Kreis Pinneberg

Wedels Alter Schwede soll einen Namen bekommen

Museumsdirektor Holger Junker (l.) zeigt Sven Kamin und Sarah Kaminski von der Stadtverwaltung Xenolithen auf dem Stein.

Museumsdirektor Holger Junker (l.) zeigt Sven Kamin und Sarah Kaminski von der Stadtverwaltung Xenolithen auf dem Stein.

Foto: Joana Ekrutt

Die Stadt ruft zum Wettbewerb auf. Bis zum 20. März sind Ideen gefragt. 60-Tonnen-Stein ist schon Touristenattraktion.

Wedel. Wie soll er bloß heißen? Die Stadt Wedel sucht einen Namen für ihr neues Naturdenkmal: den Großfindling am Schulauer Strand, der vergangene Woche mit einem Schwimmkran an Land gebracht wurde. Am Freitag hat die Stadt offiziell dazu aufgerufen, sich an der Namensfindung zu beteiligen. „Wir wollen etwas Passendes für unseren Neuankömmling finden“, sagt Stadtsprecher Sven Kamin.

Der Stein gehöre zwar dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Hamburg, doch das habe ihn der Stadt Wedel als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. „Eigentlich vergibt ja der Eigentümer den Namen“, sagt Kamin. „Aber wir haben uns dahingehend abgestimmt, dass der Name in Wedel gesucht wird.“

Auch Nicht-Wedeler dürfen mitmachen

Jeder kann sich an der Namenssuche beteiligen und einen Vorschlag einreichen – auch Nicht-Wedeler. „Es war uns wichtig, dass sowohl analog als auch digital abgestimmt werden kann“, sagt Sarah Kaminski, Referentin des Bürgermeisters.

Wer Lust hat, kann Vorschläge bis zum 20. März per E-Mail oder Post schriftlich einsenden oder in eine Sammelbox im Rathaus einwerfen (siehe Kasten). Die Einreichung erfolgt anonym, persönliche Daten werden nicht gespeichert.

Spontane Namenssuche in sozialen Medien

Viele Menschen lockte der Stein, der vermutlich im Zuge der vorletzten Eiszeit nach Norddeutschland gekommen war, bereits an den Strandabschnitt östlich des Willkomm Höfts. „Kurz nachdem der Findling da war, fing in den sozialen Netzwerken eine spontane Namenssuche an“, sagt Stadtsprecher Kamin. „Deshalb freuen wir uns, jetzt offiziell zu starten.“ Wie die Entscheidung nach Ablauf der Einreichfrist getroffen wird, stehe noch nicht fest. „Dann gucken wir mal, was ein guter Weg ist, um einen Namen zu destillieren.“

Aus welchem skandinavischen Land sich der Koloss einst auf die Reise gemacht hat, könne auch bereits genauer eingegrenzt werden. An mehreren Stellen weist der Findling nämlich schwarze Flecken auf. „Er hat Pickel“, scherzt Kamin. Doch bei den Flecken handelt es sich laut Holger Junker, Steinzeitexperte und Leiter des Wedeler Stadtmuseums, um sogenannte Xenolithen, Einlagerungen in der Gesteinsschicht.

Diese bilden sich bei der Entstehung des Steins. „Es handelt sich um einen eruptiven Stein, der bei einer vulkanischen Tätigkeit an die Oberfläche drängt“, erklärt Junker. Auf dem Weg nach oben passiere er andere Gesteinsschichten, von denen sich Teilablagerungen bilden können.

Findling soll nicht angemalt werden

Da sich Junker auch die Steine im Findlingsgarten an der Schulauer Straße genauer angesehen und auf einem der Steine ähnliche Flecken entdeckt hat, kommt er zu folgendem Schluss: „Es deutet darauf hin, dass sie aus der gleichen Region stammen.“

Für die Steine im Findlingsgarten liegt eine genaue Analyse durch den Mineralogie-Professor Roland Vinx von der Universität Hamburg aus dem Jahr 2007 vor. Der zufolge stammen die dortigen Steine mit großer Wahrscheinlichkeit aus Ostschweden. Junker geht in seiner Vermutung noch einen Schritt weiter: „Ich tippe auf Småland.“ Dort sei Granit hauptsächlich vorgekommen.

Dass Wedels neues Wahrzeichen für Gesprächsstoff sorgt, ist auch vor Ort zu merken. „Man kommt rund um den Stein mit Leuten ins Gespräch“, sagt Sven Kamin. Wie zum Beweis ruft eine Fußgängerin im Vorbeigehen: „Er soll auf jeden Fall so bleiben und nicht angemalt werden.“ Eine Anspielung auf die „goldene Verschönerungsaktion“ des großen Bruders in Övelgönne durch Unbekannte im vergangenen Jahr.

Neuer Name wird auch auf Landkarten vermerkt

Die Namensfindung für den Neuankömmling in Wedel soll wie beim Alten Schweden in Hamburg auch dazu dienen, ihn im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern, so Kamin. Auf Landkarten soll er unter dem neuen Namen ebenfalls eingetragen werden. Bei Google Maps ist er zurzeit als „Alter Schwede Wedel“ gelistet. Da geht noch mehr. Form, Farbe, Standort, Fundort oder etwas ganz anderes – der Kreativität seien keine Grenzen gesetzt, betont Kamin.

u gewinnen gibt es bei der offiziellen Namenssuche nichts. „Das hatten wir im Kopf, aber es ist ja nicht so wichtig, wer am Ende die zündende Idee hatte.“ Zudem hätten datenschutzrechtliche Richtlinien ein Gewinnspiel erschwert. In Stein gemeißelt muss jedoch auch der neue Name nicht sein. „Wenn sich im Volksmund ein anderer Name als der Gewählte etabliert, freut uns das auch“, so Kamin. Jetzt hoffe man im Rathaus jedoch „auf viele tolle Einreichungen“.

So können Sie mitmachen

Namensvorschläge können bis zum 20. März wie folgt eingereicht werden: per E-Mail an buergerbeteiligung@stadt.wedel.de; Briefe und Postkarten können unter dem Stichwort „Findling“ an die Stadt Wedel gerichtet werden. Die Adresse lautet: Rathausplatz 3– 5, 22880 Wedel;

In eine Sammelbox an der Rathausinfo können ebenfalls Vorschläge eingeworfen werden. Das Rathaus ist von Montag bis Mittwoch sowie freitags von 8.30 bis 13 Uhr und am Donnerstag von 15 bis 19 Uhr geöffnet.

Persönliche Daten der einreichenden Personen werden nicht gesammelt.