Pinneberg
Verkehr

Polizei blitzt im Kreis Pinneberg weniger Raser

Im Februar 2018 präsentierten Eva Sühlsen, vom Kreis Pinneberg und Polizist Stephan Wirtz die neue Laser-Messanlage, die in der Folge kaum einmal funktionierte.

Im Februar 2018 präsentierten Eva Sühlsen, vom Kreis Pinneberg und Polizist Stephan Wirtz die neue Laser-Messanlage, die in der Folge kaum einmal funktionierte.

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Zahl der Temposünder im Kreis Pinneberg sinkt in einem Jahr um 30 Prozent – weil das Blitzgerät kaputt war. Die Hintergründe.

Kreis Pinneberg. Die Zahl der erwischten Temposünder ist 2018 im Kreis Pinneberg um fast 30 Prozent gesunken. Das ist jedoch nicht Folge einer verbesserten Verkehrsmoral, sondern einem Technikversagen zu verdanken. Die im Dezember 2017 angeschaffte mobile Blitzeranlage von Polizei und Kreis war nahezu das gesamte erste Halbjahr des Vorjahres defekt, sodass kaum Messungen erfolgen konnten.

„Wir hatten sehr häufig sehr lange Ausfälle der Anlage zu beklagen“, sagt Silke Dräger, Fachdienstleiterin für Verkehrssicherheit in der Kreisverwaltung. Sie räumt „massive Probleme“ mit der neubeschafften Technik ein. Das spiegelt sich auch in den Zahlen, die der Kreis jetzt den Kommunalpolitikern im zuständigen Verkehrsausschuss vorlegte. 58.465 Temposünder wurden 2018 auf den Straßen des Kreises erwischt. 2017 schnappten die Blitzerfallen dagegen noch 82.672 Mal zu. Macht einen Rückgang von 29,3 Prozent.

Das hat auch massive Auswirkungen auf die Einnahmen – und den Gewinn, den der Kreis aus dem gemeinsamen Projekt mit der Polizei zieht. 2017 betrug der Überschuss für den Kreis noch 433.274,27 Euro. Im Vorjahr reduzierte er sich auf 88.196,56 Euro. Grund dafür: die Probleme mit der mobilen Anlage. 2017 erwischten die Kreisbediensteten mit dem Vorgängermodell 57.551 Raser. Im Vorjahr waren es mit der neuen Technik nur noch 24.123 Temposünder.

2019 sollen die Einnahmen wieder steigen

„Das war ein Montagsgerät“, so Silke Dräger. Diverse Reparaturversuche des Herstellers seien fehlgeschlagen. Erst nach langwierigem Schriftverkehr und der Androhung des Rücktritts vom Kaufvertrag habe sich der Hersteller im Juli bereiterklärt, das 150.000 Euro teure Laser-Messgerät komplett zu tauschen. Dräger: „Seitdem funktioniert die Anlage reibungslos, und wir sind seitdem auch in der Lage, gleichzeitig beide Fahrtrichtungen zu überwachen.“ Sie erwarte in 2019 „eine Steigerung der Einnahmen“.

Die festinstallierten Blitzer (Starenkästen), die zweite Säule der Verkehrsüberwachung, haben 2018 einwandfrei funktioniert. An den sechs Standorten des Modells Traffipax erfassten die Kameras 24.083 Fahrzeugführer, die zu schnell unterwegs waren – 3723 mehr als 2017. In Schenefeld, wo an der LSE auf Höhe des Stadtzentrums beidseitig das neuere Modell Vitronic steht, wurden 10.244 Fotos geschossen – 2017 waren es nur 4761. Die neue Rotlichtüberwachung, die an diesem Standort im Januar 2018 in Richtung Pinneberg installiert wurde, macht sich zumindest für den Kreis bezahlt. Durchschnittlich fahren 2,9 Autofahrer pro Tag bei Rot über die Ampel.

Die Tempoüberwachung sollte in diesem Jahr um eine zusätzliche Komponente erweitert werden: eine Blitzeranlage, die auf einem Anhänger montiert ist. Die Geräte, die der Hersteller Jenoptik als „Semistation“ bezeichnet, können flexibel an wechselnden Standorten ohne die dauerhafte Anwesenheit von Personal betrieben werden. Ein Vorteil ist, dass die „Semistation“ 24 Stunden lang einsatzbereit ist.

Im Dezember 2018 hatten die Kreispolitiker den Erwerb eines derartigen Gerätes zum Preis von 300.000 Euro beschlossen. Dem sollte zunächst eine dreimonatige Testphase vorausgehen, in der das Gerät angemietet wird. Doch die Autofahrer können aufatmen – diese Maßnahme wurde auf das nächste Jahr verschoben. „Das ist derzeit personell einfach nicht zu schaffen“, so die Fachdienstleiterin.

Mitarbeiter in der Bußgeldstelle leiden unter Mehrbelastung

Silke Dräger rechnet damit, dass bereits die Testphase zu einem erheblich höheren Fallaufkommen führt. Als Beweis führt sie eine Messung der Landespolizei an, die ein solches Gerät auf der A 7 bei Quickborn eingesetzt hatte. „In den vier Tagen, in denen das Gerät dort stand, fielen 1800 Bußgeldfälle an, die laut dem Tatortprinzip von der Bußgeldstelle des Kreises bearbeitet werden mussten“, sagt die Fachdienstleiterin.

Dies habe zu einer erheblichen Mehrbelastung der Mitarbeiter der Bußgeldstelle geführt, deren Leistungsfähigkeit durch mehrere Langzeiterkrankte eingeschränkt ist. 2018 häuften die zwölf Mitarbeiter 316 Krankheitstage an. In diesem Jahr kamen bis zum 23. Juli bereits 247 Krankheitstage bei inzwischen 13 Mitarbeitern zusammen. Laut Silke Dräger werde inzwischen durch gezielte Maßnahmen versucht, die Arbeitsfähigkeit zu erhalten und Entlastung herbeizuführen. Vermutlich werde man um zusätzliches Personal nicht herumkommen. Dräger: „Wir überprüfen diesen Bereich auf seinen Personalbedarf.“

Neben den Mitarbeitern in der Bußgeldstelle beschäftigt der Kreis fünf Angestellte für die Messungen, die bei Bedarf von Polizisten unterstützt werden. Der Großteil der Einsätze erfolgt tagsüber, nachts wird seltener überwacht.