Kreis Pinneberg

Schenefeld will bis 2035 klimaneutral werden

Drängt auf den Masterplan: SPD-Fraktionschef Nils Wieruch.

Drängt auf den Masterplan: SPD-Fraktionschef Nils Wieruch.

Foto: Thomas Pöhlsen

Der Stadt fehlt allerdings ein Masterplan – wie ihn etwa Elmshorn schon hat. SPD und Grüne drängen deshalb auf die politische Weichenstellung.

Schenefeld/Elmshorn.  Den Klimaschutz in der Kommune vorantreiben, neue Ideen entwickeln, bestehende Programme verzahnen und damit effektiver gestalten - dies haben sich die Politiker in Schenefeld und Elmshorn vorgenommen. Sie schreiben sich einen „Masterplan kommunaler Klimaschutz“ auf die Fahnen. Das Ziel: Den CO2-Ausstoß deutlich reduzieren, bis 2035 klimaneutral werden und somit einen lokalen Beitrag leisten, die globale Erderwärmung zu stoppen.

Dabei wollen sie die Aktivitäten nicht nur auf die Politik und die Verwaltung beschränken. Die Bürger, Unternehmen und Institutionen der Stadt sollen bei dem ehrgeizigen Vorhaben mit ins Boot geholt werden.

Während der jüngsten Schenefelder Ratssitzung haben Sozialdemokraten und Grüne ihren Antrag durchgebracht. „Wir haben ein Energie- und Klimaschutzkonzept für die Stadt, schreiben gerade unser Stadtentwicklungskonzept fort“, erklärt der SPD-Fraktionsvorsitzende Nils Wieruch, der die Initiative gestartet hat. Diese Papiere zielen weitgehend auf die Politik und die Stadtverwaltung.

Mit dem Masterplan sollen auch Bürger und Unternehmen einen Beitrag leisten können. Die Klimaschutzbemühungen sollen also breiter aufgestellt werden. Als konkrete Idee schwebt Wieruch etwa die Schaffung von mehr E-Tankstellen vor. Der Schenefelder geht einkaufen, schließt sein Auto an eine Ladestation an, und wenn er zurückkommt, sind die Batterien seines Autos voll, so der Genosse.

Für lokale Projekte soll Geld aus der EU genutzt werden

Mithilfe von EU-Fördergeldern könnte auch der Bau von Photovoltaikanlagen auf den Dächern von Häusern, Büro- und Werksgebäuden forciert werden. Um die Planungen zu koordinieren, richtet die Verwaltung eine Stabsstelle Klimaschutz ein, sagt der Fraktionssprecher Mathias Schmitz für die Grünen, die die SPD-Idee unterstützen. Das Thema liegt dann in den Händen des Ausschusses für Energie, Wasser und Abwasser.

„Den Bürger mitnehmen“, darauf soll für Schmitz das Hauptaugenmerk gerichtet sein. SPD und Grüne setzen dabei besonders auf die Unterstützung eines Planungsbüros. Das soll nicht nur bei der Ausarbeitung des Masterplans helfen. Die Experten könnten auch unterstützen, Gelder für die Umsetzung der ehrgeizigen Ziele zu akquirieren. Denn mit dem neuen EU-Haushalt sollen Förderprogramme in Sachen Klimaschutz aufgelegt werden.

Das Planungsbüro könnte den Schenefeldern helfen, die Brüsseler Fördertöpfe anzuzapfen. Als Vorbild dient Wieruch und Schmitz die Landeshauptstadt Kiel, die bereits seit einiger Zeit über einen Masterplan verfügt und gute Erfahrung mit der Einbindung von Experten gemacht hat. Auch einen Schritt weiter als die Schenefelder sind die Politiker in Elmshorn. Nicht nur haben die Grünen bereits im Dezember des vergangenen Jahres ihre Ideen für einen Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsmasterplan vorgestellt. Während die Schenefelder mit ihrem Beschluss das Thema auf die Agenda setzen und so mit der Arbeit beginnen wollen, hatten Sonja Kindlein und Hinrich Höft für die Elmshorner Grünen schon reichlich Vorarbeiten geleistet. Sie haben Leitsätze und Ziele entwickelt, die in konkrete Aktionspläne münden sollen. Das Hauptaugenmerk liegt darauf, die Treibhausgasemissionen für die Sektoren Verkehr, Wirtschaft, Privathaushalte und öffentliche Liegenschaften drastisch zu senken.

Die Stadtwerke sollen „als Klimaschutzmotor“ dienen, in dem die Energiewirtschaft sukzessive auf erneuerbare Energieversorgung umgestellt wird, so Höft. Ferner wird die Gründung von „Bürgerenergie-Genossenschaften“ unterstützt. Die Bürger sollen in möglichst vielen Bereichen beteiligt, die Unternehmen mitgenommen werden, so Höft.

Ähnlich wie die Schenefelder setzen sie auf externe Berater, die eingekauft werden sollen. Höft setzt bei der Umsetzung des Masterplans auch auf die Konjunkturpakete der Bundesregierung zur Bewältigung der Corona-Krise. Sie sollen einen deutlichen Akzent auf den Klimaschutz und die Bekämpfung der Erderwärmung legen. Der Grüne hofft auf Zuschüsse aus Berlin.

Für den Klimaschutzvorstoß hagelte es Kritik im Rat

Während es im Schenefelder Rat von den anderen Fraktionen deutliche Kritik an dem Masterplan-Gedanken von SPD und Grünen hagelte (siehe unten stehender Infotext), einigten sich die Elmshorner Räte auf die Einrichtung einer Arbeitsgruppe, die aus Politikern und Vertretern der Stadt bestehen soll. Dort soll der Masterplan mit Leben gefüllt werden. Wegen der Corona bedingten Sitzungspause und den Sommerferien wird diese lokale Arbeitsgruppe allerdings frühestens am 28. August das erste Mal zusammentreten, um konkrete Inhalte zu besprechen.