Pinneberg
Wichtige Entscheidung

Stadtwerke-Chef Sven Hanson: Politik ist am Zug

Sven Hanson ist seit 2016 Stadtwerke-Chef in Pinneberg.

Sven Hanson ist seit 2016 Stadtwerke-Chef in Pinneberg.

Foto: HA

Bekommt Sven Hanson einen neuen Vertrag oder muss er gehen? Heute entscheidet Pinnebergs Hauptausschuss über seine Zukunft.

Pinneberg.  Wird der heutige Mittwoch zum Schicksalstag für den Stadtwerke-Chef Sven Hanson? Oder beschließt die Politik, die Entscheidung über die anstehende Vertragsverlängerung um zwei Wochen zu verschieben, damit noch zusätzliche Personen zu den jüngst bekannt gewordenen Konflikten befragt werden können? Darüber wird es im Hauptausschuss am heutigen Mittwoch voraussichtlich längere Diskussionen geben, denn die Meinungen sind geteilt. Einiges spricht dafür, dass die Entscheidung verschoben wird.

Manche betrachten den Wirbel um die eklatanten Konflikten zwischen dem Geschäftsführer der Stadtwerke Pinneberg und deren Betriebsrat (wir berichteten) als Schlammschlacht. Weil es aber um ein sehr wichtiges Amt geht, machen es sich alle Pinneberger Politiker, die darüber entscheiden müssen, nicht leicht. Sie haben Geschäftsberichte und andere Unterlagen studiert und hinter den Kulissen viele Gespräche geführt, um sich ein eigenes Bild zu machen.

Aussprache wird in nichtöffentlicher Sitzung geführt

Die Aussprache im Ausschuss wird in nichtöffentlicher Sitzung geführt, was daran liegt, dass es sich um eine Personalie handelt. Das ist immer so, unabhängig von der Person, um die es geht. Aus diesem Grund sind die Politiker im Gespräch mit dem Abendblatt zurückhaltend, dennoch sind deutliche Tendenzen vernehmbar. Nach Abendblatt-Informationen steht in einer Vorlage die Empfehlung der Verwaltung, den Vertrag mit Sven Hanson nicht zu verlängern. Demgegenüber kam der Aufsichtsrat mit vier gegen drei Stimmen zu dem Ergebnis, dem Hauptausschuss zu empfehlen, für eine Verlängerung zu stimmen.

Der Ausschussvorsitzende Joachim Dreher (Grüne/Unabhängige) sagt, der Hauptausschuss entscheide unabhängig von Empfehlungen, ebenso wie die Ratsversammlung dies möglicherweise am 23. Januar tun wird. Dreher hatte sich in der Ratsversammlung am 19. Dezember bei der Abstimmung über die Entlastung des Aufsichtsrates enthalten, weil er meint, dass die Ausschussmitglieder, die über den städtischen Haushalt entscheiden müssen, generell nicht ausreichend über die Stadtwerke informiert werden. Das will er ändern, denn die Gemeindeordnung schreibt eine vierteljährliche Berichtspflicht durch die Verwaltung vor. Außerdem sagt er, dass zurzeit juristisch geprüft werde, „inwiefern die Bürgermeisterin als stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende im Hauptausschuss weitere Bewertungen und Kommentierungen äußern darf“, so Dreher. Auch Urte Steinberg will nämlich heute Stellung beziehen.

Die Grünen/Unabhängigen wollen Entscheidung vertagen

„Wir werden im Hauptausschuss versuchen, die Tagesordnung so zu ändern, dass Herr Hanson über die Stadtwerke berichten kann“, sagt Dreher über das Ergebnis seiner Fraktionssitzung. Die Grünen/Unabhängigen wollen die Gesamtentscheidung in die Ratsversammlung am 23. Januar vertagen. Überdies sind alle Aufsichtsratsmitglieder zur Ausschusssitzung geladen.

Ganz konkret wird Uwe Lange, Fraktionsvorsitzender der Bürgernahen: „Wir werden gegen eine Verlängerung des Vertrages stimmen. Weil wir nicht glauben, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern für die nächsten fünf Jahre gegeben ist.“ Die Zahl der Abgänge aus dem Unternehmen spreche Bände, „neue zu finden ist nicht einfach“, sagt Lange. Und: „Vielleicht war es unser Fehler, dass wir damals bei der Entscheidung für Hanson nicht genug nachgehakt und uns nicht auf Norderney erkundigt haben.“

Völlig anders sieht das Angela Traboldt, Fraktionsvorsitzende der SPD: „Wir Politiker haben ein Interesse daran, dass die Stadtwerke zukunftsfähig aufgestellt werden und wieder in ruhigeres Fahrwasser geraten“, sagt sie. „Fachlich, wirtschaftlich und sachlich ist Herr Hanson der richtige Mann. Aber sicherlich gibt es Nachholbedarf, was die Führung angeht.“ Um die verfahrene Situation zwischen dem Betriebsratsvorsitzenden der Stadtwerke und deren Geschäftsführer zu heilen, müsse professionelle Hilfe in Form von Mediatoren oder Coaches her. Seit neun Jahren ist Angela Traboldt Personalrätin im Bezirksamt Altona. Sie kennt solche Konflikte aus erster Hand: „Man muss miteinander reden, und dann muss man Kompromisse eingehen.“

Ruf der Stadtwerke sei laut FDP so oder so beschädigt

Auch innerhalb der Pinneberger CDU hat es am Montag auf der Fraktionssitzung längere Diskussionen gegeben. „Wir haben uns noch nicht komplett festgelegt“, sagt deren Vorsitzender Florian Kirsch. „Fachlich und wirtschaftlich läuft es gut. Aber zu ändern, dass einige Mitarbeiter unzufrieden sind, ist auf Dauer wichtig. Darüber müssen wir mehr wissen“, so Kirsch.

Wie die Grünen/Unabhängigen ist sich auch seine Fraktion einig darüber, dass zu wenig Informationen vorliegen: „Auf der Grundlage der bisherigen Informationen können wir das nur schwer entscheiden“, sagt Kirsch.

Auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Werner Mende kennt die Linie seiner Partei: „Der Ruf der Stadtwerke ist so oder so beschädigt, es gibt einen persönlichen Imageverlust. Das ist eine schlimme Sache. Ich weiß nicht, wie die Stadtwerke so weiter geleitet werden und wie Gespräche auf Augenhöhe stattfinden sollen. Das ist schade, und es ist schwierig, da gemeinsam wieder herauszukommen.“ Auch Mende meint, die Stadtwerke seien „wirtschaftlich auf einem guten Weg und sollten auf dieser Linie weitermachen.“ Allerdings sieht er seine Rolle als Ratsherr etwas anders: „Information ist auch eine Holschuld“, sagt der früherer BP-Geschäftsführer, „wenn eine Abstimmung ansteht, gehe ich auf die Leute zu.“ Die Transparenz sei über die Geschäftsberichte vorhanden, es sei aber schwierig, diese zu durchblicken.

Weitere Infos zum Hauptausschuss:

Der Hauptausschuss hat 27 Mitglieder. Er koordiniert die Arbeit anderer Ausschüsse und kontrolliert die Umsetzung der Ziele und Grundsätze durch die Verwaltung, die die Ratsversammlung festgelegt hat. Es geht darum, Grundsätze für das Personalwesen vorzubereiten, die die Ratsversammlung beschließt, das Berichtswesen zu entwickeln, dafür zu sorgen, dass die Ausschüsse einheitlich arbeiten, und die Entscheidungen zu fällen, die die Ratsversammlung dem Hauptausschuss zugedacht hat.