Kreis Pinneberg

Pinnebergs künftige Landrätin: Wer sie ist, was sie will

Pinnebergs Landrat Oliver Stolz und seine designierte Nachfolgerin Elfi Heesch.

Pinnebergs Landrat Oliver Stolz und seine designierte Nachfolgerin Elfi Heesch.

Foto: Burkhard Fuchs

Der Juristin, die in die Nähe ihres Heimatdorfes zurückkehrt, liegen drei Themen besonders am Herzen. Welche es sind.

Kreis Pinneberg.  Sie ist zur ersten Landrätin des Kreises Pinneberg gewählt worden. Am 1. Januar 2021 tritt Elfi Heesch (56) für zunächst sechs Jahre ihr neues Amt als 16. Amtsinhaberin im Laufe der vergangenen 150 Jahre nach Oliver Stolz an, der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes wird.

Gewählt wurde die gebürtige Kreis Steinburgerin, die aus dem 600-Einwohner-Dorf Puls nördlich von Itzehoe stammt, am Mittwochabend mit den Stimmen von vier der sechs Kreistagsfraktionen. Die Abgeordneten von SPD, Grünen, Linken und KWGP sowie ein Vertreter der FDP (wir berichteten) votierten im dritten Wahlgang für sie. Damit entfielen 31 von 61 abgegebenen Stimmen auf sie, während der CDU-Kandidat Kai Uffelmann (47), Erster Kreisrat im Landkreis Harburg, nur 29 Stimmen auf sich vereinen konnte – die der CDU- und der AfD-Fraktion sowie des größten Teiles der FDP-Fraktion. Ein FDP-Abgeordneter enthielt sich offenbar.

Wie berichtet, hatten FDP und AfD im ersten Wahlgang noch für Otto Carstens gestimmt, der als Dezernent in der Verwaltung des Kreises Steinburg arbeitet und CDU-Mitglied ist; zwei der drei AfD-Abgeordneten hielten auch im zweiten Wahlgang an dem 38-Jährigen fest. Als AfD-Fraktionschef Bernhard Noack vor dem dritten Wahlgang ankündigte, auch seine Fraktion werde nun geschlossen den von der CDU favorisierten Kai Uffelmann wählen, steuerte die FDP offenbar um – auch, um „thüringische Verhältnisse zu vermeiden“, wie ihr Fraktionschef Olaf Klampe zur Begründung sagte.

Heesch will unabhängig von Parteiinteressen handeln

Die frisch gewählte Elfi Heesch betont in ihrem ersten Interview nach ihrer Wahl gegenüber dem Hamburger Abendblatt aber: „Als parteilose Landrätin werde ich unabhängig von Parteiinteressen agieren.“ Noch am Wahlabend sagte sie vor dem Kreistag, sie hoffe, sie werde auch die 30 anderen Abgeordneten von sich überzeugen können, die sie nicht gewählt haben. Am Tag darauf fügt sie hinzu: „Selbstverständlich liegt mir eine enge und von Transparenz geprägte Zusammenarbeit mit dem Kreistag besonders am Herzen. Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit mit allen Abgeordneten.“

Und was dürfen die Einwohnerinnen und Einwohner des Kreises Pinneberg von ihrer Amtszeit erwarten? „Ich fühle mich Bürgerinnen und Bürgern sowie allen Abgeordneten im Kreis gleichermaßen verpflichtet. Als wichtigsten Grundsatz meines zukünftigen Handelns als Landrätin verstehe ich die Kreisverwaltung als gemeinwohlorientierten und modernen Dienstleister für unsere Bürgerinnen und Bürger.“

Elfi Heesch leitet künftig die Kreisverwaltung mit ihren knapp 1000 Mitarbeitern. Das Jahresgehalt beträgt mit Nebeneinkünften rund 150.000 Euro brutto. Sie wird die erste Landrätin des Kreises Pinneberg und nach Jutta Hartwieg (2008 bis 2014) im Kreis Segeberg und Stephanie Ladwig (seit 2011) im Kreis Plön erst die dritte Frau in ganz Schleswig-Holstein sein, die dieses Amt bekleidet.

„Der Kreistag hat mich am Mittwochabend gewählt, weil ich eine Frau mit viel Führungs- und Verwaltungserfahrung bin“, sagt sie dazu im Abendblatt-Gespräch. „Ich finde es gut, wenn Frauen in Führungspositionen sichtbar sind. Meines Erachtens üben sie dort eine wichtige Vorbildwirkung aus.“

Gesellschaft stehe vor vielfältigen Veränderungen

Was sind ihre Ziele im Landratsamt? „Wir stehen als Gesellschaft vor vielfältigen Veränderungen“, ist die designierte Landrätin überzeugt: „Ich beschäftige mich insofern im Rahmen meiner derzeitigen Tätigkeit unter anderem intensiv mit Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Mobilität und Klima.“ Bund, Land und EU würden mit erheblichen Finanzmitteln diese Zukunftsthemen nach vorn bringen. „Mir ist es wichtig, diese Ziele auf kommunaler Ebene mitgestalten zu können“, sagt Elfi Heesch. „Ich freue mich darauf, diese Themen im vertrauensvollem konstruktiven Zusammenwirken von Verwaltung und kommunaler Selbstverwaltung im Kreis Pinneberg und der Metropolregion Hamburg zu bewegen sowie mich der Herausforderung der vielfältigen Aufgaben zu stellen, die eine Kreisverwaltung auszeichnen.“

Und was hat die Juristin bewogen, sich aus dem brandenburgischen Potsdam für diese Aufgabe im Kreis Pinneberg zu bewerben? Offenbar die Nähe zu ihrem Heimatort und ihre langjährige Berufserfahrung, antwortet Elfi Heesch. „Ich bin in dem sehr kleinen Dorf Puls im Kreis Steinburg auf einem Bauernhof aufgewachsen – als älteres von zwei Geschwistern. Mein Bruder hat den Hof übernommen.“ Sie habe hingegen Jura studiert und dann eine Verwaltungslaufbahn einschlug. „Mit dieser umfassenden, knapp 30-jährigen Verwaltungserfahrung meine ich, eine gute Grundlage für die Tätigkeit als Landrätin zu haben“, ist Elfi Heesch von ihrer Kompetenz überzeugt. „Ich habe mich im Vorwege meiner Bewerbung intensiv mit den Gegebenheiten des Kreises befasst und bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass der Kreis Pinneberg in besonderer Weise eine hohe Qualität als Arbeits- und Lebensstandort bietet. Zudem liegt er in meiner Heimatregion, der ich mich sehr verbunden fühle.“ Und sie verspricht: „Selbstverständlich werde ich mich darum bemühen, noch vor Amtsantritt in den Kreis Pinneberg umzusiedeln.“

Zur Person

Elfi Heesch ist Volljuristin mit Schwerpunkt Arbeits- und Sozialrecht. Sie ist verheiratet, lebt mit ihrem Mann zusammen. Die 20 Jahre alte Tochter studiert in München Jura wie die Mutter zuvor. 1993 begann ihre berufliche Karriere in der Hamburger Bau-, später Finanzbehörde. Sie war unter anderem Senatsbeauftragte für Wohnungsbau, Abteilungsleiterin im Rechnungshof und Geschäftsführerin des Instituts für Hygiene und Umwelt in Hamburg, bevor sie 2017 zur Abteilungsleiterin für Stadtentwicklung und Wohnungswesen im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg berufen wurde, wo sie noch bis zum Jahresende beschäftigt sein wird.

Am 2. Dezember wird sie während einer Kreistagssitzung vereidigt.