Pinneberg
Vattenfall Cyclassics

Unglaublich: Nur einmal in 18 Jahren hat er gefehlt

Bönningstedter Thorsten Wulff tritt erneut bei der Großveranstaltung in Hamburg an. Der 53-Jährige startet bei den Jedermännern in der Einzelwertung und im Sechserteam.

Bönningstedt. Auf Radsportfreunde aus Hamburg und Umgebung wartet an diesem Wochenende erneut ein absoluter Höhepunkt. Die Vattenfall Cyclassics ziehen Aktive und Zuschauer gleichermaßen in ihren Bann. Zum 19. Mal wird das traditionsreiche Radspektakel bereits ausgetragen. Das Profirennen gilt als eines der bedeutendsten Eintagesrennen der Welt. Bekannte Radprofis wie Erik Zabel drückten der Veranstaltung in der Vergangenheit ihren Stempel auf.

Sein Vater animierte Wulff zu Teilnahme an Topevents

Neben den vielen Profimannschaften bekommen auch Hobbyradsportler die Gelegenheit, ihr Können auf unterschiedlich langen Strecken (55, 100 und 155 Kilometer) unter Beweis zu stellen und vor hunderttausenden Zuschauern um den Sieg zu kämpfen. Insgesamt haben schon 21.500 Jedermänner ihr Kommen angekündigt. Einer von ihnen ist Thorsten Wulff. Der 53 Jahre alte Bönningstedter kann getrost als Veteran bezeichnet werden, denn abgesehen von der ersten Auflage hat er an allen Rennen teilgenommen.

Mit seinem Team „Radsport Wulff“ hat der Bönningstedter einiges vor. Unterstützt wird er von seinen fünf Mannschaftskameraden, die allesamt Hobbyfahrer sind. Dennoch hat das Team bei den Cyclassics der vergangenen Jahre respektable Ergebnisse erzielt. Das Quintett weist eine geringere Erfahrung als Wulff auf. Als Mannschaftskapitän betrachtet er sich trotzdem nicht. „Ich bin vielleicht derjenige mit der meisten Routine, aber ich erteile den Freunden keine Anweisungen“, so Wulff. Der Fahrradsport habe ihn schon seit langem fasziniert. Sein Vater hat hohen Anteil daran. „Er war früher Radrennfahrer, mit ihm unternahm ich viele Touren.“ So entdeckte er als damals Neunjähriger seine Begeisterung für die Zweiräder. Bei seinen eigenen Söhnen will es Wulff aber ruhig angehen lassen. „Ich erwarte, dass meine Söhne Eigeninitiative zeigen. Aber sie sind mit acht und zehn Jahren noch zu jung.“

Der Anfang liegt lange zurück. 1988 hatte Thorsten Wulff zunächst genug vom Radfahren und probierte andere Sportarten aus. Doch schon ein Jahr später merkte er, dass die Räder ihn nicht losgelassen hatten. Da sein Vater nebenbei auch eine Fahrschule leitete, übernahm Thorsten Wulff das Fahrradgeschäft 1989. Dort wurde auch der Grundstein für die Gründung einer Fahrradgruppe gelegt. Eines Tages kam er mit einem Kunden ins Gespräch. Daraus entwickelten sich Ideen für gemeinsame Touren, denen sich mit der Zeit weitere Interessierte anschlossen. Jeder, der mitmachen möchte, sei heute willkommen, egal welchen Alters.

Die sechs wollen aus der Poleposition losfahren

„Wir treffen uns ein paar Mal die Woche“, erklärt Wulff. Mittwochs und sonnabends und dann wieder sonntags. Die Mittwochstreffen gibt es aber nur in der Zeit von Ende April bis Ende August. „Dann bleibt es lange hell und wir müssen nicht mit Licht fahren.“ An Sonntagen trifft man sich um 7 Uhr morgens. Früher ging es erst um 9.30 Uhr los. „Dann bleibt noch Zeit für die Familie, und außerdem war es gerade bei den hohen Temperaturen der vorangegangenen Wochen von Vorteil, früh draußen zu sein“, sagt Wulff.

Wulff und sein Team werden die 55-Kilometer-Strecke in Angriff nehmen. Der Start ist für 7 Uhr vorgesehen. „Wir wollen etwa eine halbe Stunde vorher da zu sein, damit wir beim Start möglichst weit vorne stehen können“, beschreibt Wulff seinen Plan. Weiter vorne zu fahren würde die Sturzgefahr verringern. Früher bestritt er auch die Tour über 155 Kilometer, aber er musste einsehen, dass für diese lange Distanz intensiveres Training nötig war und dafür können er und seine Kameraden nicht genügend Zeit aufwenden. Der „Radprofi“ wird das Rennen wieder mit großem Ehrgeiz angehen, aber wichtiger ist für ihn, „dass sich niemand verletzt“. Wulff gibt zu, dass er in den vergangenen Jahren auch darüber nachgedacht hatte, bei den Cyclassics nicht mehr zu starten. Aber meistens änderte er seine Meinung dann, als die Anmeldephase anlief.

Wenn die Sechser-Crew am Sonntag auf der Strecke ist, wird sie auch von Familie und Freunden angefeuert. Taktische Vorbesprechungen machen laut Wulff keinen Sinn, da es immer auf die jeweilige Rennsituation ankommt, wie gefahren werden muss. Wenn er irgendwann nicht mehr aktiv ist, weiß er schon wie es weitergeht. „Mein Traum ist es, irgendwann mit meinen Kindern Touren zu fahren.“