Fridays For Future

Klimaschützer zelten auf dem Pinneberger Drosteiplatz

| Lesedauer: 4 Minuten
Kitty Haug
Die Klimacamper Vincent Goy (l.), Lena Blume, Daire Treumann, Benedict Artmann und Linus Schwetje richten ihr Lager vor der Drostei sein. An Markttagen müssen sie es räumen.

Die Klimacamper Vincent Goy (l.), Lena Blume, Daire Treumann, Benedict Artmann und Linus Schwetje richten ihr Lager vor der Drostei sein. An Markttagen müssen sie es räumen.

Foto: KITTY HAUG / Kitty Haug

Diskutieren, demonstrieren, basteln und Musik hören: Die Fridays-for-Future-Bewegung macht auf sich aufmerksam.

Pinneberg.  Sieben Tage schlägt die Umweltbewegung Fridays-for-Future aus dem Kreis Pinneberg auf dem Drosteiplatz ihr Klimacamp auf. Noch bis zum 12. Juli wollen die jungen Klimaschützerinnen und -schützer unter anderem gemeinsam Forderungen erarbeiten und diskutieren, wie sich der Kreis klimafreundlicher gestalten ließe.

Aktivisten aus dem gesamten Kreis tun sich zusammen

Noch vor zwei Jahren standen Lena Blume und Benedict Artmann am Hamburger Rathausmarkt mit Tausenden von anderen jungen Leute. Mit Schulstreiks und Großdemonstrationen sorgten die Aktivisten immer freitags für Aufmerksamkeit – bis zur Corona-Pandemie. Jetzt geht der Protest als Camp in der Pinneberger Innenstadt weiter. Raus aus der Komfortzone, mit Abstand und Maske geht es hier nicht um laute Proteste, sondern um Gespräche mit Interessierten.

Ein Banner und Plakate liegen an aufgestellten Pavillons aus, ein großes, grünes Zelt ist bereits aufgebaut. Dort lagern vorerst Rucksäcke, Schlafsäcke und Isomatten. Später werden hier ein Tisch und Holzbänke eingerichtet, um in Gespräche mit Interessierten zu kommen, erklärt Artmann. Die kleinen Zelte zum Übernachten werden erst zum Abend hin aufgebaut. Auch die Bühne für die Live-Musik steht noch nicht.

Lena und ihre Mitaktivistin Daire Treumann sitzen auf Campingstühlen, Artmann und seine Mitstreiter Vincent Goy und Linus Schwetje haben es sich auf Isomatten vor dem Zelt gemütlich gemacht. Ständig schauen sie auf ihre Mobiltelefone, um zu erfahren, wer wann kommt. Am Montagabend erwartet der harte Kern der fünf jungen Menschen noch zehn weitere Mitstreiter. Auch Aktivisten aus Lübeck und Protestler von People for Future aus Elmshorn haben sich angekündigt.

Im Mai gab es bereits ein erstes Klimacamp in Pinneberg

Es ist das zweite Klimacamp, das die Aktivisten nun ausrichten. Bereits im Mai campierten 15 Teilnehmer zwei Tage auf dem Drosteiplatz (wir berichteten). „Und das lief sehr gut“, erinnert sich Treumann. Es ist Freude und Erleichterung zu spüren, wenn die Jugendlichen im Gepäckberg wuseln oder die Plakate zurechtrücken. „Corona hat uns ganz schön ausgebremst“, sagt die 18-Jährige. „Jetzt können wir zeigen, dass wir wieder da sind“, ergänzt die Schülerin, „denn viele glaubten, uns gäbe es gar nicht mehr.“ Schon beim Aufbau sei die Reaktion auf das Camp positiv gewesen. „Menschen erkundigen sich, was wir hier machen, oder sagen ganz einfach Danke, dass wir uns für die Umwelt einsetzen“, berichtet Treumann.

Bereits im Mai wurde die Zeit im Camp genutzt, um Gespräch mit Passanten zu führen und an einem Forderungspapier zu arbeiten. Zettel wurden ausgelegt, auf denen Bürger eintragen konnten, was sie sich für Maßnahmen für die Region wünschen. Solarpflicht für alle Dächer ist darauf zu lesen, mehr Radwege, kein sechsspuriger Ausbau der A 23, die Förderung regionaler Biobetriebe, Verbot der Massentierhaltung, grüne Oasen erhalten und die Moore schützen, Laubbläser verbieten oder auf das Abholzen gesunder Bäume verzichten.

Nun soll daraus ein Forderungskatalog werden, der an den Kreis Pinneberg geht. „Einen festen Termin gibt es noch nicht, aber unser Fokus liegt auf der Bundestagswahl im September“, so Artmann. Doch zuvor, an diesem Sonnabend um 14 Uhr, werden sie ihre Klimaforderungen auf dem Drosteiplatz gebündelt vorstellen.

Fahrraddemonstration durch Pinneberg geplant

Es soll aber nicht nur diskutiert, sondern auch aktiv gearbeitet werden. So schwären die Teilnehmer am Donnerstag aus, um Müll in der Pinneberger Innenstadt zu sammeln. Am Abend findet dann ein Vortrag zum Thema Containern statt. Am Freitag startet eine 14 Kilometer lange Fahrraddemonstration. Los geht es um 16 Uhr vom Drosteiplatz über die Hochbrücke bis zum Gewerbegebiet Appen-Etz und wieder zurück in die Pinneberger Innenstadt.

Bereits am Dienstagabend flimmert David Attenboroughs Film „A Life On Our Planet“ über eine mobile Leinwand. Und am Sonntag wird von 14 Uhr an gebastelt. Unter dem Motto „Öko-DIYs“ erhoffen sich die Veranstalter einen Nachmittag mit Spaß, um dabei „locker reden zu können“.

Außerdem spielen die Bands Leider Wir (Mittwoch, 19 Uhr), Emanuel und Esteban (Sonnabend, 19 Uhr) und SuperWang (Sonntag, 19 Uhr).

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