Kreis Pinneberg

Spenden-Marathon für den Kinderschutzbund

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Alexander Sulanke
Jan Dersch aus Kölln-Reisiek läuft am Sonntag einen Halbmarathon durch Elmshorn. Auf diesem Bild ist er im Stadtteil Hainholz unterwegs.

Jan Dersch aus Kölln-Reisiek läuft am Sonntag einen Halbmarathon durch Elmshorn. Auf diesem Bild ist er im Stadtteil Hainholz unterwegs.

Foto: Instagram: @wir.sind.elmshorn

Elmshorn statt Wien: Der Läufer Jan Dersch aus Kölln-Reisiek sammelt mit einem Halbmarathon Geld für hungernde Kinder.

Elmshorn.  Eigentlich steht Wien in seinem Terminkalender. Eigentlich wäre dort am kommenden Sonntag Marathon. Eigentlich hat Jan Dersch schon immer davon geträumt, mitzulaufen. Doch in diesem Frühjahr bleibt so vieles bei einem Eigentlich; die Coronapandemie schreibt ein anderes Drehbuch.

Jan Dersch hat also umdisponiert. Der 39-Jährige läuft nun einen Halbmarathon. Einen Halbmarathon, den es bislang nicht gibt, und das vor einem Publikum, das es am Straßenrand auch nicht geben wird. Doch am Ende soll trotzdem ein Gewinner feststehen: der Kinderschutzbund. Dersch hat die Straßen Elmshorns zu seiner Rennstrecke erkoren, will 21 Kilometer und 100 Meter zurücklegen, sich dabei filmen lassen und dadurch möglichst viele Menschen dazu bewegen, für den guten Zweck zu spenden. Am Sonntag, 19. April, um 10 Uhr fällt der Startschuss für diesen „Coronathon“.

Den ersten Marathon lief er 2014 in Hamburg

„Meinen ersten Marathon bin ich 2014 in Hamburg gelaufen“, sagt der Kölln-Reisieker. Elf weitere folgten bisher. Unter anderem hat sich der Leiter einer Elmshorner Versicherungsagentur schon Athen, Lissabon und Tel Aviv erlaufen. „Ich verbinde die Teilnahme an Marathonläufen gern damit, fremde Städte kennenzulernen“, sagt Dersch. Wien muss warten, und Elmshorn kennt der Familienvater zweier neun und sieben Jahre alter Söhne allzu gut.

Aber er hatte eine andere Idee: „Marathons werden häufig für Spendenaktionen genutzt. Als ich dann durch einen Zeitungsartikel auf die aktuelle Lage des städtischen Ortsverbands des Kinderschutzbundes aufmerksam wurde, kam mir die Idee mit dem Livestream“, sagt Dersch.

Wie berichtet, ist der Kinderschutzbund derzeit in ganz besonderem Maße auf Spenden angewiesen. Laut Statistik wachsen in Elmshorn mindestens 2366 Kinder in Familien auf, die als arm gelten, weil sie für ihren Lebensunterhalt auf Geld vom Staat angewiesen sind. „Diese Familien leben regelmäßig in kleinen Wohnungen. Die Kinder haben keinen Garten, in dem sie ihren Bewegungsdrang ausleben können, und Spielplätze dürfen sie nicht mehr betreten“, so die Ortsvorsitzende des Kinderschutzbunds, Elke-Maria Lutz, kürzlich im Abendblatt.

Kinderschutzbund Elmshorn verteilt Lebensmittelgutscheine

Was jedoch noch viel schwerer wiege: „Nach Schließung der Kitas und Schulen ist nun auch das kostenlose Mittagessen für diese Kinder ersatzlos weggefallen“, so die pensionierte Jugendrichterin. Deshalb kauft der Kinderschutzbund nun regelmäßig Lebensmittelgutscheine mit einem Wert von je 25 Euro, die in örtlichen Supermärkten eingelöst werden können – jedoch nicht für Alkohol und Zigaretten.

Da zählt jeder Euro, das ist auch Jan Dersch klar. Aber wie bekommt er trotz des zurzeit geltenden Kontaktverbots genügend Zuschauer, die dann auch noch spenden? Sein Bekannter Alex Matzkewitz, Geschäftsführer einer Medienagentur, macht es möglich. Denn er betreibt unter dem Namen „Wir sind Elmshorn“ auch einen Blog auf Instagram, der immerhin 1500 Abonnenten zählt. Auf diesem Kanal wird der gesamte Lauf übertragen. Damit das klappt, wird ein Fahrradfahrer mit Videokamera Marathonläufer Dersch begleiten – natürlich mit dem gebotenen Sicherheitsabstand, wie die Veranstalter betonen.

Die Route werden sie vorher extra nicht bekannt geben. „Die Menschen sollen ja zu Hause bleiben“, sagt Alex Matzkewitz. Sie dazu zu animieren, raus auf die Straße zu kommen, wäre in jedem Fall kontraproduktiv. Jan Dersch: „Aber auf dem Smartphone oder auf dem Tablet können die Zuschauer ja erkennen, dass ich vielleicht bald an ihrem Haus vorbeilaufe.“ Und wenn ihn dann aus sicherer Distanz jemand vom Balkon aus anfeuerte, würde er sich schon darüber freuen.

Kinderschutzbund hat schon 10.000 Euro gesammelt

Die Kinderschutzbund-Vorsitzende Elke-Maria Lutz ist begeistert von der Aktion: „Ein Halbmarathon durch Elmshorn für eine solch riesige Anzahl an Menschen, die von zu Hause aus anfeuern können: Das gab es bei uns in der Stadt noch nie“, sagt sie. Zudem sei es das erste Mal, dass der Ortsverband als Spendenziel für einen Lauf ausgewählt worden sei. „Wir freuen uns über das Engagement und können mithilfe der Spendensumme bedürftige Familien effektiv unterstützen.“

In der vergangenen Woche hatte sie gemeldet, dass bereits mehr als 10.000 Euro für die Lebensmittelgutscheinaktion zusammengekommen waren. Lutz: „Ich bin begeistert von der Solidarität unserer Mitbürger.“

Jan Dersch hat seine Wien-Pläne unterdessen nicht aufgegeben, sondern nur aufgeschoben. Den Termin für kommendes Jahr haben die Veranstalter schon bekannt gegeben. Was ihn ansonsten sportlich noch herausfordern könnte? „New York“, sagt er, „New York ist ja immer ein sehr großes Ziel. Aber Tokio reizt mich auch.“

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