Ellerbek

Das sollte eigentlich der Titelgewinn sein

Ellerbeks Handballfrauen besiegen Kropp/Tetenhusen. Ein Aufstieg in die 3. Liga ist aus finanziellen Gründen aber kein Thema.

Ellerbek. Die Spielerinnen stimmten nach dem Schlusssignal spontan in einen Chor ein. "Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey", sangen die Handballfrauen des TSV Ellerbek, nachdem sie dem zahlreich erschienenen Publikum in der Harbig-Halle zuvor 60 intensive Handball-Minuten geboten hatten. Im Anschluss an die Oberliga-Spitzenpartie gegen den bisherigen Tabellenführer HSG Kropp/Tetenhusen stand ein Erfolg zu Buche, der einer der schönsten und wichtigsten der jüngsten Vergangenheit ist. Die Mannschaft gewann 28:25 (13:9), übernahm damit wieder die Spitze und sollte auf dem Weg zur Meisterschaft nunmehr kaum noch zu stoppen sein.

Die Ausgangsposition der Gastgeberinnen war klar. Wollte Kropp (jetzt 36:10 Punkte) frühzeitig den Schritt in Richtung Meisterschaft machen, musste das Team definitiv gegen Ellerbek gewinnen. Sollten die TSV-Frauen (jetzt 38:6) ihrerseits die letzten vier Partien siegreich gestalten, würden sie das große Ziel erreicht haben.

Nach zehn Minuten stand es bereits 7:2 für die Ellerbekerinnen, die sich auch in der Folgezeit weiter in Front sahen (11:5, 12:8, Halbzeit 13:9). In der Pause zog Trainer Timo Jarama eine kleine Stellschraube nach, indem er auf die schlechte Quote im Überzahlspiel hinwies. Anschließend blieb die HSG weiter dran, sie nutzte konsequent Ellerbeker Fehler im Angriff, kam zugleich zu einfachen Treffern, weil sich der TSV durch acht Zeitstrafen in der Deckung selbst schwächte. Beim Stand von 21:20 und 23:22 lag der Ausgleich in der Luft. So weit kam es dann jedoch nicht, denn der TSV konnte sich vorentscheidend auf 26:22 absetzen. Beim Stand von 27:23 durch Marike Pletz war das Spiel gelaufen, ehe der Endstand von 28:25 perfekt war.

Zu loben war vor allem die Vorstellung von Sandra Vollstedt, die aufgrund des Fehlens von Anastasia Zachau 60 Minuten die Rückraummitte und Spielleitung übernahm. Auch Marike Pletz, die nach dem Spiel körperlich sehr erschöpft wirkte, sowie Maren Sicks und Rebecca Holst überzeugten auf der rechten Seite. Mit neun Toren aus dem Feld machte auch Melina Dahms ein ordentliches Spiel, wobei bei ihr noch Luft nach oben zu sein scheint.

Hinsichtlich des Tabellenstandes haben die Schützlinge von Timo Jarama das Optimum erreicht. Der Vorstand des Frauen-Managements hat mittlerweile offiziell bestätigt, die Aufstiegsmöglichkeit in die 3. Liga auf keinen Fall wahrzunehmen. "Der Sprung nach oben ist finanziell einfach nicht zu realisieren", sagt Wolfgang Lohmeier, der im Vorstand der Handballabteilung für die Finanzen zuständig ist. Die Etatsumme für die 3. Liga würde sich zwischen 55.000 und 60.000 Euro bewegen, Geld, das nicht zur Verfügung steht, selbst wenn noch einige Sponsorengelder lockergemacht werden sollten. Ein Teil davon würde aber auch in den Herrenbereich fließen.

In welchen Bereichen entstehen die Mehrkosten? Der Verein müsste zum einen zwei Kleinbusse beschaffen, es wartet sogar eine Fahrt bis an die Grenze Tschechiens. Außerdem müsste mehr Geld für Schiedsrichter und das Kampfgericht aufgebracht werden, auch Trainer und Co-Trainer würden unter Umständen mehr erhalten. Des Weiteren muss eine moderne PC-Anlage mit Wlan-Netz und eine neue Soft- und Hardware installiert werden, damit Ergebnisse und Spielberichte online verarbeitet werden können. Zudem liegt es auf der Hand, dass das Trainingsprogramm für die 3. Liga gesteigert werden muss, um dem Leistungsniveau gerecht zu werden.

Wie sich die Mannschaft nächste Saison personell präsentieren wird, zeichnet sich allmählich ab. Svenja Rix-Müller und Marike Müller werden nicht mehr dabei sein, damit fehlen schon mal wichtige Leistungsträgerinnen, weitere könnten folgen. Dafür stehen vier Neuzugänge fest. Nach Merle Seemann, Christina Hinrichs und Laura Ristau kommt auch Sabrina Wrage vom Drittligaclub SV Henstedt-Ulzburg. Im Gespräch ist auch noch die Rückkehr von Julia Steinberg, die den Verein Anfang des vergangenen Jahres nach Differenzen verlassen hatte und in Ellerbek eine zweite Chance erhalten soll.

Nach dreiwöchiger Pause tritt Ellerbek am Sonnabend, 13. April, um 18 Uhr bei der SG Todesfelde/Leezen an, die mit 13:33 Punkten noch nicht aller Sorgen ledig ist. Der Gegner hat mit Franziska Haupt kürzlich eine zweitligaerfahrene Spielerin verpflichtet.