Pinneberg
Kreis Pinneberg

So will das Hetlinger Klärwerk bald klimaneutral arbeiten

Eine Mitarbeiterin des AZV nimmt eine Wasserprobe aus einem der Klärbecken in Hetlingen.

Eine Mitarbeiterin des AZV nimmt eine Wasserprobe aus einem der Klärbecken in Hetlingen.

Foto: azv Südholstein

In der Anlage wird pro Jahr das Wasser aus umgerechnet 200 Millionen Badewannen gereinigt. Da ist Umweltschutz wichtig.

Hetlingen.  Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen – kaum etwas sonst ist zurzeit so wichtig. Das Wasser strömt aus den Hähnen. Im Kreis Pinneberg wird es aus unterschiedlichen Brunnen gefördert, am Ende aber fließt jeder einzelne Milliliter nach Hetlingen. Ins größte Klärwerk Schleswig-Holsteins. Doch wer glaubt, dass sich dort ein Mehr an Hände-Waschwasser bemerkbar macht, der irrt. Zu groß ist das Abwasseraufkommen, als dass jetzt ein signifikanter Anstieg messbar wäre. „Starke Regenfälle sind schon eher spürbar“, sagt eine Sprecherin auf Anfrage.

Rund 32 Millionen Kubikmeter Abwasser pro Jahr werden nach einer mehrstufigen Behandlung kurz hinterm Deich gereinigt, um dann in die Elbe und damit in den Wasserkreislauf zurückgeführt zu werden. Diese Menge entspricht ungefähr dem Inhalt von mehr als 200 Millionen randvoll gefüllten Badewannen. Eine große Ressource.

Die Hetlingen wollen damit langfristig CO2-neutral arbeiten können. Das hat die Leitung anlässlich des Weltwassertags herausgestellt, der am vergangenen Sonntag war. Motto in diesem Jahr: „Wasser und Klimaschutz“. Das berührt zwei zentrale Themen des Abwasser-Zweckverbands Südholstein, der Betreiber des Klärwerks ist: die hochwertige Abwasserreinigung und die möglichst umweltfreundliche Erfüllung der Aufgaben. Klärgas aus eigener Produktion sowie energieeffiziente Technik spielen dabei eine Schlüsselrolle.

Der von den Vereinten Nationen initiierte Aktionstag soll auf die Bedeutung des Wassers als Grundlage allen Lebens aufmerksam machen.

„Das Motto des Weltwassertags hat sehr viel mit unserer Arbeit zu tun“, sagt auch Christine Mesek, Vorsteherin des Hetlinger Abwasser-Zweckverbands Südholstein. „Wir arbeiten jeden Tag rund um die Uhr für den Schutz der Ressource Wasser und setzen gleichzeitig an vielen Stellen an, um das möglichst ökologisch und klimaschonend zu tun.“ Der Verband hat den Ehrgeiz, den Strom- und Wärmebedarf umfassend aus selbst produzierter, regenerativer Energie zu decken. Die rund 50.000 Tonnen Klärschlamm, die jedes Jahr in Hetlingen anfallen, spielen dabei eine besondere Rolle. Oft als Abfallprodukt unterschätzt, ist Klärschlamm in Wahrheit ein ausgezeichneter Energieträger, weil bei der Schlammfaulung Klärgas entsteht. Dieses Gas wird beim AZV in vier jeweils 7000 Kubikmeter fassenden Faulbehältern erzeugt und betreibt als Hauptbrennstoff das betriebseigene Blockheizkraftwerk, das Strom und Wärme produziert. Über eine thermische Nachnutzung verwendet der Verband zudem überschüssige Restwärme für die Gebäudeheizungen auf dem Hetlinger Werksgelände.

Zusätzlich tragen zwei Photovoltaikanlagen zur ressourcenschonenden und klimafreundlichen Stromproduktion bei. Der Erfolg der Bemühungen: Der Anteil der Eigenversorgung liegt bereits bei rund 90 Prozent.

Ein Beitrag, damit die Elbe sauberer wird

Perspektivisch soll die Energieversorgung des Klärwerks Hetlingen und der wichtigsten Anlagen im Kanalnetz mithilfe regenerativer Energien sogar vollständig CO2-neutral werden. Ein weiterer großer Baustein auf dem Weg zu diesem Ziel ist die umfassende Modernisierung und Umstrukturierung der mechanischen Reinigungsstufe. Von der aufwendigen Maßnahme erwartet der Verband insbesondere die Einsparung von circa 2000 MWh Strom jährlich und die Reduzierung von mehr als 950 Tonnen CO-Emissionen pro Jahr. Aufgrund der verbesserten Reinigungsleistung wird die Modernisierung auch eine weitere Entlastung der Elbe zur Folge haben. Christine Mesek: „Die erfolgreiche Arbeit zur Senkung des gesamten Stromverbrauchs und zur weiteren Steigerung des Eigenversorgungsanteils werden wir fortsetzen und ausbauen.“