Newsblog für Norddeutschland

20 Krebspatienten im UKE mit Coronavirus infiziert

| Lesedauer: 28 Minuten

Nach Püschel-Kritik: RKI empfiehlt nun Obduktion von Toten

Beschreibung anzeigen

Robert-Koch-Institut empfiehlt Hamburger Weg bei Zählung. Tschentscher äußert sich zu Zweifel an Beatmung. Der Newsblog.

Hamburg. Das Coronavirus hat in diesem Jahr für viele Menschen in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern das Osterfest überschattet. Nun interessiert alle: Wann werden die Corona-Beschränkungen wieder gelockert, wann öffnen Schulen und Kitas wieder? Die Debatte darüber ist vor dem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten am Mittwoch in vollem Gange, die Grünen in Hamburg haben bereits eine Exit-Strategie vorgelegt.

Seit Ausbreitung der Coronapandemie haben sich in Hamburg 3925 Personen mit der Lungenerkrankung Covid-19 infiziert (Stand Dienstag) – am Vortag waren es 3887 Personen. Die meisten sind bereits wieder gesund und auch die Zahl der Patienten in den Krankenhäusern ist gesunken.

Nach derzeitigem Stand befinden sich 262 Hamburger in stationärer Behandlung – drei Hamburger mehr als am Montag. Davon werden 83 Personen intensivmedizinisch betreut (Vortag 84). Die Zahl der Coronatoten liegt nach Angaben des Instituts für Rechtsmedizin am UKE nun bei 58 – das sind sechs mehr als am Montag.

Verfolgen Sie alle Entwicklungen zum Coronavirus im Norden im Newsblog (14. April):

20 Krebspatienten im UKE mit Coronavirus infiziert

Eine Welle von Infektionen hat die sensiblen Krebsstationen im UKE getroffen: Wie das Universitätsklinikums auf Anfrage bestätigte, haben sich bereits in der vergangenen Woche rund 20 Patienten sowie rund 20 Mitarbeiter mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt.

"Die zuständigen Behörden wurden unmittelbar informiert", sagte die Sprecherin Saskia Lemm. Einige der Betroffenen hätten bereits in die häusliche Isolation entlassen werden können, der Rest werde weiterhin im UKE behandelt.

Nach Informationen des "Spiegel", der am Dienstagabend zuerst über die Infektionen berichtete, könnte eine Putzkraft das Virus in die Onkologie eingeschleppt und verbreitet haben. Unter den Mitarbeitern seien "unterschiedliche Berufsgruppen", also Ärzte und anderes Personal betroffen, sagte die UKE-Sprecherin Lemm auf Anfrage des Abendblattes.

Sofort nach Bekanntwerden der ersten Infektion seien alle Patienten auf den Krebsstationen auf das Coronavirus getestet worden. "Infizierte Patienten wurden umgehend auf spezifische Covid-19-Stationen außerhalb des Zentrums für Onkologie verlegt und dort isoliert untergebracht", so die UKE-Sprecherin.

"Die Betreuung auf diesen Stationen erfolgt durch ausschließlich dort tätiges onkologisches Fachpersonal." Auf diese Weise könne auch die Krebsbehandlung fortgesetzt werden. Zum Zustand der Infizierten und der Frage, ob etwa auch besonders gefährdete Leukämiepatienten darunter seien könnten, machte das UKE bislang keine weiteren Angaben.

Auch im Zusammenhang mit der Infektionswelle sei jedoch ein "ausgedehntes Screening von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der betroffenen Stationen" durchgeführt worden. Auch regelhaft würden neue Patienten in der Onkologie und in der Notaufnahme des Klinikums auf das Coronavirus getestet. Die genauen Umstände des Ausbruchs seien noch unklar. "Die genauen Wege der Infektion werden derzeit mit Hochdruck aufgearbeitet", sagte Lemm.

Corona-Soforthilfe in Hamburg fließt stetig ab

Zwei Wochen seit dem Angebot der Corona-Soforthilfe sind an Hamburger Selbstständige und Kleinunternehmer rund 283 Millionen Euro ausgezahlt worden. Wie die Wirtschaftsbehörde am Dienstag weiter mitteilte, gab es bislang 37 293 positiv beschiedene Anträge. Den Antragstellern seien fast 358 Millionen Euro zugesagt und davon rund 283 Millionen bereits angewiesen worden.

Eine Woche nach Einführung der Unterstützung waren 160 Millionen Euro abgeflossen. Vor dem Beginn der Soforthilfen hatten die Behörden mit rund 100 000 Anträgen und erforderlichen Mitteln von mehr als 300 Millionen Euro gerechnet, wobei es sich mangels Erfahrungen nur um grobe Schätzungen handeln konnte.

Die Hamburger Corona-Soforthilfe (HCS) für Unternehmer:

  • Solo-Selbständige: 2500 € (Hamburg), 9000 € (Bund), 11.500 € (Gesamt)
  • 1–5 Mitarbeiter: 5000 € (HH), 9000 € (Bund), 14.000 € (Gesamt)
  • 6–10 Mitarbeiter: 5000 € (HH),15.000 € (Bund), 20.000 € (Gesamt)
  • 11–50 Mitarbeiter: 25.000 € (HH), keine Beteiligung vom Bund
  • 51–250 Mitarbeiter: 30.000 € (HH), keine Beteiligung vom Bund

Jüngster UKE-Coronapatient 16 Jahre alt

Wie das UKE auf Anfrage bestätigte, sind in Hamburg nicht nur ältere Menschen von schweren Infektionsverläufen betroffen: Der jüngste Coronapatient, der in dem Universitätsklinikum stationär behandelt wurde, war demnach erst 16 Jahre alt. "Die jüngsten Patienten auf der Intensivstation waren bislang Anfang 30", sagte die UKE-Sprecherin Saskia Lemm.

Den Angaben zufolge verstarb aber keiner dieser jungen Patienten. Auch habe es weiterhin im UKE keine Fälle von schweren Verläufen gegeben, bei denen keine Vorerkrankungen vorlagen. ​

Beatmung bei Corona gefährlich? Tschentscher äußert sich

Es sind beunruhigende Daten zu lebensrettenden Maschinen: Sowohl aus den USA, als auch aus Großbritannien und China kamen zuletzt Warnungen von Ärzten, dass sich die Beatmung von Coronapatienten möglicherweise negativ auswirken könne. So liege die Sterblichkeitsrate der Patienten, die beatmet wurden, etwa in New Yorker Kliniken bei 80 Prozent.

Dies stehe im krassen Gegensatz zu einem Anteil von 50 bis 60 Prozent an Patienten, die andere schwere Viruserkrankungen auch dank einer Beatmung überlebten. Möglicherweise könne die Beatmung sogar Lungenverletzungen verschlimmern.

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) warnte am Dienstag in der Landespressekonferenz dagegen vor "Fehlschlüssen". Nach Abendblatt-Informationen waren die Kritik an den Beatmungen auch in der "Task Force" der Stadt Thema, es gebe jedoch keinen Grund zur Sorge.

Das UKE teilte auf Anfrage des Abendblattes mit, dass die Beatmung auch bei Coronapatienten eine lebensrettende Maßnahme sei und es in Hamburg bislang keine anderslautenden Erfahrungen gebe.

Bürgermeister Tschentscher zu Immunität und Antikörpertests

Sylvie Meis feiert in Coronazeiten Geburtstag

Ein große Party kann die Wahl-Hamburgerin Sylvie Meis nicht schmeißen. Aber das hält sie nicht davon ab, trotzdem Geburtstag zu feiern. Auf Instagram postete sie ein Bild, auf dem sie auf ihrem Balkon steht – mit einem Strauß Luftballons in der Hand. Dazu schrieb sie: "Celebrating my birthday during these strange & challenging times made me realise we must be so grateful for so many things we normally take for granted."

Corona: Tschentscher spricht über Lockerungen

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) will am Mittwoch mit den anderen Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel über Lockerungen beraten. „Wir wollen uns im Geleitzug der Überlegungen bewegen, die es bundesweit gibt, auch wenn regionale Besonderheiten möglich sind – vielleicht auch in Hamburg“, sagte er in der Landespressekonferenz am Dienstag.

Zum Exit-Strategiepapier des grünen Koalitionspartners sagte er: „Wir sind uns in vielen Punkten sehr einig; es gibt andere, die wir noch mal erörtern müssen“, so Tschentscher. „Klar ist: Wir stellen das Leben und die Gesundheit der Bürger als übergeordnetes Ziel in den Mittelpunkt – an dieser Strategie gibt es keinen Zweifel.“ Er setze auf die Expertise des RKI und anderer Experten.

Coronavirus – die Fotos zur Krise:

Einig sei man sich im Senat, dass es bedeutsam sei, die schulischen und Kita-Angebote so bald wie möglich wieder aufzunehmen, ohne eine neue Dynamik des Infektionsgeschehens zu riskieren. „Wir werden den für Hamburg passenden Weg wählen“, so Tschentscher. Die Hansestadt sei mit einer sehr hohen Inanspruchnahme der Kita-Betreuung in einer anderen Lage als manche Flächenländer.

Wenn es Lockerungen für Geschäfte gebe und die Schulen schrittweise wieder öffneten, seien die Eltern als Arbeitnehmer und Lehrer auf mehr Kindertagesbetreuung angewiesen. „Wir werden darauf achten, dass wir ein in sich schlüssiges Exit-Konzept vorlegen, in dem alle Aspekte und ihre Folgewirkungen mitbedacht sind“, sagte Tschentscher. „Es kann sein, dass wir Lockerungen in dem einen oder anderen Punkt anders ausgestalten als andere Bundesländer.“

Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde:

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum und halten Sie Abstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch ode