Corona-Pandemie

Astrazeneca: So geht’s im Kreis Pinneberg weiter

| Lesedauer: 4 Minuten
Eine Ampulle mit dem Astrazeneca-Impfstoff.

Eine Ampulle mit dem Astrazeneca-Impfstoff.

Foto: Fabio Ferrari / dpa

Kreis reagiert spontan auf neue Vorgaben zum Impfen. Unterdessen steigt der Inzidenzwert stark. Eltern verlieren vor Gericht.

Kreis Pinneberg.  Mit 56 am Dienstag gemeldeten Corona-Neuinfektionen liegt die Fallzahl im Kreis Pinneberg abermals sehr deutlich über dem Wert der Vorwoche (25). Die Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche, steigt auf 121,2.

Eine Person ist in ihrem häuslichen Umfeld im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung gestorben, es ist das 322. Todesopfer seit Beginn der Pandemie vor gut einem Jahr im Kreis Pinneberg. Zwei Menschen mussten in Krankenhäuser eingeliefert werden. Die meisten Ansteckungen wurden aus Wedel (11), Pinneberg (8) und Schenefeld (8) gemeldet. Die Ämter Pinnau und Hörnerkirchen sowie die Insel Helgoland blieben ohne gemeldete Neuinfektionen.

Entscheidung gegen Astrazeneca ist Entscheidung gegen das Impfen

Unterdessen hat die Entscheidung der Bundesregierung, den Impfstoff von Astrazeneca nur noch für Menschen über 60 Jahre zu verwenden, die Kreisverwaltung sehr überraschend getroffen. Die Impfzentren im Kreis Pinneberg stellen sich darauf ein: „Wir rechnen mit vielen Nachfragen und auch Verunsicherung bei den Impfwilligen“, sagt Andreas Köhler, Koordinator der Impfzentren. „Wir sind sehr bemüht, auf diese kurzfristige Entscheidung zu reagieren und unseren Kunden den bestmöglichen Service zu bieten. Dennoch kann es zu Verzögerungen und Wartezeiten kommen, für die wir um Verständnis bitten.“ Allein am Mittwoch betrifft der Wechsel des Impfstoffs 150 Termine.

Wie geht es weiter mit den Impfungen im Kreis? Die bereits gebuchten Termine bleiben bestehen. Diejenigen, die unter 60 Jahre alt sind und ursprünglich mit Astrazeneca geimpft werden sollten, erhalten eine Impfung mit Biontech-Phizer (in Prisdorf) und Moderna (in Elmshorn).

Für über 60-Jährige wird automatisch der Impfstoff von Astrazeneca geimpft. Eine Wahlmöglichkeit wird es nicht geben, heißt es aus der Verwaltung: „Wer sich gegen den einen oder den anderen Impfstoff entscheidet, entscheidet sich auch gegen eine Impfung.“

Für Personen ab 80 Jahre ändere sich nichts. Wie sollen sich diejenigen verhalten, die in den nächsten Tagen einen Impftermin haben? Die Impftermine finden trotzdem statt. Für einen reibungsloseren Ablauf im Impfzentrum sollte möglichst der richtige Aufklärungsbogen bereits ausgefüllt und unterschrieben mitgebracht werden.

Was passiert mit dem Termin zur Astrazeneca-Zweitimpfung?

Das bedeutet, die allermeisten Impfwilligen müssen den Aufklärungsbogen für den anderen Impfstoff noch ausdrucken und vorbereiten. „Das würde vor Ort viel Zeit sparen“, so Köhler. Die Aufklärungsbögen können auf der Internetseite des Landes Schleswig-Holstein heruntergeladen werden. Was passiert mit dem Termin zur Zweitimpfung? Die Termine werden vor Ort bei der Anmeldung auf den anderen Impfstoff umgebucht und an die zu diesem Impfstoff empfohlene Zeitschiene angepasst.

Kita-Eltern scheitern vorm Verwaltungsgericht

Infolge der steigenden Inzidenz gelten im Kreis Pinneberg von Donnerstag an wieder verschärfte Schutzmaßnahmen. So müssen viele Geschäfte schließen, und in Kindertagesstätten wird es nur noch eine Notbetreuung geben.

Mit der Betreuungssituation in den Kitas hat sich unterdessen das Verwaltungsgericht Schleswig in einem Eilverfahren beschäftigt. Eltern aus dem Kreis Pinneberg hatten geklagt, allerdings gegen die Rückkehr zum eingeschränkten Regelbetrieb, die der Kreis bereits am Freitag vergangener Woche verfügt hatte, als die Zahl der Neuinfektionen noch nicht so hoch war wie jetzt.

Die Schleswiger Richter befanden, dass die Rückkehr zum eingeschränkten Regelbetrieb im Kreis Pinneberg rechtmäßig sei „angesichts dort steigender Inzidenzwerte, insbesondere bei Kindern“.

Die mit dem eingeschränkten Regelbetrieb verbundenen Eingriffe in die Grundrechte von Kindern und Eltern im Hinblick auf den Gesundheitsschutz der Bevölkerung seien verhältnismäßig. Die Kontakte zwischen Kindergartenkindern, bei deren Zusammentreffen Hygieneregeln regelmäßig nicht eingehalten werden könnten, würden dadurch reduziert.

Weil derzeit unklar sei, ob etwa eine deutliche Erhöhung der Zahl von Tests in Kindertagesstätten überhaupt möglich sei und weil über die auch im Kreis Pinneberg festgestellte „britische“ Virusmutation zu wenig Erkenntnisse vorlägen, sei auch kein milderes Mittel erkennbar.

Die Maßnahme sei auch angemessen, weil soziale Kontakte für die von der Betreuung ausgeschlossenen Kinder weiterhin möglich seien.

( sul )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg