Pinneberg
Pferdesport

Zum Spitzensport gehört auch noch Unterhaltung

Stimmungsvolle Atmosphäre bei der Baltic Horse Show in der Kieler Sparkassen-Arena, wo sonst die Handballer des THW Kiel am Ball sind

Stimmungsvolle Atmosphäre bei der Baltic Horse Show in der Kieler Sparkassen-Arena, wo sonst die Handballer des THW Kiel am Ball sind

Foto: Stefan Stuhr

Rund 20.000 Besucher sind begeistert von der Baltic Horse Show. Elmshorner Springreiter Alejandro Merli Soler siegt bei Lotto 3plus1.

Kiel/Kreis Pinneberg.  Vier Tage lang drehte sich bei der traditionsreichen Baltic Horse Show alles um den internationalen Reitsport mit all seinen bunten und stimmungsvollen Facetten. Fast 300 Pferdeboxen wurden auf dem Kieler Exerzierplatz für 17 unterschiedliche Nationen hergerichtet. Die Stallungen waren rund um die Uhr bewacht. Angesichts der Platzknappheit rund um den Marktplatz pendelten Ross und Reiter zwischen Heimatstall und der Kieler Sparkassen-Arena hin und her. Nicht nur viele Pferdesportfreunde aus dem Kreis kamen in die Landeshauptstadt: Es waren mehr als 20 Springreiter der hiesigen Region in der Sparkassen-Arnea dabei – für manchen war es der sportliche Höhepunkt des Jahres.

Ein Springen nach dem anderen – das kommt heute nicht mehr an

Hochzufrieden zeigten sich die Veranstalter der Baltic Horse Show, deren gesamter Etat sich auf eine Million Euro belief und bei der es Preisgelder in Höhe von 170.000 Euro zu gewinnen gab. Stephan Johannsen und Peter Rathmann betonten unisono die sportliche Qualität und die großartige Stimmung. Rathmann: „Wir haben jeden Tag hervorragenden Sport gesehen, das kam richtig gut an.“

Die Organisatoren ließen auch außer Zweifel, dass der Mix stimmen müsse. Stephan Johannsen: „Ich sage ja immer, dass es Reitturniere wie vor zehn oder 20 Jahren nicht mehr gibt. Die Menschen wollen unterhalten werden und nicht nur ein Springen nach dem anderen sehen.“ Genau diesen stimmigen Mix gelte es auch in Zukunft zu erhalten.

„Der Kieler Handballtempel musste komplett für das Meeting umgerüstet werden“, erklärte Macher Rathmann. „Viele erahnen nicht, was da alles dahintersteckt. Ein hoher und kostenintensiver Aufwand wurde bei der Organisation betrieben.“ Am Ende aber belohnten sich die Initiatoren selbst. Etwa 20.300 Zuschauer verfolgten die vier Turniertage in der Sparkassen-Arena, eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr.

Im Großen Preis von Schleswig-Holstein gingen am Finaltag 44 internationale Asse an den Start. Sechs kamen aus dem Kreis Pinneberg, eine von ihnen konnte sich Platz vier sichern: Janne Friederike Meyer aus Schenefeld mit Goja. Der Schwede Rolf-Göran Bengtsson (Breitenburg/Kreis Steinburg) konnte sich mit dem Elmshorner Verbandshengst Clarimo nach einem leichten Fehler nicht mehr für das Stechen qualifizieren. Mit Carsten-Otto Nagel (Stall Moorhof in Wedel) und Nisse Lüneburg aus Hetlingen waren im Großen Preis auch Derbysieger am Start. Doch auch sie machten leichte Fehler und es reichte dann nicht mehr, um ins Stechen zu gelangen.

Amazone Janne Meyer wiederum bot mit ihrem Fuchswallach Goja eine tolle Leistung. Im spannenden Stechen ging es fehlerfrei über die Hindernisse, Platz zwei schien greifbar nah.

Zwei letzte Starter aus Dänemark und Schweden platzierten sich jedoch mit einer Sekunde Vorsprung hauchdünn vor Meyer. „Da ging es nur um einen knappen Galoppsprung weniger, ärgerlich“, bemerkte Janne Meyer.

Der Gesamtsieger der Springserie Lotto 3plus1 wohnt dennoch im Kreis Pinneberg. Es ist der Spanier Alejandro Merli Soler aus Elmshorn, der mit seinem neunjährigen Schimmelhengst Cassilux nach insgesamt vier Stationen der Beste war. An seine hohe Punktzahl von 105 Zählern kam keiner der übrigen 23 Starter heran. Auch nicht Nisse Lüneburg, hinter dem Dänen Philipp Loven (93) mit 87 Punkten Dritter der Gesamtwertung. „Ich freue mich sehr. Ich hatte mir dieses Ziel gesetzt und nun alles erreicht“, sagte Soler hinterher. Im nächsten Jahr will er wieder an dieser Serie teilnehmen, die eine attraktive Dotierung hat.

Sein dänischer Stallkollege Lars Bak Andersen (RFV Elmshorn) freute sich derweil über einen zweiten Etappensieg mit der ebenfalls neunjährigen Stute Wicona. Rang zwei ging an Jörg Naeve aus Ehlersdorf (Ostholstein). Janne Friederike Meyer belegte mit ihrem Nachwuchspferd Chloè den dritten Platz. Allerdings musste sich die Schenefelderin diese Platzierung mit Nisse Lüneburgs Bruder Rasmus teilen. Der hatte sich extra die Stute Siska von seiner Freundin Alessa Köhnke für diese Finalserie ausgeliehen und damit genau auf das richtige Pferd gesetzt.

Bushido lässt schön grüßen bei beliebtem Kostümspringen

Kultig ging es erneut beim Kostümspringen der Baltic Horse Show zu. Die Spitzenreiter bewiesen am Showabend mit ihren kreativen Teams auch schauspielerisches Talent. Eine ironische Parodie auf die allgemeine Pferdewelt lieferte dabei ein Hetlinger Team mit einem Rap-Song ganz im Stil von Bushido. Bei ihren Darbietungen im Muskelshirt und Jogginghosen, mit Goldkettchen und Baseballcap kochte die Stimmung hoch. Alle wollten wissen, wer hinter dem „frechen“ Text steckte. Es waren die Hetlinger Reiter Nils Ostmeier und Rasmus Lüneburg. Das Kostümspringen begeisterte die Besucher, es gab Applaus für kreative Inszenierungen. Bewertet wurde auch das gewählte Outfit. Entscheidend ist der Stimmungspegel und das Urteil des Publikums. Wer den meisten Applaus erhält, gewinnt. Nils Ostmeier, Rasmus Lüneburg und ihre Crew verfehlten den Sieg knapp und landeten auf Platz zwei.

Für den krönenden Abschluss sorgte das Gespann-Fahrduell zwischen dem Team der Baltic Horse Show und dem Truckcenter Westküste Uhl. Und endlich ging auch hier der Sieg nach Schleswig-Holstein: Louise Hansen, Robert Blender und Mareike Harm gewannen vor Mecklenburg-Vorpommern und der internationalen Auswahl den Mannschaftswettbewerb im Weltcup-Stil über zwei Runden. Dabei fuhren die Vier- und Zweispänner das Publikum wie immer fast schwindelig.

www.baltic-horse-show.de