Pinneberg
Sportpferde

Spitzenpreis in Elmshorn für Casalls schöne Tochter Chiona

Chiona (5), eine Tochter von Casall, wird ihre neue Box bei Manfred von Allwörden auf dem Grönwohldhof bei Trittau  beziehen.

Chiona (5), eine Tochter von Casall, wird ihre neue Box bei Manfred von Allwörden auf dem Grönwohldhof bei Trittau  beziehen.

Foto: Melanie Mallon

Abkömmling des Weltelite-Hengstes ist mit 77.000 Euro teuerstes Pferd der Holsteiner Auktion. Reitpferde bringen im Schnitt 23.000 Euro

Elmshorn. Schnäppchenjäger sind fehl am Platz. Wer bei der 39. Holsteiner Frühjahrsauktion mitmischen will, benötigt ein Budget in fünfstelliger Höhe. Erfahrung, Fachwissen und feines Gespür sind auch erforderlich, um aufs richtige Pferd zu setzen. Mehr als 1100 Reiter, Pferdeliebhaber und Züchter sind zur Versteigerung von 39 jungen Holsteinern in die voll besetzte Fritz-Thiedemann-Halle gekommen. Sie sind aus ganz Deutschland angereist, aber auch aus der Schweiz, Schweden, Italien, Niederlande, Frankreich, Spanien und Portugal.

Der neue Auktionsleiter Roland Metz (45) hat für seine Premiere Neukunden aus Süddeutschland mitgebracht. Der Pferdewirt ist zum Mitglied der Geschäftsführung des Holsteiner Verbandes berufen worden; er kommt vom Süddeutschen Pferdezuchtverband. Metz war im Spring-, Dressur- und Vielseitigkeitssport unterwegs.

Vom Auktionsteam ist Sigrun Günther seit 40 Jahren dabei und berät ihre internationalen Stammkunden während der Versteigerung auch telefonisch. „Jeder hat seinen Etat und lässt sich nicht in die Karten gucken. Aber es gibt einen groben Rahmen, und da sind immer wieder Überraschungen dabei“, sagt Günther. „Manche potenzielle Käufer agieren unerwartet emotional, bieten viel mehr oder weniger Geld als geplant.“

Neun der drei bis sieben Jahre alten Kandidaten stammen vom legendären Weltelite-Hengst Casall ab; es sind seine Söhne, Töchter und Enkel. Einige Talente stehen zum ersten Mal im Rampenlicht; sind von der bunt geschmückten Kulisse beeindruckt und unkonzentriert. Auktionator Hendrik Schulze Rückamp (48) aus Baden–Württemberg steuert gegen und bittet das Publikum energisch um Ruhe im Interesse der Vierbeiner.

Nun haben die Kraftpakete Gelegenheit, sich alles anzusehen; die Darbietung beginnt. Stute Chiona, eine Casall-Tochter, treibt als fünfte Kandidatin von 39 Auktionspferden den Preis ruckzuck in die Höhe. Elastisch, mit Eleganz präsentiert sich die Tochter. Plötzlich ist eine Vielzahl an Bietern hellwach. Das Einstiegsgebot liegt bei 10.000 Euro, steigt binnen zwei Minuten auf 60.000 Euro.

Selbst bei dieser Summe sind noch fünf Interessenten dabei, drei von ihnen werfen kurz darauf das Handtuch. Es gibt ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen einem Telefonbieter aus Mexico und Manfred von Allwörden. Für 77.000 Euro bekommt der Backwaren-König den Zuschlag. Damit ist Chiona das teuerste Pferde dieser Auktion, sie wird nun ihre neue Box auf dem Gestüt Grönwohldhof im Kreis Stormarn beziehen. Und wer nun denkt, der geschäftstüchtige Bäcker mit mehr als hundert Filialen sitzt im VIP-Bereich, Fehlanzeige. Einen ganz einfachen Platz auf der Tribüne mitten im Publikum hat er sich ausgesucht, frei nach dem Motto: bloß nicht auffallen.

Bei den zehn nicht angerittenen, drei Jahre alten Vierbeinern geht Hengst Vancouver für 52.000 Euro in den Sportstall von Wieger de Boer bei Norderstedt. Es kann eine interessante Option für Tochter Paula de Boer (25) aus Pinneberg werden, die sich zwischen den Spring- und Dressursport nicht entschieden will. Ihre Hamburger Förderin ersteigert für Paula de Boer prompt auch noch die Stute Caja für 35.000 Euro.

Die 28 auktionierten Reitpferde kosten im Schnitt 23.000 Euro, die zehn noch nicht gerittenen Dreijährigen liegen im Durchschnitt bei 16.800 Euro für ein Pferd ist das Gebot so niedrig, dass der Besitzer einen Rückzug macht. Und immer wieder ist der legendäre Casall bei den Züchtern und Käufern im Gespräch. An seinem 20. Geburtstag hat sich der ehemalige Sportler und Weltvererber einen Tag zuvor in Bestform gezeigt. Mehr als 400 Gäste haben den leistungsstarken Hengst bewundert. „Casall hat dem Holsteiner Verband und seinen Züchtern viel Glück gebracht“, sagt Norbert Boley, Geschäftsführer der Holsteiner Hengsthaltung. Casall hat mit seinem schwedischen Reiter Rolf-Göran Bengtsson eine einzigartige Karriere hingelegt. „Das Format der Global Champions Tour war auf Casall geradezu perfekt zugeschnitten“, sagt Bengtsson.

„Unser Opa Herbert Blöcker hat Casall mit ausgebildet“, erzählen stolz die Enkel Mirja (9) und Mathies (13). Beide sind pferdebegeistert; Mirja hat ein klares Ziel vor Augen. „Springreiten finde ich einfach super, das will ich auch.“