Pinneberg
Sportpferde

Schaulaufen für die Holsteiner Zucht

Nachwuchshengst Uston (5) wird von Takashi Shibayama Haase behutsam für den Sport aufgebaut.

Nachwuchshengst Uston (5) wird von Takashi Shibayama Haase behutsam für den Sport aufgebaut.

Foto: Melanie Mallon

Nachwuchshengste präsentieren sich. In Klein-Offenseth, Elmshorn und Neumünster begutachten Stallbetreiber künftige Vererber

Klein Offenseth.  Das Prinzip ist dasselbe wie bei „Germany’s next Topmodel“. Während Heidi Klum von diesem Donnerstag an im TV wie jedes Jahr die Laufsteg-Schönheit der nächsten Generation sucht, so fahnden Züchter, Reiter und Pferdeliebhaber zu Beginn der Zuchtsaison nach dem besten Hengst für ihre Stuten. Dieser hat im Idealfall die Ausdauer und Kraft eines Leistungssportlers – und das alles verbunden mit der Schönheit und Anmut eines Topmodels. Fündig werden die Experten bei der Hengstschau, die immer im Februar in Elmshorn, Klein Offenseth-Sparrieshoop sowie Neumünster über die Bühne geht.

Tatsächlich braucht es gleich drei Veranstaltungsorte, um die Hengste angemessen zu präsentieren. Dafür reisen Züchter aus ganz Deutschland, Großbritannien, Dänemark, Holland, Österreich und der Schweiz an.

Die Pferde sind allesamt Holsteiner mit idealen Anlagen für den Springsport, aber auch für die Dressur und die Vielseitigkeit. Der typische Holsteiner ist meist unkompliziert, einsatzfreudig, nervenstark und zuverlässig. „Wir schätzen sein ausgeglichenes Temperament und seinen hervorragenden Charakter“, sagt Züchter Jan Lüneburg aus Hetlingen. Bei der Hengstschau achten die Experten auch auf Körperlinie, Eleganz und Eigenschaften im Umgang mit Reitern.

Einer, der all das bietet und niemandem mehr etwas beweisen muss, ist Calido, der gemeinsam mit 13 Artgenossen in Klein Offenseth-Sparrieshoop gezeigt wird. Er gehört der dortigen Hengststation Maas J. Hell, der größten in Norddeutschland, und ist mit seinen 28 Jahren ein Oldie. Der schneeweiße Schimmel beeindruckt bei der Hengstschau mit unbändiger Bewegungsfreude. „Er ist perfekt im Lack und putzmunter“, sagt Stationschef Herbert Ulonska. Calido hat 79 Nachkommen, die erfolgreich im Sport unterwegs sind. „Er ist eine lebende Legende“, sagt Ulonska.

In Klein-Offenseth kommen 800 Zuschauer zur Präsentation

Ebenfalls eine lebende Legende ist der Weltelite-Hengst Casall, dessen Nachwuchs besonders begehrt und teuer ist. In Klein Offenseth-Sparrieshoop läuft Casall-Sohn Central Park vor rund 800 Zuschauern über den Parcours. Der sechs Jahre alte Rappe zeigt sich mit Hengststation-Chefbereiter Takashi Haase in Top-Form. „Jede Woche muss ich mir eine Herausforderung überlegen, was ich ihm Neues zeigen kann, der bietet sich an, hat Vermögen“, sagt der gebürtige Japaner.

Die Philosophie dahinter: Das Potenzial der Junghengste soll langsam aber stetig wachsen. „Wir wollen bei unseren Junghengsten nicht alles sofort ausreizen, was sie anbieten“, sagt Herbert Ulonska. „Central Park ist sehr gefragt bei den Züchtern; Sport- und Eckeinsatz müssen wohldosiert sein, damit er die Freude an der Arbeit behält.“ Alte und junge Hengste haben ihre Flausen im Kopf und probieren auch an der Hand mal aus, was da geht. So macht sich der 18 Jahre alte Hengst Acodetto selbstständig und dreht seine eigene Ehrenrunde.

Private Halter stellen ihre Hengste in Elmshorn vor

In Elmshorn haben sich private Hengsthalter getroffen. Die stellen 25 Hengste vor, darunter zwei Dressursportler. Internationale Springreiter wie Derby-Sieger Sören von Rönne aus Neuendeich und Dirk Ahlmann aus Reher eröffnen die Präsentation in der Elmshorner Fritz-Thiedemann-Halle. Der 18-jährige Almoretto hat alle großen internationalen Turniere gesehen und viel gewonnen. Der fünf Jahre alte Dressurhengst Asgard’s Ibiza hat noch seine Karriere vor sich. Bernd Mohr aus Ellerhoop stellt vier Hengste vor. „Natürlich ist man immer von seinen eigenen Kindern besonders überzeugt“, sagt Züchter Mohr.

In der ausverkauften Holstenhalle von Neumünster zeigt der Holsteiner Verband seine Zuchthengste. Die Züchter haben dort die Qual der Wahl, denn die 32 Hengste, die sich unter dem Sattel, über dem Sprung oder an der Hand präsentieren, zeigen sich von ihrer besten Seite. Die im November in der Holstenhalle gekörten Dreijährigen demonstrieren, dass sie in wenigen Wochen gut gerüstet in den obligatorischen 14-Tage-Test gehen.

Allen voran der zweite Reservesieger der Körung 2018, Keaton v. Kannan, der nicht nur außergewöhnlich gut springt, sondern seine Bewegungsqualitäten bereits jetzt unter dem Sattel von Kimberly Hinrichs offenbart.

Star ist natürlich der Weltelite-Hengst Casall, der an der Hand von Top-Springreiter Rolf-Göran Bengtsson präsentiert wird. Casalls Leistung im Springen ist international unerreicht; er führt jetzt ein luxuriöses Leben als Rentner, der ausschließlich für die Zucht eingesetzt wird und dem Holsteiner Verband über die Deckungsgebühren nach wie vor viel Geld einbringt. „Wir suchen derzeit einen würdigen Nachfolger“, sagt Verbandsgeschäftsführer Nobert Boley.