Kreis Pinneberg

Kehrt die Stadtbahn 2020 nach Uetersen zurück?

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Schon damals nur zu Besuch: Ein historischer Schienenbus fährt durchs Uetersen der 1980er-Jahre.

Schon damals nur zu Besuch: Ein historischer Schienenbus fährt durchs Uetersen der 1980er-Jahre.

Foto: Eisenbahnfreunde Uetersen

Die Eisenbahngesellschaft NEG will Probebetrieb im kommenden Frühjahr. Uetersens Politiker begrüßen diesen Plan.

Uetersen/Tornesch.  In Uetersen rein in die Bahn. In Tornesch wieder raus. Das ist für Otto-Normalbürger derzeit unmöglich. Zwar gibt es Gleise. Die sind jedoch dem Güterverkehr vorbehalten. Eine von Zug-Fans herbeigesehnte Entscheidung des Landes über die mögliche Reaktivierung der Stadtbahn steht aus. Doch jetzt prescht ein möglicher Betreiber vor. Die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft (NEG) plant fürs Frühjahr 2020 einen mehrtägigen Testlauf. Uetersens Politiker haben im Bauausschuss schon zugestimmt und die Weichen gestellt. Für eine Stadtbahn auf Probe.

Darüber, den Zugverkehr mit Fahrgästen zwischen Uetersen und Tornesch wieder aufzunehmen, wird seit 2015 diskutiert. Auch in Kiel scheint man nicht abgeneigt. Zuletzt hatte das Land angekündigt, dass eine in Auftrag gegebene Potenzialanalyse sowie eine Kosten-Nutzen-Untersuchung im Spätsommer vorliegen würden. Danach könne zeitnah entschieden werden. Auf die Expertisen wird allerdings noch gewartet.

Für die NEG kein Grund, die Füße stillzuhalten. Der Antrag für den Testbetrieb kam direkt von Ingo Dewald. Der ist Geschäftsführer der in Niebüll sitzenden Gesellschaft, die schon vor zwei Jahren bekundete, die Reaktivierung der Strecke in die Hand nehmen zu wollen. Laut Dewald geht es seinem Unternehmen um „einen mehrtägigen Testverkehr für die Bevölkerung“. Übrigens kostenlos für Passagiere. Geplant sei, die Fahrten entweder auf dem Bahnhofsvorplatz in Tornesch oder an der Südwestseite des Bahnsteigs 1 des Tornescher Bahnhofs enden zu lassen. Laut Dewald gab es bereits eine Abstimmung mit der Eisenbahnbehörde bezüglich der technischen Voraussetzungen. Es sei bestätig worden, dass provisorische Einstiege aus Holz zulässig seien.

Bauausschuss in Uetersen stimmt den Plänen zu

Rolf Brüggmann sitzt im Uetersener Bauausschuss. Er hat den Plänen der NEG am Donnerstagabend zugestimmt und ist gespannt auf den Testlauf. „Neugierig bin ich immer“, so der Sozialdemokrat. Allerdings halte er die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Uetersen und Tornesch grundsätzlich nur für sinnvoll, wenn es dann auch direkt nach Hamburg weitergehe. „Alles andere wäre witzlos.“ Brüggmann geht allerdings davon aus, dass der Probelauf der NEG bei den Menschen in der Region auf Interesse stoßen wird. „Da werden schon einige mitfahren wollen.“

Die Bahnstrecke zwischen Uetersen und Tornesch hat eine lange Geschichte. Nachdem zunächst Dampftriebwagen unterwegs gewesen waren, folgte die Ära der Dieselloks und ab den 1950er-Jahren eine Phase, in der Schienenbusse verkehrten. Im Jahr 1965 wurde die Beförderung von Personen beendet. Allerdings rauschten weiterhin Züge über die Gleise, denn für den Güterverkehr blieb die Trasse wichtig.

Ging es um die Reaktivierung, wurde zuletzt über fünf mögliche Haltestellen diskutiert. Züge oder Schienenbusse könnten an den Stationen Alte Post/Finkenbrook, Ostbahnhof, Esinger Steinweg, Am Steinberg und Bahnhof Tornesch Halt machen. Es gibt bereits ein Gutachten, das sich mit den Kosten auseinandersetzt. Erstellt wurde es vom dänischen Büro Ramboll. Dessen Ingenieure haben die Summe von 7,1 Millionen Euro in den Raum gestellt. Schließlich müssten Haltestellen gebaut, Bahnübergänge gesichert werden.

NEG wirbt schon seit 2017 für das Projekt

Dewald hatte schon 2017 in Uetersen vorgesprochen, für die NEG den Hut in den Ring geworfen – und klar gemacht, dass das Ziel der direkte Draht in die Metropole sei. Mittelfristig solle die Fahrt von Uetersen aus über Tornesch und Prisdorf nach Hamburg gehen.

Zukunftsmusik. Jetzt soll erstmal der Probelauf her. Uetersens Bürgermeisterin Andrea Hansen hatte ihrem Bauausschuss empfohlen, dem zuzustimmen. Im Falle eines Schadens übernehme die NEG die Haftung, der Stadt entstünden keine Kosten. Das überzeugte die Politik. Im Frühjahr sollen die Züge rollen. Das wäre dann freie Fahrt für die Stadtbahn – wenn auch erst mal nur für ein paar Tage.

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