Straßenverkehr

Anton sorgt im Kreis Pinneberg für mehr Sicherheit

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Arne Kolarczyk
Eva Sühlsen von der Kreisverwaltung und Jens Petersen (FDP) vor dem neuen Blitzeranhänger, der für drei Monate erprobt wird.

Eva Sühlsen von der Kreisverwaltung und Jens Petersen (FDP) vor dem neuen Blitzeranhänger, der für drei Monate erprobt wird.

Foto: Arne Kolarczyk

Seit Mittwoch wird ein Blitzeranhänger erprobt. Das 350.000 Euro teure Gerät arbeitet autark und misst eine Woche lang Tag und Nacht das Tempo.

Kreis Pinneberg.  Radar steht in Großbuchstaben auf den beiden Pappschildern, die jemand gebastelt und an der Wittenberger Straße in Elmshorn an zwei Leitpfosten aufgehängt hat. Einige Meter entfernt steht ein Blitzeranhänger der neuesten Generation. Er ist die neue Waffe des Kreises gegen Raser. Am Mittwoch hat die dreimonatige Testphase des 350.000 Euro teuren Geräts begonnen, die von der Kreispolitik bereits im Herbst 2018 beschlossen worden war.

„Die beiden Warnschilder standen schon, als wir den Blitzer noch gar nicht scharfgeschaltet hatten“, so Eva Sühlsen vom Fachdienst Straßenbau und Verkehrssicherheit des Kreises. Sie hat am Mittwochnachmittag die Semi-Station des Herstellers Jenoptik in Betrieb genommen – und die Warnschilder des unbekannten Bastlers eingesammelt.

Der Blitzeranhänger komplettiert die Tempoüberwachung, bei der Kreis und Polizei seit 2005 gemeinsame Sache machen. Sie besteht aus acht stationären Blitzern, einem mobilen Laserblitzer und einer Radarpistole, die ebenfalls für mobile Messungen eingesetzt wird. Die Semistation verfügt über die Besonderheit, dass sie wie die stationären Blitzer ohne ständige Personalüberwachung arbeitet, jedoch an unterschiedlichen Orten einsetzbar ist.

„Der Trailer wird zum Kontrollort gebracht, aufgestellt und eingerichtet. Die Geschwindigkeitsmessung findet ab diesem Zeitpunkt selbstständig durch die Technik statt, ohne die erforderliche Anwesenheit eines Messangestellten“, so Sühlsen weiter. Sie hat ebenso wie sechs weitere Kreismitarbeiter eine zweitägige Schulung durchlaufen, um das Gerät bedienen und sicherstellen zu können, dass die Ergebnisse rechtssicher sind.

Der Trailer, der vom Hersteller übrigens den Namen Anton erhalten hat, kann knapp eine Woche lang an einer Messstelle verbleiben, ohne dass seine Akkus schlapp machen. Anton arbeitet rund um die Uhr, also auch nachts. Die Akkulaufzeit hängt auch von der Anzahl der gemessenen Fahrzeuge ab. Etwa einmal wöchentlich werden die Daten ausgelesen und der Akku geladen. Die Ladezeit beträgt einen Tag, anschließend ist der Blitzeranhänger bereit für die nächste Messstelle.

Anton kann von jedem Fahrzeug, das über eine Anhängerkupplung verfügt, zum Einsatzort gebracht werden. Dort wird die Semistation per Joystick in die richtige Position manövriert und abgesenkt, damit sie nicht gestohlen werden kann. „Das Gerät wiegt 1,4 Tonnen“, erläutert Sühlsen. Es ist nach einer Eichung sofort einsatzbereit. Der Personalaufwand für die Bedienung beträgt sechs Stunden wöchentlich. Übrigens ist das Gerät nicht nur gegen Diebstahl, sondern auch gegen Sachbeschädigung gesichert. In einem derartigen Fall wird ein Alarm ausgelöst, sodass wenig später die Polizei eintreffen wird.

„Vom Beschluss bis zur Umsetzung hat es leider ein wenig länger gedauert. Dies ist durch krankheitsbedingte Langzeitausfälle und Personalfluktuation in der Kreisverwaltung begründet“, so Jens Petersen (FDP), Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft, Regionalentwicklung und Verkehr. Die Verwaltung habe die Politik jedoch fortlaufend über den Sachstand auf dem Laufenden gehalten. Petersen: „Wir sind sehr gespannt auf die Erfahrungen mit dem Gerät.“

Laut dem Mietvertrag steht Anton dem Kreis bis Mitte August zur Verfügung. Danach endet seine Ära – und Eva Sühlsen wird die Zahlen aufbereiten und gemeinsam mit der Polizei als Projektpartner einen Erfahrungsbericht verfassen. „Über die Auswertung des Probebetriebs wird voraussichtlich im Herbst im Ausschuss beraten“, so Petersen weiter. Dann falle auch die Entscheidung, ob der Kreis sich ein solches Gerät dauerhaft anschafft. Die Mietkosten für den Probebetrieb in Höhe von 28.000 Euro sind in dem prognostizierten Anschaffungspreis von 350.000 Euro bereits inkludiert.

„Geschwindigkeitsüberschreitungen sind immer ein Thema. Die Menschen müssen sensibilisiert werden, dazu kann das Gerät einen Beitrag leisten“, sagt der FDP-Kreispolitiker. Wo Anton in der Testphase steht, wird gemeinsam mit der Polizei festgelegt. „Wir können jetzt auch neue Messstellen bespielen, die mit unserem bisherigen Lasergerät nicht angefahren werden konnten“, sagt Sühlsen. Sie weist darauf hin, dass alle Bürger die Möglichkeit haben, neuralgische Punkte, wo gerast wird, an den Kreis zu melden. „Wir werden uns das angucken und entscheiden, ob wir diese Stellen mit in die Messung aufnehmen.“

Für mobile Messungen nimmt der Kreis besonders Schulen und Kitas ins Visier. „Da werden wir den Blitzeranhänger in den nächsten Monaten häufig sehen“, so Kreissprecher Oliver Carstens. Mögliche Kritik, es handele um ein neues Instrument zur Abzocke, lässt er auch im Hinblick auf den verschärften Bußgeldkatalog nicht gelten. „Die Anmietung des Geräts war bereits länger geplant und ließ sich leider erst jetzt umsetzen.“ Mehr Verkehrsüberwachung führe zu einem geringen Geschwindigkeitsniveau.

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