinchero. Denn das soeben zum Vize-Champion der Holsteiner Hengste gekürte braune Prachtexemplar wird nun versteigert.

Zwei Interessenten liefern sich ein rasantes Bieter-Duell

Das verspricht, spannend zu werden, und die Erwartungen werden nicht enttäuscht. Binnen 20 Sekunden schnellen die Gebote auf 300.000 Euro hoch; es folgt der Showdown. Zwei Bieter geben sich ein spektakuläres Duell, nach weiteren 50 Sekunden fällt der Auktionshammer. Für glatte 400.000 Euro gibt es den Zuschlag, Chinchero bezieht seine neue Box im Stall der international erfolgreichen Springreiterin Janne Friederike Meyer-Zimmermann (38) in Waldenau.

Mit Steuern und Vermittlungsgebühr des Holsteiner Verbandes summiert sich der Preis auf mehr als 500.000 Euro. Dabei ist Chinchero in jeder Hinsicht absolut unerfahren. Er ist erst zweieinhalb Jahre alt, kennt keinen Sattel, hat noch keinen Nachwuchs gezeugt. Der Verkauf ist nicht nur Höhepunkt der Elite-Auktion des in Elmshorn residierenden Holsteiner Verbandes, er krönt den Zuchterfolg von Manfred von Allwörden (58).

Züchter Manfred von Allwörden stellt die beiden besten Holsteiner eines Jahrgangs

Der Bäckerei-Unternehmer, zu dessen Imperium mehr als 200 Filialen gehören, stellt nicht nur den Vize-Champion der 49. Holsteiner Körung und Elite-Reitpferde-Auktion und damit ein Pferd, das soviel kostet wie ein Einfamilienhaus. Auch der hier gekörte diesjährige Sieger kommt aus von Allwördens Zucht in Grönwohld: Es ist der Schimmelhengst Cahil. „So etwas hat Schleswig-Holstein noch nicht erlebt“, sagt Auktionator Hendrik Schulze Rückamp. „Die beiden besten Holsteiner Pferde eines Jahrgangs haben denselben Züchter.“

Insgesamt hat von Allwörden neun der 71 in der Holstenhalle präsentierten Holsteiner Hengste gestellt; eine ungewöhnlich hohe Zahl. Eigentlich wollte sich von Allwörden nicht von seinen persönlichen Favoriten Chinchero und Cahil trennen. „Die bleiben im Stall auf dem Grönwohldhof, ich setze sie für die Zucht ein.“ Was ihn bewog, Chinchero nun doch zu verkaufen, ist unklar. Die Aussicht auf einen Erlös im mittleren sechsstelligen Bereich war beim Entscheid gewiss nicht hinderlich. Bei Cahil bleibt von Allwörden hart: „Keine Chance, mein Schimmel fährt in meinen Stall zurück. An den lasse ich keinen ran.“

Bei Roland Metzler bekommen Hengste den letzten „Schliff“

Im Vergleich zu Chincero ist der zweite Vize-Champion Milbridge fast ein Sonderangebot. Das sächsische Landgestüt Moritzburg bekommt den Zuschlag für 90.000 Euro plus Nebenkosten. Milbridge ist beim Tornescher Roland Metzler (41) in die Hengstschule gegangen. Ebenso Urthago, den Gunnar Mohr in Haselau aufzog. Er gehört zu 20 von 71 Hengsten, die gekört wurden. Damit ist er von Zuchtleiter Dr. Thomas Nissen für die Zucht zugelassen und bleibt auf Wunsch des Besitzers aus Kentucky/USA in der Obhut von Roland Metzler in Tornesch: „Jetzt steht die weitere Ausbildung an.“

Zwölf gekörte Hengste haben zum Durchschnittspreis von 88.416,67 Euro den Besitzer gewechselt, sechs Hengste sind ins Ausland (Südafrika, Schweden, USA und Italien) verkauft haben. Die 30 nicht gekörten Hengste kosteten im Schnitt 22.283,33 Euro. Für 43 versteigerte Reitpferde erzielte Auktionator Hendrik Schulze Rückamp einen Durchschnittspreis von 33.313,95 Euro. Deren Käufer kommen aus Australien, Chile, Peru, Belgien, der Schweiz, der Slowakei und natürlich Deutschland. Teuerstes Reitpferd ist Celebration, der Wallach aus der Quickborner Zuchtgemeinschaft Friedrich/Meier kostete 82.000 Euro.

Unterdessen bereitet sich der Tornescher Hengstausbilder Roland Metzler auf die nächste Pferde-Auktion an kommenden Wochenende im mecklenburg-vorpommerschen Redefin vor. Dort reist er mit zwölf Hengsten an. Wie die Verkaufschancen sind, mag Metzler nicht prognostizieren. „Mal sehen, was kommt. Wir lassen uns überraschen.“