Kreis Pinneberg

Wedel hat jetzt eine Expertin für Mobilität

Janne Pöppelmann in der Wedeler Bahnhofstraße, Fahrrad, mit Katrin Hinz aus der Bauverwaltung, Wedel

Janne Pöppelmann in der Wedeler Bahnhofstraße, Fahrrad, mit Katrin Hinz aus der Bauverwaltung, Wedel

Foto: KITTY HAUG / Kitty Haug

Radwege, Nahverkehr, weniger Autos: Bei Janne Pöppelmann laufen die Fäden zusammen. Was sie plant, was sie ändern will.

Wedel.  Dem anwachsenden Autoverkehr mit seinen negativen Folgen für Umwelt und Stadtentwicklung setzt Wedel jetzt etwas entgegen. Mobilitätsmanagement nämlich. Die Rolandstadt hat mit Janna Pöppelmann eine Mobilitätsmanagerin ernannt, die in erster Linie Aktivitäten im Rahmen des Mobilitätsmanagements koordinieren soll.

Seit dem 1. September bekleidet die 30-Jährige, die in Kiel Stadt- und Regionalentwicklung studiert hat, nun das Amt im Wedeler Rathaus. Möglich macht das Fördergeld, das die Stadt Wedel von der AktivRegion Pinneberger Marsch & Geest erhielt: 100.000 Euro sind für den dreijährigen Posten der Managerin vorgesehen, 93.000 Euro dafür, ein Konzept zu erstellen.

„Wedel hat viele Verkehrsprobleme“

Die 35.000-Einwohner-Stadt in der Metropolregion Hamburg hat als attraktiver Standort für Gewerbe, Handel und Wohnen mit einer hohen Verkehrsdichte zu kämpfen. „Wedel hat viele Verkehrsprobleme. Mobilität ist ein prioritäres Thema“, sagt Gisela Sinz, Leiterin des Fachbereiches Bauen und Umwelt im Rathaus. „Uns fehlt im öffentlichen Nahverkehr der zweigleisige Ausbau der S-Bahn. Wir brauchen den Radschnellweg, eine Verlegung der B 431 aus der Altstadt, mehr Tempo-30-Zonen und die Umgestaltung der Bahnhofstraße“, so Sinz. Alles nichts Neues, mag man denken.

Auf die Frage, welche Schritte zur Verbesserung der Situation die neue Kollegin auf den Weg bringen würde, antwortet Pöppelmann: „Die Bahnhofstraße ist mir bei meinem ersten Besuch in Wedel sofort aufgefallen. Schulkinder immer und überall, Radfahrer, gern auch mit eigenen Regeln unterwegs, Einparken und Ausparken am Straßenrand, Busverkehr, dazu wirre Kreuzungen, Einmündungen und Ausfahrten, das alles auf Minimalbreite.“

Zwei Planungsbüros arbeiten an Mobilitätskonzept

Mit kommunalem Mobilitätsmanagement will es Wedel gelingen, den Anteil des motorisierten Individualverkehrs zurückzudrängen und die Bürger zum Umstieg auf den umweltfreundlicheren öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu bewegen. Das Ziel ist ein integriertes und umfassendes Konzept für klimafreundliche und kostengünstige Mobilität.

Wedels neues Mobilitätskonzept erstellen wie berichtet zwei Planungsbüros: Argus aus Hamburg befasst sich mit der Verkehrsplanung, das Wedeler Institut Raum & Energie ist zuständig für die Bereiche Kommunikation und Beteiligung. Das Konzept soll in einem Jahr bis eineinhalb Jahren fertig sein und für zehn bis 15 Jahren die Verkehrsprobleme Wedels lösen (wir berichteten).

Stadt plant große Umfrage

Die Grundlage des Maßnahmenkatalogs soll immer eine gemeinsame Strategie sein: Kommune, Betriebe und öffentliche Einrichtungen arbeiten mit Einwohnern, Mitarbeitern der Unternehmen, Kunden, Schülern sowie mit Verkehrsunternehmen zusammen.

Erster wichtiger Baustein ist die große Mobilitätsumfrage „Wedelmobil.de“, bei der Verkehrsteilnehmer, die im Wedeler Stadtgebiet unterwegs sind, ihre Bedürfnisse, Wünsche und Beobachtungen räumlich zugeordnet schildern sollen. Mitmachen können unter dem Motto „Mein Weg“ auch Menschen aus anderen Kommunen, die zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit Verkehrsmittel in Wedel nutzen. Die Umfrage läuft vom 21. September bis zum 9. Oktober und ist auf der dann freigeschalteten neuen Seite www.wedelmobil.de zu finden.

Senioren und Jugendliche sollen unbedingt mitmachen

Analog liegen im Rathaus Fragebögen aus. Älteren Teilnehmern, die Probleme mit dem Ausfüllen haben, rät Sinz zur Kontaktaufnahme mit dem Seniorenbeirat der Stadt. Denn: Je mehr Menschen mitmachen, desto größer wird die Wirkung sein, die die Ergebnisse der Umfrage entfalten. Auch den Jugendbeirat bittet sie, sich zu beteiligen: „Die Jugend ist uns sehr wichtig. Wir möchten beispielsweise wissen, wie wir den Jugendlichen abends eine bessere Busanbindung bieten können oder ihre Fahrradmobilität verbessern“.

Ende Oktober sollen die Ergebnisse dieser Online-Beteiligung dann vorliegen und gemeinsam mit den Ergebnissen von Argus-Analysen den groben Rahmen der künftigen Maßnahmen vorgeben. Die sollen Stück für Stück erarbeitet werden – von den beiden Planungsbüros und in enger Abstimmung nicht nur mit den Bürgern, sondern auch der Verwaltung, der neuen Mobilitätsmanagerin und einem neu einzurichtenden, projektbegleitenden Arbeitskreis.

Aber Ideen sollen nicht nur von den Bürgern selbst kommen, sondern auch durch eine Bürgerforum im Februar kommenden Jahres sowie Planungswerkstätten im April und Juni. Weiter wichtig: Die Wirtschaftlichkeit, die Finanzierbarkeit und die Förderfähigkeit der denkbaren Maßnahmen werden einbezogen, abgewogen und bewertet.