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Kreis Pinneberg

Prozess: Tornescher trennte seiner Stieftochter den Kopf ab

In diesem Haus ereignete sich die Bluttat.

In diesem Haus ereignete sich die Bluttat.

Foto: Henrik Wendel

Staatsanwaltschaft klagt Mann (55) wegen Mordes an. Er soll sein Opfer im August im Schlaf überrascht haben. Was bis jetzt bekannt ist.

Tornesch.  Mehr als vier Monate nach dem gewaltsamen Tod einer 36 Jahre alten Frau in Tornesch hat die Staatsanwaltschaft Itzehoe Anklage gegen den Stiefvater des Opfers erhoben. Ole P. (55) wird Mord aus Heimtücke zur Last gelegt.

Anklageschrift über massivste Gewaltanwendung

„Wir werfen dem Beschuldigten vor, das Opfer im Schlaf überrascht und durch Schläge, mit einem Messer und durch Würgen zu Tode gebracht zu haben“, sagt Peter Müller-Rakow, Oberstaatsanwalt und Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe.

In der Anklageschrift ist von massivster Gewalt die Rede, die vom Angeklagten angewandt worden sein soll. Er wollte offenbar ganz sichergehen, dass die Frau wirklich zu Tode kommt. Mehrfach soll er demnach mit dem Messer zugestochen, auf das Opfer wie im Rausch eingeprügelt und der Frau die Kehle zugedrückt haben. Auch ein besonders grausliches Detail spart die Anklageschrift nicht aus. „Nach der Tötung der Frau soll der Angeklagte ihr den Kopf abgetrennt haben“, so Oberstaatsanwalt Müller-Rakow weiter.

Rettungskräften und Polizisten bot sich ein schrecklicher Anblick

Für die Polizisten und die Rettungskräfte, die am Morgen des 21. August 2019 zu dem älteren Einfamilienhaus am Neuendeicher Weg gerufen worden waren, muss die Leiche der 36 Jahre alten Nina T. einen schrecklichen Anblick geboten haben. Der Hinweis auf die Tat soll aus der Nachbarschaft gekommen sein.

Ole P. wurde um kurz nach 9 Uhr am Tatort vorläufig festgenommen und zur Befragung in die Räume der Mordkommission gebracht. Anschließend waren stundenlang die Experten der Spurensicherung in ihren weißen Schutzanzügen vor Ort, sie trugen mehrere Kisten mit Beweismaterial aus dem Haus. Später fuhr dann der Leichenwagen vor.

Getötete Stieftochter lebte nur kurz beim Angeklagten

Die Stieftochter lebte erst seit kurz vor der Tat bei dem Witwer, die Mutter der Frau war mehrere Jahre zuvor verstorben. Laut Medienberichten hatten sich die 36-jährige, die Mutter eines elfjährigen Sohnes war, und ihr Lebenspartner zuvor getrennt – Hauptgrund soll die Alkoholsucht der in der Altenpflege tätigen Frau gewesen sein. Der Sohn blieb demnach bei seinem leiblichen Vater.

Nach Abendblatt-Informationen war Ole P., der bei einer Fluggesellschaft gearbeitet haben soll, offenbar mit der gemeinsamen Wohnsituation und dem Alkoholkonsum der Stieftochter überfordert. Ob dies tatsächlich das Motiv für die grausame Tat war, muss später der Prozess vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Itzehoe ergeben.

Der 55-jährige, den die Nachbarn als sehr ruhigen, angenehmen und auch umgänglichen Zeitgenossen beschrieben haben, sitzt seit seiner Festnahme in der JVA in Itzehoe. Gegen ihn war bereits am Tattag ein Haftbefehl wegen Mordes aus Heimtücke erlassen worden. Er soll sich nach Abendblatt-Informationen inzwischen zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen eingelassen haben.

Gutachter soll Schuldfähigkeit des Angeklagten prüfen

Die Staatsanwaltschaft geht nach jetzigem Stand davon aus, dass Ole P. im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte war, als er den jetzt angeklagten Mord beging. Eine Einweisung des 55-Jährigen in eine psychiatrische Klinik stand bisher nicht zur Debatte. Allerdings soll für den späteren Prozess angeregt worden sein, ein psychiatrisches Gutachten über den Angeklagten zu erstellen und auch die Frage der Schuldfähigkeit genauer zu untersuchen.

Im Falle einer psychiatrischen Erkrankung oder einer sehr starken Alkoholbeeinflussung zur Tatzeit könnte eventuell eine verminderte Schuldfähigkeit gegeben sein. Ole P. droht im Falle einer Verurteilung lebenslange Haft. Sollte das Gericht zudem die Schwere der Schuld feststellen, wäre eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen.

Noch gibt es keine Termine für den Prozess. Noch Abendblatt-Informationen soll er jedoch im nächsten Monat beginnen.