Pinneberg
Kreis Pinneberg

Wird aus Wedeler Klinik ein Therapiezentrum?

Erklärten die Schließungspläne: Andreas Kleenlof (v. l.), Thomas Klahn, Nicole Molzen, Gundolf Thurm und Politiker Julian Fresch.

Erklärten die Schließungspläne: Andreas Kleenlof (v. l.), Thomas Klahn, Nicole Molzen, Gundolf Thurm und Politiker Julian Fresch.

Foto: Burkhard Fuchs

Leitung der Regio Kliniken informierte Bürger aus erster Hand über die Schließung des Krankenhauses. Die äußerten schon Ideen.

Wedel.  Eine gefasste, aber auch etwas resignierte Stimmung herrschte am Freitagnachmittag im Foyer des Klinikums Wedel. Die Geschäftsführung der Regio Kliniken hatte die Öffentlichkeit eingeladen, um aus erster Hand zu erklären, warum das Krankenhaus wird und die Abteilungen Geriatrie, Pneumologie und Palliativmedizin nach Pinneberg und Elmshorn verlagert werden. 40 Bürger und Politiker waren gekommen, um sich das anzuhören.

Darunter der Rentner Herbert Offermanns aus Wedel, der hier als Patient behandelt wurde, wie er sagte. „Wedel ist jetzt in der Steinzeit angekommen“, sagte er leicht sarkastisch. In der Elbe werde ein 60 Tonnen schwerer Findling entdeckt, und die Klinik mache bald zu. Das sei sehr traurig. Ähnlich enttäuscht äußerte sich Marina Schacht aus Wedel, die im Krankenhaus Wedel geboren wurde und als Krankenschwester gearbeitet hat. „Wo sollen die Leute aus den Dörfern jetzt hinfahren?“, fragte sie in die Runde. Es sei „ein Unding“, dass es hier seit Ende 2018 keine Notaufnahme und bald auch kein Krankenhaus mehr gebe.

„Wirtschaftlich notwendig und medizinisch sinnvoll“

Doch das Klagen helfe nichts, versuchte Regio-Geschäftsführer Gundolf Thurm zu beruhigen. „Die Konzentration auf zwei Krankenhaus-Standorte ist wirtschaftlich notwendig und medizinisch sinnvoll.“ Die medizinische Versorgung im Kreis Pinneberg würde darunter keinesfalls leiden. Im Gegenteil. Die Bildung von medizinischen Zentren in Pinneberg und Elmshorn werde die Behandlung der Patienten sogar verbessern. So sei die Sterblichkeitsrate bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Dänemark nur noch halb so hoch wie hierzulande, weil das Nachbarland die gesamte Krankenhausstruktur auf noch 20 Kliniken im ganzen Land konzentriere.

Im Übrigen habe die Wedeler Klinik die Notaufnahme aufgrund gesetzlicher Vorgaben schließen müssen, weil keine chirurgische Abteilung mehr vorhanden war, erklärte der Regio-Chef. Der Gesetzgeber würde systematisch die größeren Häuser stärken und kleinere schwächen. Eine aktuelle Studie besage, dass bald nur noch die Hälfte der zurzeit 1400 Krankenhäuser im Land bestehen bleibe.

Kommt jetzt der Shuttle-Service zu den anderen Standorten?

Katrin Schuster aus Wedel plädierte dafür, einen Shuttle-Service für ältere Angehörige von Wedel zu den beiden anderen Kliniken anzubieten. Eine Idee, die Thurm der Kreispolitik vorschlagen will, wenn diese am 26. Februar über die Zustimmung zur Schließung berät, die sich der Kreis 2009 beim Verkauf der Regio-Anteile bis 2029 ausbedungen hatte.

Wedels Sozialausschussvorsitzender Julian Fresch (CDU) wollte hören, was die Klinikleitung zur künftigen Nutzung der Immobilie sage. „Über den Bebauungsplan haben wir da ein Mitspracherecht.“ Doch Thurm sagte, dazu sei es noch zu früh. „Wir haben viele Anfragen von Immobilienmaklern.“ Es gehe Sana/Regio aber nicht darum, einen maximalen Preis herauszuschlagen, sondern ein tragfähiges Konzept mit Stadt- und Kreispolitik zu erarbeiten. Auch dazu hatte Katrin Schuster einen Vorschlag. Das Wedeler Krankenhaus könnte zu einem Therapiezentrum umfunktioniert werden.