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Pferdesport

Karriere und Kinder – warum eigentlich nicht?

Janne Friederike Meyer und Goja waren nicht zu bremsen: Das Duo wurde in München Gesamtsieger der Riders Tour

Janne Friederike Meyer und Goja waren nicht zu bremsen: Das Duo wurde in München Gesamtsieger der Riders Tour

Foto: Mallon

Springreiterin Janne Friederike Meyer über ein aufregendes Jahr, die Riders Tour, Olympia 2016 in Rio und Familienplanung.

Schenefeld.  Viel Grundschnelligkeit und Bewegungfreudigkeit sind bei Pferden eine Voraussetzung, im Leistungssport zu bestehen. Diese Tugenden zeigt der neunjährige Fuchswallach Goja mit der Schenefelderin Janne Friederike Meyer bei nationalen und internationalen Turnieren. So zuletzt in München, wo Goja der 34-Jährigen mit seiner enormen Sprungkraft entscheidend zum Titel „Rider of the Year“ verhalf.

Meyers Lebenspartner Christoph Zimmermann entdeckte Goja vor zwei Jahren bei einem Turnier, und es dauerte nicht lange, bis der Fuchs sein neues Zuhause in Friedrichshulde bezog. Charlotte Bettendorf aus Luxemburg hatte den damals siebenjährigen Wallach zuvor mit Erfolg international weitergebracht, bis es im Parcours zu Drei-Sterne-Niveau reichte.

Janne Meyer, Mannschaftweltmeisterin 2010, EM-Mannschaftstitelträgerin 2011 sowie vierfache deutsche Meisterin und Siegerin beim Großen Preis von Aachen 2011, hat Goja dann weiter gefördert und für den großen Sport aufgebaut. Das damals entstehende gute Gefühl im Sattel hat nun zur Folge, dass ihre Reiterkollegen mehr und mehr ihre Konkurrenz im Nacken spüren und sogar zittern müssen. Sie ist für ihre schnellen Ritte und ihren Mut in der Szene bekannt.

„Als Ponyreiterin konnte ich mich schon damals über langsame Ritte aufregen“, sagt sie. Der großrahmige Goja bringt beste Voraussetzungen mit. Sobald es in den Parcours geht, scheint ihr Vierbeiner wie ein Flummi abzuheben. Siege und Platzierungen sammelt das Duo bei den Löwen Classics in Braunschweig, beim Hamburger Derby, in Wiesbaden, bei der Baltic Horse Show in Kiel und kürzlich nun auch mit dem Triumph und dem Gesamtsieg nach sechs Etappen bei der Riders Tour. Mit zehn Punkten Vorsprung fiel der Erfolg überlegen aus. Für ein Jahr kann Janne Meyer bei Turnieren als „Rider of the Year“ starten.

„Das ist die Krönung einer Super-Saison“, sagt Meyer. Den in München gewonnene BMW musste die Amazone allerdings verkaufen, denn die Zugkraft des Kompaktwagens reicht nicht für einen vollbeladenen Pferdeanhänger. „Einen SUV oder Kombi mit Anhängerkupplung hätte ich lieber bekommen“, sagt die nun wieder erfolgsgewohnte Reiterin. Nach München hat Goja eine Turnierpause, die sich der Vierbeiner verdient hat. Wer nun glaubt, dass Janne Meyer sich erst einmal auf ihren Lorbeeren ausruht, liegt falsch. Im Stall stehen noch weitere veranlagte jüngere Tiere, die behutsam aufgebaut werden. Dafür werden extra Turniere ausgesucht, die Veranstalter für sieben- und achtjährige Pferde ausschreiben. Allerdings liegen die Austragungsorte häufig weit voneiander entfernt, sodass die Schenefelderin einen zeitlich hohen Aufwand betreiben muss.

Vor allem das Olympia-Jahr 2016 wird für das Zweier-Team im kommenden Jahr spannend, die Sichtung für die Spiele in Rio sind für Meyer ein Highlight, das absolut Wichtigste im Terminkalender. „Ich werde hoffentlich dabei sein, ich habe noch einiges vor“, sagt Meyer. Doch bei allem Ehrgeiz: An erster Stelle steht die Gesundheit und Fitness der Tiere. Der Pferdebesitzer und ehemalige Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen lässt Meyer bei der Planung freie Hand. „Fitschen ist ein ausgesprochener Pferdeliebhaber. Reiten kann er allerdings nicht. Das überlässt er lieber anderen“, sagt sie. Im Stall der 34-Jährigen sind sechs Pferde von Fitschen, zwei Pferde gehören den beiden gemeinsam. Fitschen bringt Zeit und Geduld für die Pferde mit, die alle im jungen Alter gekauft wurden. Daher ist die Auswahl an jüngeren Tieren groß, zumal Janne Friederike Meyers Eltern Ursula und Friedrich Meyer aus Nottfeld (Kreis Schleswig) als Züchter hin und wieder auch einen Zögling in den Stall der erfolgreichen Tochter bringen. „Ich lasse meine Pferde reifen, sie bekommen alle die nötige Zeit“, so die Schenefelderin.

Sollte sich der Traum von Olympia 2016 in Rio erfüllen, können neue Pläne hinsichtlich Kinderwunsch, Karriere und vielleicht ein eigener Reitstall in Angriff genommen werden. Kann der Traum von eigenen Kindern in Erfüllung gehen, ohne die Laufbahn zu beenden? „Meredith Michaels-Beerbaum bekommt als Mutter und internationale erfahrene Springreiterin ja auch alles hin“, sagt Meyer. Setzt sie die Idee um, in Zukunft einen eigenen Reitstall aufzubauen, dürfte die Freizeitpilotin und Tiefseetaucherin dann endgültig einen prall gefüllten Terminkalender haben.

Das normale Leben findet bei Janne Friederike Meyer und ihrem Lebenspartner Christoph Zimmermann dennoch statt. „Wir schaffen es auch, mal an einem Sonntagabend vor dem Fernseher zu sitzen und „Tatort“ zu sehen“, sagt Janne Friederike Meyer. „Aber letztlich dreht sich alles um den Reitsport.“