Pinneberg
Kreis Pinneberg

Erste Bauernhof-Kita im Kreis Pinneberg startet 2020

Anika Schlüter plant in Tornesch die erste Hof-Kita. Das finden auch Janne, Nele (auf dem Arm), Haflinger Lasse, Mina, Elja, Lefke und Hannah (hinten von links) gut..

Anika Schlüter plant in Tornesch die erste Hof-Kita. Das finden auch Janne, Nele (auf dem Arm), Haflinger Lasse, Mina, Elja, Lefke und Hannah (hinten von links) gut..

Foto: Nico Binde / HA

Baugenehmigung für Moorhof von Anika Schlüter in Tornesch ist da. 25 Eltern wollen Kinder anmelden. Jetzt fehlt noch die Politik.

Tornesch. Das Interesse sei riesig, der Bedarf nach wie vor groß. Und inzwischen sind auch die meisten bürokratischen Hürden aus dem Weg geräumt. Alles in allem, sagt Anika Schlüter, sehe es also gut aus für den Start des ersten Bauernhof-Kindergartens im Kreis Pinneberg. Nachdem die Reitpädagogin aus Tornesch im Mai mit ihrer Idee, Kinderbetreuung zwischen Ställen und Weiden anzubieten, an die Öffentlichkeit gegangen war, hat sie jetzt, ein halbes Jahr später, die Baugenehmigung und damit die konkrete Aussicht, im kommenden Jahr eröffnen zu können.

Der Plan für dieses in der Region einmalige pädagogische Konzept ist unverändert geblieben. An der Straße Am Moor sieht er 15 naturnahe Betreuungsplätze für drei- bis sechsjährige Kinder vor, und zwar auf dem Hof, auf dem Anika Schlüter selbst mit Mann, zwei Töchtern, 27 Pferden und einem Hund lebt. Es sei „ein idealer Ort für Kinder“, sagt sie. Mit Wäldern und Feldern, Scheunen und Ställen, Tieren und viel Platz mitten im Landschaftsschutzgebiet.

Schon acht feste Anmeldungen

„Seit der Vorstellung meiner Idee sind bestimmt 25 Eltern da gewesen, um ihr Interesse an einem Kitaplatz zu bekunden“, sagt Schlüter, 41 Jahre alt. „Acht feste Anmeldungen habe ich bereits.“ Ein Indiz dafür, dass die Sehnsucht vieler Eltern nach einem naturnahe Kita-Platz groß ist. Zudem sind sechs Erzieherinnen mit dem Wunsch an sie herangetreten, in der neuen Kita zu arbeiten. Mit Leben gefüllt sei die Idee damit schon mal. Fehlte nur die formale Baugenehmigung durch den Kreis.

Diese Genehmigung für einen umgebauten Bauwagen auf einem abgezäunten Bereich des Hofes liegt nun vor. Der Wagen soll den Kindern als Basis- und Rückzugsort bei widrigen Witterungsbedingungen dienen. Für Frühstück und Mittagessen steht ein großer Seminarraum im Hof zur Verfügung. Toiletten und Küche sind vorhanden. Kurzum: alles startklar. Schlüter: „Wir planen mit einer Betreuungszeit von 8 bis 14 Uhr.“

Eine Bauernhof-Kita dürfte in Zeiten von Klimaprotesten das Bedürfnis vieler Eltern nach dem einfachen Leben für ihre Kinder stillen, nach einem Aufwachsen ohne Konsumverlockung im Smartphone-Zeitalter. Eine Betreuung, bei der die Kleinsten jeden Tag die Natur spüren – mit Tieren, Pflanzen, Wetter – klingt zumindest verlockend. Wo kommt die Milch her? Welches Futter brauchen Pferde? Wie erntet man Kartoffeln? Um solche Fragen soll es in der Tornescher Kita gehen, wenn das frühkindliche Umweltbewusstsein geschärft wird.

Deutschlandweit gibt es 30 vergleichbare Hof-Kitas

In Deutschland gibt es bereits mehr als 30 vergleichbare Hof-Kitas. Als Reitpädagogin mit 20 Jahren Erfahrung sieht Anika Schlüter immer wieder, wie gut die Zeit auf dem Hof den Kindern und Jugendlichen tue. Aber zur täglichen Kinderbetreuung gehöre mehr als nur frische Luft. Personal, Konzept, Bedarfsplanung, Buchhaltung, die ganze Organisation, all das hängt an einer Kita. „Deshalb bin ich froh, mit der Genossenschaft Kita-Natura einen Träger gefunden zu haben“, sagt Schlüter.

Diese Genossenschaft wurde 2017 von Pädagogen und Landwirten gegründet. Der Zusammenschluss hat sich zum Ziel gesetzt, die Gründung von Hofkindergärten zu erleichtern. Mitbegründerin Anne-Marie Muhs war die erste deutsche Betreiberin einer Bauernhof-Kita. Die Ökotrophologin hält naturnahe Lern- und Erlebnisräume für wichtig. In Tornesch würde sich Kita-Natura um Personal und Organisation kümmern.

Am 11. November werden in der Tornescher Politik noch einmal die Finanzierung und die allgemeinen Rahmenbedingungen besprochen. Zuvor hatte die Kita-Aufsicht des Kreises zwar angedeutet, dass ein Bauernhofbetrieb schwieriger zu genehmigen sei als herkömmliche Kindergärten. Aber diese Bedenken, hofft Schlüter, seien bei ihrem Hof unbegründet, denn es gibt weder schwere Erntemaschinen noch möglicherweise gefährliche Güllegruben.

„Im Kreis mit seinen 157 Kitas wäre dieser naturnaher Hofkindergarten einmalig“, sagte Kreis-Sprecher Oliver Carstens dem Abendblatt. Es gebe zwar 13 Wald- oder Naturkindergärten, aber noch kein Projekt wie in Tornesch. Dementsprechend, so Carstens, würde dieses Angebot die Vielfalt erhöhen und Eltern mehr Wahlmöglichkeiten geben. Zumal die Kitaplätze im Kreis erfahrungsgemäß ohnehin rar sind.

Umgebauter Bauwagen kostet 60.000 Euro

Das Modell in der ersten Bauernhof des Kreises wäre, dass künftige Kita-Eltern in der Genossenschaft Mitglied werden, um die Kita-Gründung zu unterstützen. Anika Schlüter agiert als Vermieterin, will in den kommenden Tagen den etwa 60.000 Euro teuren, umgebauten Bauwagen in Auftrag geben. Läuft alles wie geplant, steht er in sechs Monaten auf dem Moorhof.

Bis dahin will Anika Schlüter schon eine kleine Gruppe einrichten, die sich von Dienstag bis Freitag stundenweise eingewöhnen kann. Diese Gruppe soll sofort im neuen Kindergartenkonzept aufgehen, wenn der Bauwagen steht und der Betrieb losgeht. „Ehrlich gesagt kann ich noch gar nicht fassen, dass es jetzt weiter gehen kann“, sagt Schlüter. „Ich freue mich wahnsinnig, dass der Moorhof mit all seinen Möglichkeiten einen Beitrag für die nächste Generation leisten darf.“ Dazu gehöre auch ein Mehrgenerationenmodell. „Viele Kinder sehen ihre Großeltern kaum noch. Hier leben noch drei Generationen auf einem Hof“, sagt die Kita-Gründerin. Das dürfte für einige Kinder eine völlig neue Erfahrung sein.

Welche Angebote es im Kreis Pinneberg noch gibt

Von 157 Kitas im Kreis Pinneberg haben die meisten ein konventionelles Konzept, wobei viele unterschiedliche pädagogische Schwerpunkte setzen. Waldkindergärten sind die populärste Form der naturnahen Erziehung. 13 solcher Kindergärten gibt es in der Region – mit frischer Luft, viel Bewegung und Natur. Ein Kneipp-Kindergarten befindet sich in Barmstedt als Außenstelle des Kindergartens Sternenhimmel, er nennt sich „Wasserläufer“. Ein Bewegungskindergarten mit Sportschwerpunkt wird in der Paul-Dohrmann-Schule in Elmshorn geplant. Wie viele Kita-Plätze künftig benötigt werden, beziffert der Kreis in seiner neuen Kita-Bedarfsplanung. Sie wird 2020 erstellt und veröffentlicht. Momentan gibt es eher zu wenig Plätze