Pinneberg
Gerätturnen

Wedeler TSV: Amelie Wermke ist Multitalent der Turnerinnen

Vielseitig: Amelie Wermke (12) turnt für den Wedeler TSV in der Landesliga und spielt Hockey beim THK Rissen.

Vielseitig: Amelie Wermke (12) turnt für den Wedeler TSV in der Landesliga und spielt Hockey beim THK Rissen.

Foto: Thomas Maibom

Die Zwölfjährige ist nach längerer Pause sofort wieder Leistungsträgerin in der Landesliga-Riege. Dabei ist sie auch im Hockey sehr versiert

Wedel.  Das war ein anstrengender Tag für Amelie Wermke. Erst trat die Zwölfjährige mit der Landesliga-Riege des Wedeler TSV zum zweiten Wettkampftag der Turnerinnen in Bargteheide an, dann raus aus den Turnklamotten und die zweite Sporttasche mit der Hockeyausrüstung geschnappt. Mit den B-Mädchen des THK Rissen musste sie in Rissen bei den Hamburger Meisterschaften antreten. „Ich hatte beide Sporttaschen bei meinen Eltern im Auto. Sonst hätte ich das nicht geschafft“, erzählt das Multitalent.

Hockey und Turnen sind die zwei sportlichen Hobbys der Wedelerin. Hobbys, die gegenseitig Vorteile bringen. Beim Hockey profitiert Amelie vom guten Körpergefühl, das sie beim Turnen erlernt. „Amelie bewältigt Situationen, bei denen die meisten Spielerinnen zurückstecken würden“, staunt Mutter Saskia immer wieder. Auf der anderen Seite hilft Amelie die Kondition vom Hockey, auch beim Turnen bis zum Ende eines Wettkampfs auf ihrem höchsten Niveau zu agieren.

Das Ziel, immer das Beste zu bringen, fasziniert Turn-Trainerin Daniela Buscarlet. „Amelie ist unglaublich ehrgeizig. Sie steckt sich selbst immer wieder neue Ziele. Und sie weiß genau, wie sie die erreichen kann“, sagt die Wedeler Trainerin. So hat sich die Zwölfjährige binnen kürzester Zeit erneut zu einer Leistungsträgerin beim TSV gemausert.

Erneut, denn Amelie hat eine mehrjährige Pause vom Turnen eingelegt. Beim Kinderturnen begann ihre sportliche Karriere, doch dann nahm eine Freundin sie mit zum Hockey. Der Mannschaftssport machte der Schülerin vom Johann Rist Gymnasium so viel Spaß, dass sie ihre Turnkarriere kurzerhand auf Eis legte. „Doch als wir dann vor anderthalb Jahren in Wedel umgezogen sind und Amelie ihre ganzen Turnpokale einpacken musste, hat sich unserer Tochter mit Wehmut an ihren Einsteigersport erinnert. ,Mama, ich glaub, Turnen ist voll mein Ding‘, hat sie dann bei unserer Fahrt ins neue Zuhause gesagt“, erinnert sich Saskia Wermke.

Mit der Anfrage, ob sie wieder beim TSV Wedel anfangen dürfe, rannte Amelie offene Türen ein. Trotz der langen Pause bekam sie sofort einen Platz in der Landesliga-Riege. „Man merkt ihr die Pause natürlich an. Aber es ist sehr faszinierend zu sehen, wie schnell Amelie die alten Abläufe wieder hin bekommt“, sagt Daniela Buscarlet staunend.

Sport, Schule oder Musik: Amelie mischt ganz vorne mit

Das Talent zieht sich wie ein roter Faden durch Amelies Leben. Im Turnen und Hockey gehört sie zu den Besten im Team. Auch in der Schule steht sie mit einem Zeugnisschnitt von 1,4 richtig gut da. Und als sie angefangen hat, Klavier zu spielen, klappte auch das auf Anhieb. Für Amelie ist das ein Problem. „Egal, was ich anfange, alle wollen sofort, dass ich nur das professionell tue. Dabei sind das doch nur meine Hobbys“, ist das Multitalent manchmal von ihren Trainern und Lehrern genervt. „Amelie gibt ihr Tempo vor“, sagt Daniela Buscarlet, wie sie das junge Talent nicht überfordert.

Und beim Turnen waren an diesem Wettkampftag ihre Qualitäten mehr denn je gefragt. Riegenkameradin Hanna Witte, die Beste des ersten Wettkampfs, hatte sich beim Auswahltraining vor anderthalb Monaten einen Finger gebrochen. „Ich hab dann mal meine Bodenübung ein- bzw. freihändig geturnt. Das hat ganz gut geklappt“, sagte die 14-Jährige schmunzelnd mit Blick auf ihren eingegipsten Finger.

Doch für den Wettkampf in Bargteheide reichte es noch nicht. Der erste, weiße Gips wurde zwar durch einen neuen, in schickem Wedeler TSV-Grün gehaltenen ersetzt, war aber eben noch da. Immerhin, auch ohne ihre Beste lief es richtig rund beim TSV. Erneut wurde der Wettkampf gewonnen.

Das Ziel der TSV-Riege, der Klassenerhalt, ist damit schon vor der letzten Liga-Runde am 16. November in Wedel erreicht. Mehr noch: Der TSV könnte den dritten Aufstieg in Folge schaffen. „Das wäre cool. Unsere zweite Riege ist zweimal zusammen mit Wedel aufgestiegen. Das wäre doch riesig, wenn beide Vereine gemeinsam den Durchmarsch von der Bezirksliga in die Oberliga schaffen“, sagte Trainerin Angela Marquard von Blau-Weiß 96 Schenefeld. Dafür müsste Schenefeld aber noch am TSB Flensburg vorbei ziehen, der in der Landesliga derzeit Zweiter ist. Vierter ist der TSV Uetersen.

In der Oberliga gab es ein kleines Erdbeben. Der Seriensieger 1. SC Norderstedt wurde nur Fünfter, Blau-Weiß 96 Schenefeld gewann den Wettkampf, der VfL Pinneberg wurde Dritter.

In der Verbandsliga ist Schenefelds Dritte jetzt Zweiter, der Elmshorner MTV Vierter.

Die Halstenbeker Turnerschaft scheint in diesem Jahr die Relegation der Bezirksliga vermeiden zu können und ist Vierter unter acht Riegen. Schlusslicht ist die Zweite von Pinneberg.

Und was ist eigentlich mit Amelies Hockeyergebnissen? Die waren auch richtig gut. Im Halbfinale, gleich nach Amelies Turn-Sieg mit dem Wedeler TSV gab es einen weiteren Erfolg. Der Klipper THC, Hamburgs aufstrebender Hockeyclub, wurde mit 3:1 geschlagen. Die ersten beiden Treffer steuerte Amelie bei. Im Finale war dann aber der Harvestehuder THC zu stark für den THK Rissen. Mit 4:0 gewann das Team aus dem Stadtpark den Titel.