Pinneberg
Kreis Pinneberg

Klinik Wedel wird geschlossen – Betriebsrat nicht überrascht

Die Wedeler Klinik aus der Luft fotografiert.

Die Wedeler Klinik aus der Luft fotografiert.

Foto: HA / Regio Klinik

Nur der Zeitpunkt sei früher als gedacht, sagt die Betriebsratsvorsitzende. Warum sie mit Übernahme fast aller Mitarbeiter rechnet.

Wedel.  Die Arbeitnehmervertretung der Regio Kliniken überrascht die geplante Schließung des Krankenhauses Wedel nicht. Nur der Zeitpunkt sei etwas früh, sagt Betriebsratsvorsitzende Herta Laages. „Das habe ich erwartet, aber nicht gleich Anfang 2020, sondern in den nächsten zwei Jahren“, sagt die langjährige Mitarbeiterin, die alle Klinikschließungen im Kreis Pinneberg nah miterlebt hat: Barmstedt 1983, Uetersen 2005 und jetzt Wedel.

Die damals betroffenen 50 und 180 Mitarbeiter konnten seinerzeit weitgehend auf die vier beziehungsweise drei anderen Standorte verteilt werden. Das erwarte der Betriebsrat auch nun wieder, erklärt Laages. Sie gehe davon aus, dass so gut wie allen, also etwa „90 bis 95 Prozent“, der 207 betroffenen Beschäftigten in Wedel ein Übernahmeangebot für die Kliniken in Elmshorn und Pinneberg gemacht wird. „Wir haben Fachkräftemangel. Wir brauchen die Kollegen dringend. Sie müssen hier bleiben.“

Ein Großteil habe sich dazu schon erklärt. Für viele sei der Umzug auch nicht unbedingt mit längeren Fahrtzeiten zum Arbeitsplatz verbunden, da sie in anderen Orten des Kreises lebten, so Laages. Die Kollegen aus der Geriatrie kehrten nun wieder nach Elmshorn zurück, von wo aus sie vor einigen Jahren nach Wedel versetzt worden waren.

Für die „hoffentlich wenigen“ Kollegen, die nicht übernommen werden – die Geschäftsleitung spricht von etwa 20 Mitarbeitern – werde der Betriebsrat einen guten Sozialplan aushandeln, verspricht Herta Laages. Eine Transfergesellschaft wie 2015, als 140 Arbeitsplätze in den Service-Gesellschaften der Regio Kliniken abgebaut worden sind, sei dieses Mal nicht nötig.

„Natürlich sind die Kollegen in Wedel erst einmal erschüttert und traurig über das Aus der Klinik“, sagt Laages. Viele seien seit Jahrzehnten „mit Herzblut dabei“. Aber dass sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen für kleinere Krankenhäuser im Land dramatisch verschärft hätten, habe jeder Mitarbeiter direkt erfahren.

Darum überraschte die Entscheidung der Klinikleitung kaum jemanden. So sei die Schließung der Zentralen Notaufnahme Ende 2018 der letzte Mosaikstein gewesen, der den Weiterbetrieb endgültig unwirtschaftlich machte. Ein Argument, das auch die Klinikleitung als Hauptgrund für das jetzige Aus nannte.

Ohnehin war seit fast einem Jahr die Verlagerung der Pneumologie-Abteilung mit 70 Mitarbeitern aus Wedel nach Elmshorn geplant, wo ein neues großes Lungenzentrum mit den Fachabteilungen aus Pinneberg gebildet werden soll. Dazu habe es hausintern ein Dutzend Teilprojekte, Schulungen und Hospitationen gegeben, die diesen Umzug bis Mai dieses Jahres vorbereiten sollten.

Nun kämen noch die beiden anderen Abteilungen Geriatrie und Palliativmedizin hinzu. „Das sind die Folgen einer Gesetzgebung, die eine Schwerpunktbildung und Mindestbesetzung an Pflegekräften fördert“, sagt Laages. Sie appelliert an die Politiker in Land und Bund, auch die Nachsorge der stationären Behandlung im Auge zu behalten. „Wir brauchen dann auch mehr Kurzzeitpflegeplätze. Die sind dringend notwendig“, sagt Laages, die mit den Kreistagsfraktionen von SPD, Grünen und Die Linke über das Aus von Wedel gesprochen hat.

Die Kreispolitik muss der Schließung zustimmen, da die Sana AG beim Kauf der Mehrheitsanteile 2009 eine Bestandsgarantie bis 2029 für alle Standorte zusicherte. Heike Beukelmann, deren Hauptausschuss am 26. Februar entscheiden wird, erwartet keinen politischen Streit darüber. „Jetzt müssen die beiden anderen Standorte gestärkt werden und erhalten bleiben.“