Pinneberg
Kreis Pinneberg

Beim Neujahrsempfang blicken Politiker auf 2020

Vom Sparen, dem Fahrradparkhaus und einer neuen Mobilitätsstrategie. Was steht im neuen Jahr wirklich an?

Pinneberg.  The same procedure as every year: Und doch war der gut besuchte 37. Neujahrsempfang im Pinneberger Rathaus mit seinem Motto „Älter werden in Pinneberg“ wieder ein bisschen anders.

Obwohl Bürgermeisterin Urte Steinberg Verstärkung durch die Bewilligung der Stelle für ihren neuen Ersten Stadtrat Stefan Bohlen bekommen hat, blieben sie und Bürgervorsteherin Natalina di Racca-Boenigk die einzigen Rednerinnen bei diesem wichtigen gesellschaftlichen Ereignis. Das üppig-exotische Büfett von Edeka Meyer half, um angeregte Gespräche unter den Gästen in Gang zu bringen.

In Planung: Fahrradparkhaus, Westumgehung und Schulbaumaßnahmen

Bürgervorsteherin di Racca-Boenigk verglich in ihrer ebenso launigen wie humorvollen Rede die Stadt Pinneberg mit einem Tante-Emma-Laden: Kitas zählte sie zum Obst, Schulen zu den Hülsenfrüchten, Firmen und Unternehmen sortierte sie an der Frischetheke ein, und die 2019 fertiggestellte Westumgehung nannte sie „die Sonderedition Pinneberger Altburgunder Westi“ – wegen der langen Planungs- und Bauphase der Straße von mehreren Jahrzehnten.

Da der häufigste Grund für die Nichtrealisierung von Projekten der Geldmangel ist, fasste sie die Finanzmisere, die das Ladensortiment leider sehr einschränke, so zusammen: „Natürlich kann das nicht so bleiben, aber unser Laden ist klein, und es fehlt an Platz, äh… Geld.“ Dennoch komme wegen der hohen Nachfrage der Radlersirup neu ins Angebot, noch eine Analogie, denn damit war das geplante Fahrradparkhaus am Bahnhof gemeint, das nun wohl doch gebaut werden solle.

Mit gewohntem Optimismus hatte Bürgermeisterin Urte Steinberg den Empfang eröffnet. Sie erinnerte an die gelungene Eröffnung der Westumgehung und verwies auf die Schulbaumaßnahmen 2020. Das Motto „Älter werden in Pinneberg“ nutzte sie, um mit Witz die eigenen Fähigkeiten zu bekräftigen: „Ich bin längst kein heuriger Hase mehr und verfüge über jede Menge Erfahrung“.

Edeka-Senior erhält Förderpreis für Sponsorings

Bert Meyer, der Senior der Familie, die in Pinneberg seit 40 Jahren Edeka-Märkte betreibt, bekam für das stetige, umfangreiche Sponsoring seiner Firma zugunsten ehrenamtlicher Institutionen den Förderpreis der Stadt Pinneberg.

13 interessante Stände informierten im Foyer über Angebote für ältere Menschen. Wer weiß schon, dass die Stadtbücherei viel Fachliteratur anbietet, vom Wegweiser Wohnen im Alter, über Ratgeber für Menschen mit betagten Eltern bis zu Spielen für Demenzkranke? Der neu gewählte Seniorenbeirat hatte eine frisch entwickelte Notfallmappe ausgelegt und sucht noch Spender für die Finanzierung von Notfalldosen für Senioren.

Schulter an Schulter präsentierten sich der kriminalpräventive Rat, der Sicherheitsberater für Ältere, Thomas Hagenow, und der Weisse Ring, die bei der Aufklärung zum Beispiel über den Enkeltrick Hand in Hand arbeiten beziehungsweise Opfern helfen.

Stadtpräsident kündigt Sparkonzept an

Neues Jahr, neuer Haushalt? Beim Wedeler Neujahrsempfang kommen sowohl Stadtpräsident Michael Schernikau als auch Bürgermeister Niels Schmidt in ihren Neujahrsansprachen nicht darum herum, den nicht beschlossenen Haushalt der Stadt zu thematisieren.

Ungeachtet der Notwendigkeit, ein Sparkonzept zu entwickeln, hätten die Wedeler einen Anspruch darauf, „dass der Rat zeitnah einen Haushalt verabschiedet“, sagt Schmidt und appelliert dennoch, optimistisch in die Zukunft zu blicken: „Dann wird es ein gutes Jahr.“

Ursula Kissig erhält Wedels vierte Ehrenbürgerwürde

Im Mittelpunkt des Neujahrsempfangs stand die posthume Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Ursula Kissig, die ihr Sohn Michael Kissig stellvertretend entgegennahm. Erst viermal wurde diese Ehrung zuvor verliehen. Kissig, die über 40 Jahre lang im Deutschen Roten Kreuz in Wedel gewirkt hat, betreute und integrierte in den 80er-Jahren die vietnamesischen „Boatpeople“. Für ihr Engagement wurde ihr 1988 bereits das Bundesverdienstkreuz verliehen. Kissig gründete zudem die Initiative „Menschen helfen Menschen“, die bedürftigen Menschen eine ärztliche Versorgung ermöglicht, und war Impulsgeberin für den Bau von behindertengerechten Wohnungen.

Mit Tamara Madani und Bärbel Porschek erhielten zudem zwei Wedelerinnen die Ehrennadel der Stadt. Madani, die vor 25 Jahren aus dem Iran nach Deutschland kam, dolmetscht unter anderem für die Polizei und ist ehrenamtlich in der Volkshochschule tätig. Porschek wurde unter anderem für ihr Engagement im Sozialverband Deutschland ausgezeichnet

Uetersen in Feierlaune: 150 Jahre Stadtrecht und Fair-Trade-Town

Zum Neujahrsempfang der Stadt Uetersen konnten Bürgermeisterin Andrea Hansen und Bürgervorsteher Adolf Bergmann wieder einige Hundert Besucher in der Schulmensa an der Bleekerstraße begrüßen. 150 Jahre Stadtrechte gelte es in diesem Jahr in der Rosenstadt zu feiern, sagte Hansen und freute sich darüber, dass die Politik Uetersen zu einer Stadt des fairen Handels (Fair-Trade-Town) erklären lassen möchte. Dafür würden bienenfreundliche Blühstreifen angepflanzt, Kettensägen mit Elektromotor und kompostierbare Hundebeutel angeschafft.

Auch die alte Bahnstrecke nach Tornesch soll 2020 wieder reaktiviert werden, kündigte Hansen in ihrem letzten vollen Jahr als Bürgermeisterin an, da sie bereits erklärt hatte, bei der Wahl in diesem Jahr nicht wieder anzutreten. Eine Bilanz wolle sie dann bei ihrem letzten Empfang 2021 ziehen, sagte Hansen und appellierte an ihre Bürger, sich keine „Weltuntergangsstimmung einreden zu lassen. Wir leben hier in einer der reichsten Regionen der Welt. Wir haben Frieden, Demokratie und auch einen Sozialstaat, der Sicherheit schafft.“

Bergmann plädierte für mehr „Gemeinsamkeit in der kommunalen Familie“ und mehr Gelassenheit in Politik und Bürgerschaft. Zwar dauere vieles in der Stadtplanung oft sehr lange, wie Bauvorhaben am Stichhafen und der Parkpalette oder der Bau der K 22. Jeder könne sich mit eigenen Ideen einbringen. 400-mal am Tag lachten Kinder, nur noch 15-mal am Tag Erwachsene. Bergmann: „Politiker haben nichts mehr zu lachen.“

Bürgermeister fordert neue Mobilitätsstrategie für den Kreis

An die 200 Gäste konnte Elmshorns SPD-Vorsitzende Beate Raudies am Sonntag im Industriemuseum begrüßen. Darunter war auch wieder Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje, der vier Monate nach seiner Wiederwahl gelöst und glücklich wirkte.

Die größte Stadt im Kreis Pinneberg, die weiter wachse, müsse endlich die vielen verschiedenen Konzepte zu einem Gesamtplan zusammenführen, forderte Hatje. Und das müsse sich einer neuen Mobilitätsstrategie unterordnen, die den Bus-, Bahn- und Radverkehr systematisch ausbaut. „Das ist für mich der Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit der Stadt“, sagte Hatje. Dazu passe, dass die Bahn AG intensiv am Umbau des Bahnhofes plane.

SPD-Landeschefin fordert in Elmshorn Mut und Courage

SPD-Landesvorsitzende Seril Midyatli verglich die heutige Zeit mit den Umbrüchen der Industrialisierung. Es komme darauf an, dass die Digitalisierung der Arbeitswelt zu mehr Freizeit für die Menschen bei vollem Lohnausgleich führen müsse, wofür die SPD sich an der Seite der Gewerkschaften einsetzen werde wie für einen Mindestlohn von zwölf Euro die Stunde.

Beim Klimaschutz dürfe es nicht so bleiben, das Schleswig-Holstein als „Energiewende-Land Nummer eins“ allein die teureren Strompreise trage, sagte Serpil Midyatli. Und die Gesellschaft sollte „Mut und Courage“ zeigen, und überall laut und entschlossen gegen rechte Populisten und Fremdenhass eintreten, damit Mütter wie sie, die mit ihren Kindern auch Türkisch sprächen, nicht mehr schief angesehen werden.

Gesundheit, Zufriedenheit und Frieden – das sind die großen Wünsche, die Bürgermeisterin Christiane Küchenhof den Gästen beim Schenefelder Neujahrsempfang mit auf den Weg gab. Küchenhof und Bürgervorsteherin Gudrun Bichowski ließen das vergangene Jahr Revue passieren. Bichowski schaute dabei auf die politischen Herausforderungen und appellierte, in der Debatte stets Fairness und Respekt zu bewahren.

Die Höhepunkte: Ehrenpreis und Fotografen-Kür

Während des Empfangs sorgte der Kinderchor der Gorch-Fock-Schule für musikalische Untermalung. Den Höhepunkt bildete aber die Verleihung des Ehrenpreises 2019. Er wurde von der Stadt Schenefeld an Gerhard Manthei für sein ehrenamtliches Engagement im sozialen und kulturellen Bereich verliehen.

Bichowski dankte Manthei für sein Engagement unter anderem beim SPD-Ortsverein und Blau-Weiß 96. In den letzten Jahren habe er mit Projekten wie der Hausaufgabenhilfe in Grundschulen, Anwohnerputztagen, dem Fußballcamp für Jugendliche oder seinen historischen Radtouren durch Schenefeld tiefe Spuren hinterlassen. Zusammen mit der Urkunde wurde ein Preisgeld von 2000 Euro vergeben. Manthei hat für die Verwendung bereits Pläne: „Mit dem Geld werde ich eine Wildblumenwiese in der Nähe des von mir angelegten Bolzplatzes pflanzen“.

Anschließend wurden die Sieger des Fotowettbewerbs gekürt: Uwe Demand (erster Platz), Michael Burmester (zweiter Platz) und Holger Bergmann (dritter Platz) brachten mit ihren Fotos die schönsten Seiten Schenefelds zum Vorschein.

Jugend fordert Kreativität beim Klimaschutz in Barmstedt

Mit einem alkoholfreien Cocktail aus Cranberry- und Apfelsaft begrüßten Geschäftsführer Ingo Waschkau und Vorsitzender Mats Hansen gut 150 Gäste aus Politik, Verwaltung und Verbänden beim Neujahrsempfang des Kreisjugendringes in Barmstedt. „Auch der Strohhalm ist nachhaltig“, beruhigte Hansen. „Er ist aus Bambus.“ Dass Landrat Oliver Stolz an der Spitze, begleitet von seinen wichtigsten Jugendamtsmitarbeitern, und die Fraktionschefs von CDU, SPD und Grünen da seien, zeige die Wertschätzung für den Kreisjugendring, der 61 Verbände mit rund 60.000 Kindern und Jugendlichen vertritt.

Die aktuelle Klimaschutz-Debatte sei am Morgen vor dem Empfang auch Thema des Workshops „Nachhaltigkeit“ gewesen, sagte Hansen. Dabei wurde von den Teilnehmern insbesondere ein kostenloser Nahverkehr gefordert, hieß es an den Informationsständen. Dass es hierbei vorangehe, zeige die enorme mediale Aufmerksamkeit, die die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg mit ihren erst 17 jungen Jahren weltweit erfahre.

Dieses tapfere Eintreten für eine klimafreundlichere Welt, auch mit solchen „verrückten Ideen“ wie dem eines Klimastreiks, sei „eine Haltung, die wir unterstützen sollten“, forderte Hansen und sprach der Jugend Mut zu, kreativ und unbequem beim Klimaschutz zu bleiben. „Wenn junge Leute sich ernsthaft etwas zutrauen, können sie die Welt bewegen.“ Und manchmal führe dies zurück zu Traditionen unserer Großeltern, die noch einen eigenen Hühnerstall hielten und sich so mit regionalen Produkten selbst versorgten.