Kreis Pinneberg

Auf Entdeckungstour durchs Super-Autohaus

| Lesedauer: 5 Minuten
Laura Kosanke
Das neue Autohaus in Elmshorn möchte Kunden eine neue Erlebniswelt bieten – mit Großbildschirmen, E-Rollern und 24 Mercedes-Modellen. Karsten Müller ist Geschäftsführer der Burmester GmbH.

Das neue Autohaus in Elmshorn möchte Kunden eine neue Erlebniswelt bieten – mit Großbildschirmen, E-Rollern und 24 Mercedes-Modellen. Karsten Müller ist Geschäftsführer der Burmester GmbH.

Foto: Laura Kosanke

Erlebniswelt für Autoliebhaber, Fußballfreunde und Weingenießer: So will sich die Walter Burmester GmbH Fans machen.

Elmshorn. Aus der Box wummert Musik, auf dem Bildschirm an der Wand startet ein Video. Im Fokus: ein Familienauto des Herstellers Mercedes-Benz. Vor dem Bildschirm sitzt Karsten Müller, der Geschäftsführer der Walter Burmester GmbH. Müllers Grinsen wird breiter, als er sich zur Wand umdreht und einen der beleuchteten Knöpfe drückt. Nun wummert die Musik dramatischer, denn Müller hat das Video gewechselt: Ein PS-starker Mercedes-AMG erscheint auf der Wand. Der Raum mit dem Bildschirm wird sonst nur für Kundenberatungen genutzt. Am Donnerstag dient er der Pressevorführung.

Der Geschäftsführer präsentiert die, wie er sagt, „digitale Erlebniswelt“ des neuen Autohauses an der Hamburger Straße. Es trägt den Namen Point of Experience Burmester Elmshorn – und seine Kunden sollen es als Erlebnis annehmen: Fast 30 Bildschirme hängen an den hohen Wänden, acht davon sind zu einem Großbildschirm zusammengesetzt. Kurze Werbevideos zeigen die Autos mal in der Natur, mal in den Bergen. Vor den Videowänden sind Autos aufgebaut, darunter auch der blau-orangefarben lackierte Mercedes GT.

Autohaus-Berater können Kundenwünsche visualisieren

Wo kein Werbefilm läuft, können die Autohaus-Berater die Kundenwünsche visualisieren. Verkaufsleiter Daniel Strelow führt seine Kunden dann in einen der Räume mit den Knöpfen – die, die der Geschäftsführer schon am Vormittag bedient hat. Strelow projiziert das Wunschauto auf die Leinwand, kann zum Beispiel silberfarbene Standardfelgen in schwarze abändern. „So können wir das Kundenerlebnis komplett digital darstellen: kein Prospekt, kein Lackmuster, dafür Bilder auf der Großbildleinwand“, sagt er. Wie in anderen Autohäusern können Kunden ihr Fahrzeug aber auch schon zu Hause vorkonfigurieren.

Das digitale Konzept im Autohaus ist aber kein neues. Denn die Mercedes-Richtlinie gibt ein striktes Corporate Design vor, möchte die Autohäuser angleichen. Fast alles ist durchgeplant – vom dunkelgrauen Steinteppich über orangefarbene Sessel bis hin zur Beleuchtung, die in allen Farben strahlen kann.

Das Konzept hat vor allem einen Zweck: Kundenbindung. „Unsere Idee ist es, dass der Kunde als Gast behandelt wird, er unser Fan wird“, sagt Geschäftsführer Müller. Autobegeisterte sollen nicht nur zum Kauf, sondern auch „auf einen Latte Macchiato“ vorbeischauen können. Er plant noch mehr: Sobald es die Corona-Lage zulässt, dürfen Sportbegeisterte beispielsweise Bundesligaspiele oder Formel-1-Rennen auf den Großbildschirmen anschauen. Die Beleuchtung wird dann farblich angepasst. Außerdem plant Müller Weinproben für die „Fans“ des Autohauses. Er sagt: „Es geht mir um die Atmosphäre: Der Kunde soll sich wohl fühlen – ohne sich belästigt zu fühlen. Er muss sich nicht beraten lassen, sondern kann sich hier einfach aufhalten.“

Das Unternehmen soll grüner werden

Neben der Kundenbindung setzt er auch auf Nachhaltigkeit. Das Unternehmen soll grüner werden, sagt er. Eine Photovoltaikanlage versorgt das Autohaus bereits mit Ökostrom, und der Fahrzeugkauf soll ohne Papier auskommen.

Wie Mercedes-Benz kürzlich angekündigt hat, soll auch die E-Flotte ausgebaut werden. Müller wartet schon auf die drei neuen E-Modelle, die für das kommende Jahr angekündigt sind. Aktuell laufen vier Mercedes- und zwei Smart-Modelle voll elektrisch. „Gerade in den Metropolregionen steigt die Nachfrage nach E-Fahrzeugen. Deshalb erweitert Mercedes die Modellpalette. Gemeinsam wollen wir einen Beitrag zum Umweltschutz leisten“, so Müller.

Seine neuste Errungenschaft lässt ihn wieder so breit grinsen wie zu Beginn: ein E-Scooter mit einer Reichweite von circa 25 Kilometern. Ein Ausstellungsstück steht an dem Kaffeevollautomaten in der Verkaufshalle. Kurzerhand schnappt er sich den Roller und dreht ein paar Runden durchs Autohaus, fährt vorbei an dem Großbildschirm und um den blau-orangefarbenen Mercedes GT herum. „Es macht mir tierisch Spaß, damit zu fahren.“

Mark Bäckert beobachtet, wie der Geschäftsführer seine Runden dreht. Er ist der Enkel des Autohausinhabers Walter Burmester und soll das Geschäft einmal übernehmen. Zuvor möchte er sein Bachelor- und Masterstudium an der ETH Zürich abschließen. Erst im Anschluss daran ist er bereit, aus der Schweiz wegzuziehen.

„Hamburg ist meine zweite Heimat“

Wenn er zur Uni fährt, lässt er das Auto stehen und steigt auf den Zug um: Jeden Tag pendelt er von Basel nach Zürich. Das macht er, um die Reisezeit zum Lernen zu nutzen. In den Ferien macht er sich dann mit dem Autohaus vertraut, hat erst im vergangenen Sommer ein Praktikum in der Firma seines Großvaters absolviert – und vor allem in der Werkstatt an Fahrzeugen herumgeschraubt.

Seit seiner Kindheit verbringt er immer wieder Zeit in der Region. „Hamburg ist meine zweite Heimat“, sagt er. In ein paar Jahren zieht er her und wird im Autohaus mitarbeiten. Burmesters Enkel legt aber einen großen Wert darauf, dass er bloß als „ein Repräsentant der Inhaberfamilie“ wahrgenommen und die Firma nicht im Alleingang führen wird: Sie ist ein Familienunternehmen und soll deshalb zu gleichen Teilen von den Familienmitgliedern geformt werden, sagt er.

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