Straßenverkehr

Blitzerbilanz nach vier Tagen: 220 Temposünder in Elmshorn

Eva Sühlsen von der Kreisverwaltung und Kreis-Verkehrsausschusschef Jens Petersen (FDP) stellen am 20. Mai den neuen Blitzeranhänger an der Wittenberger Straße in Elmshorn vor.

Eva Sühlsen von der Kreisverwaltung und Kreis-Verkehrsausschusschef Jens Petersen (FDP) stellen am 20. Mai den neuen Blitzeranhänger an der Wittenberger Straße in Elmshorn vor.

Foto: Arne Kolarczyk

Gerät wird in Elmshorn zweimal attackiert. Nun ist es in Ellerbek im Einsatz. Gemeinde fordert stationären Blitzer für den Standort.

Kreis Pinneberg. Viereinhalb Tage lang stand der neue Blitzeranhänger des Kreises an der Wittenberger Straße in Elmshorn. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Von 220 Rasern machte das Gerät Fotos – und das, obwohl es zwei Mal mutwillig beschädigt wurde. Die zweite Station des Blitzeranhängers war Ellerbek – sehr zur Freude von Bürgermeister Günther Hildebrandt. Der möchte an dieser Stelle nämlich einen dauerhaften Blitzer installieren.

Laut Eva Sühlsen vom Fachdienst Straßenbau und Verkehrssicherheit des Kreises liegen von der zweiten Station noch keine Daten vor. Die Ausbeute an der Wittenberger Straße liege zwar vor, sei jedoch noch nicht dahingehend ausgewertet worden, welche Geschwindigkeitsverstöße genau vorliegen. Am Standort an der alten B 5 gilt Tempo 70, dieser Bereich mit einer einseitigen Randbebauung gilt als Raserstrecke.

„Anton“ steht viereinhalb Tage in Elmshorn

Am Nachmittag des 20. Mai wurde der Blitzeranhänger, dem der Hersteller Jenoptik den Namen Anton gegeben hat, an der Wittenberger Straße aufgestellt. Am 25. Mai um 8 Uhr morgens kamen die Messangestellten des Kreises und bauten Anton wieder ab. 220 Temposünder in den viereinhalb Tagen: Vor dem Hintergrund, dass der Blitzer zwei Mal von Unbekannten attackiert und jeweils mehrere Stunden lang lahmgelegt worden ist, eine erstaunliche Bilanz.

„Wir haben, was beide Vorfälle angeht, Strafanzeige gestellt“, erläutert Sühlsen. Laut ihren Angaben wurde der Blitzeranhänger kurz nach seiner Aufstellung mit Farbe im Bereich der Kamera besprüht, sodass die Bilder wertlos wurden. Nach der Reinigung sei Anton zunächst wieder einsatzfähig gewesen, ehe am 24. Mai ein Smiley auf die Kameralinse geklebt worden sei. Resultat: wiederum keine verwertbaren Fotos. „Wir haben den Smiley sichergestellt und der Polizei übergeben“, so Sühlsen weiter.

Attacken gegen Blitzer sind keine Seltenheit

Der Kreis habe zwar damit gerechnet, dass das neue Gerät Ziel von derartigen Attacken werde. „Das passiert ja bundesweit bei Geräten dieser Art leider häufiger“, sagte die Kreismitarbeiterin weiter. Allerdings sei nicht eingeplant gewesen, dass es bereits nach so kurzer Zeit zu zwei Vorfällen kommen würde. Diese würden jedoch sofort auffallen, da Anton selbstständig Alarm schlage. „Ohnehin kontrollieren wir die Standorte mehrmals täglich, auch die Polizei als unser Projektpartner ist involviert“, so Sühlsen weiter.

Nach dem Abbau am 25. Mai wurde der Akku des Blitzeranhängers, der bis zu einer Woche hält, wieder aufgeladen. 24 Stunden später ging Anton wieder in Stellung – an der Rugenbergener Straße in Ellerbek. Dort gilt Tempo 50, es handelt sich um einen innerörtlichen Bereich. Das war nicht immer so. „Es ist etwa fünf bis zehn Jahre her, seit das Ortsschild entsprechend versetzt wurde“, erinnert sich der Bürgermeister Günther Hildebrandt (FDP). Vorher habe es zwischen Ellerbek und Bönningstedt einen außerörtlichen Bereich gegeben. „Noch heute lädt dieses Stück zum Rasen ein“, sagte der Bürgermeister weiter. Offenbar würden viele Autofahrer aufgrund des Umstandes, das hier nur einseitig eine Bebauung vorliege, auf das Gas drücken. Dem Dorfoberhaupt, der selbst in diesem Bereich sein Unternehmen betreibt, liegen diesbezüglich nach eigenen Angaben bereits mehrere Beschwerden vor. Anwohner hätten teilweise bereits ihre Autos auf der Straße geparkt, um für eine Verkehrsberuhigung zu sorgen.

Erste mobile Kontrollen ergaben erhebliche Überschreitungen

„Bisherige Kontrollen mit mobilen Geräten haben erhebliche Werte von Überschreitungen ergeben“, so Hildebrandt weiter. Und er betont: „Mir geht es nicht darum, dass möglichst viele Autofahrer geblitzt werden, sondern dass an dieser Stelle die zulässige Höchstgeschwindigkeit von den Autofahrern eingehalten wird.“

Er freue sich darüber, dass der Kreis den Blitzeranhänger an dieser Stelle postiert habe, da dieser im Gegensatz zu einer kurzzeitigen mobilen Messung über einen längeren Zeitraum Tag und Nacht diesen Punkt überwachen und aussagekräftigere Zahlen liefern könne. Und die könnten der Gemeinde eventuell Argumente liefern. Denn Hildebrandt will nicht locker lassen. „Wir haben bereits einen Antrag beim Kreisverkehrsamt gestellt mit dem Ziel, an dieser Stelle eine stationäre Anlage zu positionieren.“ Einen Bescheid dazu habe die Gemeinde noch nicht erhalten.

Derzeit gibt es auf Kreisebene sechs Standorte von Starenkästen sowie eine Lasermessanlage beidseitig der LSE in Schenefeld. Während die Anlage in Schenefeld rund um die Uhr aktiv ist, teilen sich die anderen sechs Starenkästen zwei Kameras. Mit letzterem System wäre der Ellerbeker Bürgermeister auch zufrieden. „Man sieht ja nicht, wann welcher Blitzer scharfgeschaltet ist.“

Verkehrsplaner sollen weitere problematische Bereiche in Ellerbek untersuchen

Um den Antrag der Gemeinde mit Fakten zu untermauern, hat Hildebrandt nach einem Votum der Politik ein Verkehrsplanungsbüro aus Hannover eingeschaltet, das diese Stelle genauer unter die Lupe genommen hat. Die Verkehrsplaner sollen auch weitere problematische Bereiche in Ellerbek untersuchen und Vorschläge machen, wie diese entschärft werden können. Für den Standort an der Rugenbergener Straße sieht der Bürgermeister nur eine Lösung – nämlich einen stationären Blitzer. Anton könnte also erst der Anfang gewesen sein.

Den Blitzeranhänger testet der Kreis noch bis Mitte August. Danach endet seine Ära – und Eva Sühlsen wird die Zahlen aufbereiten und gemeinsam mit der Polizei als Projektpartner einen Erfahrungsbericht verfassen. Die Politik, die bereits im Herbst 2018 die Anschaffung des 350.000 Euro teuren Geräts beschlossen hat, wird sich dann im Herbst diesen Jahres mit dem Erfahrungsbericht befassen. Anschließend wird entschieden, ob der Beschluss von vor zwei Jahren Bestand haben und ein derartiges Gerät dauerhaft zur Waffe gegen die Raser im Kreis werden soll.