Mobilität

Verkehrsplan: Kreis Pinneberg setzt auf schnellere Busse

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Hat vor allem den ländlichen Bereich des Kreises im Blick: Claudius Mozer. Der Nahverkehrsbeauftragte des Kreises Pinneberg verantwortet den Nahverkehrsplan bis zum Jahr 2024

Hat vor allem den ländlichen Bereich des Kreises im Blick: Claudius Mozer. Der Nahverkehrsbeauftragte des Kreises Pinneberg verantwortet den Nahverkehrsplan bis zum Jahr 2024

Foto: Burkhard Fuchs

Auch in der Nacht soll mehr gefahren werden. Rufbusse sind in Planung. Welche Orte besonders profitieren.

Kreis Pinneberg.  Der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) soll sich in den nächsten Jahren im Kreis Pinneberg erheblich verbessern. Vor allem das Bus- Angebot werde weiter ausgebaut. Der ÖPNV-Beauftragte Claudius Mozer arbeitet zurzeit an der Neuauflage des regionalen Nahverkehrsplanes (RNVP), der bis 2024 Taktverdichtungen, Nachtbusse am Wochenende an den Bahnhöfen und Expressbus-Linien vorsieht. Als erstes soll im Dezember 2020 eine Schnellbus-Linie zwischen Uetersen und Tornesch eingerichtet werden (siehe Info-Text), kündigt Mozer an.

Zudem soll in den ländlichen Regionen wie in Barmstedt, Elmshorn-Land und Neuendeich das Angebot von „On-Demand-Verkehren“, also Busbestellungen per Anruf, erheblich ausgeweitet werden. Dies könnte eine Alternative zu den Bürgerbus-Modellen sein, die in Barmstedt, Brande-Hörnerkirchen und Appen diskutiert werden.

Diese Busfahrten auf Bestellung gibt es heute schon im Netz des Hamburger Verkehrs-Verbundes (HVV), etwa in den Amtsbereichen Hörnerkirchen und Rantzau, erklärt Mozer. Die Buslinien 6542 (Barmstedt – Lutzhorn – Bokel – Hörnerkirchen), 6543 (Barmstedt – Bevern – Ellerhoop – Barmstedt) und 6555 (Hörnerkirchen – Westerhorn – Osterhorn – Groß Offenseth – Barmstedt) verkehren in der Woche als normale Buslinien vornehmlich für Schüler. Sonnabends stehen die Busse zwischen 8.41 und 14.25 Uhr zu jeweils drei Abfahrtzeiten als „Anruf-Sammeltaxi“ zur Verfügung. „Das wird genutzt und kann weiter ausgebaut werden“, sagt Mozer.

Bereits im Vorjahr habe er bei einer Informationsveranstaltung in Barmstedt dafür geworben, erklärt Mozer. „Wir wollen den öffentlichen Nahverkehr im Kreis Pinneberg als Ganzes stärken.“ Dazu gehöre auch, die Lücken, die es im jetzigen System noch in den genannten ländlichen Regionen des Kreises gibt, zu schließen. „Das geht am besten in einem integrativen System“, ist Mozer überzeugt. Seit gut 25 Jahren plant und verantwortet er den ÖPNV im Kreis Pinneberg und seit geraumer Zeit auch in Segeberg und Dithmarschen.

Private Bürgerbus-Modelle wären dabei eher kontraproduktiv. „Wenn jeder macht, was er will, kriegen wir keine integrative Lösung hin.“ Andererseits zeigten diese Wünsche nach Bürgerbussen, dass es offensichtlich noch erhebliche Lücken im System gebe.

Viel besser wäre es, die privaten Initiativen aufzunehmen und in das System des regionalen Nahverkehrsplans zu integrieren, erklärt er. So führen bislang die On-Demand-Busse zu bestimmten Zeiten an bestimmten Haltestellen los. Mit Hilfe von ehrenamtlichen Helfern könnten solche Bestell-Busse die Fahrgäste auch je nach Wunsch und Bedarf zu Hause abholen und wieder dorthin bringen – ganz ähnlich wie es die Bürgerbus-Modelle täten. „Wir könnten bei der Planung fachlich und organisatorisch helfen und auch die Fahrzeuge besorgen.“ Je mehr Angebote es dafür in den kleineren Gemeinden gebe, desto besser und attraktiver machten sie das gesamte System.

In Barmstedt sei dazu die Entscheidung noch nicht gefallen, betont Bürgermeisterin Heike Döpke. Sie hatte der Politik das Bürgerbus-Modell der Agentur Landmobil vorgestellt. Demnächst wolle sie noch einmal Mozer dazu ins Rathaus einladen, sagt sie. „Mir ist es wichtig, dass wir den Bürgern etwas vorhalten können, das ihre Busanbindung verbessert.“ Wenn es stimmt, dass bislang kein Bürgerbus-Modell im Land wieder eingestellt worden sei, zeige es doch, dass der Bedarf in der Bevölkerung groß und real sei.

Die Barmstedter Politik hat jetzt eine Arbeitsgruppe gebildet, die zusammen mit dem Seniorenbeirat abklären soll, was die beste Lösung für die Stadt wäre. Der Seniorenbeirat würde dort am liebsten das Bürgerbus-Modell realisiert wissen, weil die Mitfahrer zu Hause abgeholt und wieder dorthin zurückgebracht werden.

Grünen-Fraktionschefin Marina Quoirin-Nebel plädiert wie ÖPNV-Planer Mozer eher für das offizielle On-Demand-System des Nahverkehrsplanes des Kreises. Das ließe sich besser in das vorhandene System einpassen und sei für die Stadt auch noch kostenlos, weil der Kreis Pinneberg seit 2018 mit zurzeit 13 Millionen Euro das Defizit sämtlicher Busverkehre im Kreis Pinneberg trägt.

Auch Hörnerkirchen, wo der erste Bürgerbus zweimal in der Woche fahren soll, könnte gut in das Bestellbus-System eingepflegt werden, ist Mozer überzeugt. Schwieriger sei es da bei Appen, das ohnehin mit Bussen im 20- bis 60-Minuten-Takt gut angebunden sei. Das ahnt auch Bürgermeister Hans-Joachim Banaschak. Andererseits werde es nicht einfach für die Gemeinde sein, genügend ehrenamtliche Helfer für die Bürgerbusfahrten, deren Organisation und Disposition sowie Räume und technische Ausrüstung zu finden.

Deshalb setzt der Appener Bürgermeister eher auf die zweite Neuerung, die es im Nahverkehrsplan künftig geben soll: Nachtbusse am Wochenende. Dieses Angebot aus Hamburg könnte gut im Anschluss an die letzten Bahn-Fahrten nach Schenefeld, Pinneberg, Tornesch, Elmshorn und Quickborn eingerichtet werden, kündigt Mozer an. Das müsse allerdings wie der gesamte Nahverkehrsplan noch politisch beraten und beschlossen werden. Zumal es einige Hunderttausend Euro zusätzlich im Jahr kosten würde. Zudem werde noch eine offizielle Bürgerbeteiligung gestartet, in der die busfahrende Bevölkerung ihre Wünsche und Anregungen zum neuen RVNP, der bis zum Jahr 2024 Gültigkeit haben soll, einbringen kann.

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