Pinneberg
Klimaschutz

Wie Bönningstedts neuer Bürgerwald zum Erfolgsmodell wird

Der erste Bürgerwald mit 600 Pflanzen erfüllt Boris Kohnke von Citizens Forests in Bönningstedt mit Stolz. Außerdem gedeiht der Wald prächtig.

Der erste Bürgerwald mit 600 Pflanzen erfüllt Boris Kohnke von Citizens Forests in Bönningstedt mit Stolz. Außerdem gedeiht der Wald prächtig.

Foto: Burkhard Fuchs

Die Initiative „Citizens Forests“ will ihr Konzept der unkomplizierten Aufforstung bundesweit vermarkten. Erste Gemeinden sind schon dabei.

Kreis Pinneberg. Die Idee für diese Klimaschutz-Aktion ist ebenso einfach wie einleuchtend: Bürger pflanzen Bäume in ihrer Gemeinde und legen so kleine Wälder an, die CO2 binden oder Flächen kühlen. Entwickelt hat dieses Modell der gebürtige Franzose Pascal Girardot. Er lebt seit 13 Jahren in Bönningstedt, will die Idee strategisch ausbauen und hat deshalb den Verein „Citizens Forests“ (deutsch: Bürgerwälder) gegründet. 1800 Bäume auf zwei Flächen in Bönningstedt hat der Verein bereits gepflanzt. Und wenn es nach den 25 Mitgliedern geht, kann das Modell bundesweit (Baum)Schule machen.

Der erste Bürgerwald mit 600 Bäumen befindet sich am Sportplatz an der Ellerbeker Straße, wo die Gehölze dicht an dicht auf 200 Quadratmetern im Mai gepflanzt wurden. Der zweite am Friedhof mit 1200 Bäumen, die am 3. Oktober gesetzt wurden. Ein dritter größerer Bürgerwald soll im Frühjahr in Bönningstedt auf einer 2500 Quadratmeter großen Brachfläche am Moorweg entstehen, sagt Bürgermeister Rolf Lammert. „Ich war sofort Feuer und Flamme für die Aktion.“ Er sei froh, wenn sich Freiwillige finden, die weitere Flächen aufforsten wollen. „Das dient dem Klimaschutz und kann nur richtig sein.“

Bäume filtern Kohlendioxid – und bringen Menschen zum Umdenken

Für Initiator Girardot geht es nicht nur um Bäume, die die klimaschädigenden Gase aus der Luft filtern. Diese Funktion entwickelt sich erst im Laufe der Jahre. „Aber die Menschen, die mitmachen, denken sofort über ihr Verhalten nach und ändern es.“ Was sie essen, was sie konsumieren, wie sie in Urlaub fahren. Kurzum: Wie sie die Umwelt schützen können. So habe die Bürgerwald-Bewegung einen pädagogischen Effekt, den Girardort mindestens genauso wichtig findet wie das Pflanzen der Bäume selbst.

Angeregt habe ihn ein Buch mit dem Titel „Draw down“, womit das Herunterfahren von CO2-Emissionen gemeint sei. Darin sei das Aufforsten von Wäldern als eine der ersten 15 Maßnahmen genannt worden, die Menschen schnell und günstig im eigenen Umfeld für das Klima tun könnten. Und so sei er auf seine Heimatgemeinde zugegangen, die dem im April gegründeten Verein schon zwei Flächen zur Verfügung stellte. „Das Gute ist: Es kostet die Gemeinden kein Geld“, so Girardot. „Es geht überall, sogar auf kleinen Flächen ab 60 Quadratmeter.“

Gepflanzt wird nach der Miyawaki-Methode

Dafür wenden die Citizens Forests-Aktivisten die sogenannte Miyawaki-Methode an. Insbesondere nach dem Fukushima-Unglück wurde sie in Japan für Aufforstungen genutzt. Weltweit sind so in neun Ländern schon mehr als 100 Wälder entstanden, weiß Boris Kohnke, zweiter Vorsitzender des Vereins Citizens Forests. Statt einen Baum auf etwa drei Quadratmeter zu pflanzen, wie es hier üblich sei, pflanzten die Bönningstedter Klimaschützer drei Bäume auf einen Quadratmeter. Das führe zu viel schnellerem Wachstum und die Bäumchen, die sich auf der kleinen Fläche nicht durchsetzen könnten, bildeten den organischen Nährstoff für die Bäume, die durchhielten, was zu schnellerem Wachstum führe. Tatsächlich überragen die erst im Mai gepflanzten Bäume an der Ellerbeker Straße inzwischen die fast zwei Meter höhe Einfriedungshecke.

Und: Das Projekt macht bereits Schule. In Halstenbek, Ellerbek, Hasloh, Ellerau und im Alten Land südlich der Elbe bildeten sich bereits Nachahmer und Mitstreiter. Was Ellerbeks Bürgermeister Günther Hildebrand bestätigt. Die Gemeinde habe eine etwa vier Hektar große Fläche gepachtet, die für eine Wiederaufforstung in Frage käme. Allerdings habe sich das Areal inzwischen zu einer Trockenwiese entwickelt. Jetzt müssten Fachleute klären, was ökologisch sinnvoller sei, sagt Hildebrand: Erhalt oder Aufforstung.

Gemeinde Hasloh macht es schon nach

In Hasloh seien bereits Bäume gepflanzt worden, sagt Bürgermeister Bernhard Brummund. „Wir sind ohnehin schon ein Dorf im Grünen mit Pfingstwald, Natur- und Landschaftsschutzgebieten und einer Baumschutzsatzung, die uns wichtig ist. Das heißt aber nicht, dass man nicht noch mehr tun kann.“ Deshalb sei seiner Gemeinde die Idee der Citizens-Forests-Aktivisten aus dem Nachbarort, die ihr Konzept im Umweltausschuss vorstellten, „sympathisch“.

Ähnlich äußert sich Halstenbeks Bürgermeister Claudius von Rüden. „Das ist eine prima Idee, die wir gerne unterstützen würden.“ Nur fehle es der Gemeinde zurzeit an Flächen, die dafür in Frage kämen. Dieser Nachahmungseffekt sei indes Absicht, sagt Kohnke. „Wir wollen anderen Kommunen und Menschen dabei helfen.“ So biete ihr Verein Mitstreitern bundesweit das fertige Konzept mit japanischer Anpflanzungsmethode nebst Vereinsmanagement-Programm an – und zwar kostenlos.

Sogar die Bäume wollen die Bönningstedter über drei hiesige Baumschulen auf Wunsch liefern. „Schließlich sind wir hier im größten Baumschulgebiet Europas“, sagt Kohnke. „Die Aufforstung muss zwar vor Ort gemacht werden. Wir wollen aber dabei helfen und es den anderen Vereinen so einfach wie möglich machen.“ Sogar ein Hamburger Mode-Label unterstütze inzwischen die Idee und beteilige den Verein am Verkauf seiner Produkte in 350 Läden Deutschlands. Infos: www.citizens-forests.org