Pinneberg
Velorouten

Kreis Pinneberg soll ersten Radschnellweg bekommen

Die erste der neuen „Fahrradautobahnen“ nach Hamburg soll durch den Kreis Pinneberg führen (Symbolbild).

Die erste der neuen „Fahrradautobahnen“ nach Hamburg soll durch den Kreis Pinneberg führen (Symbolbild).

Foto: Bernd Thissen / picture alliance / dpa

32 Kilometer lange Strecke von Elmshorn nach Hamburg könnte 2025 in Teilen fertig sei. Aber die Finanzierung ist noch offen.

Kreis Pinneberg.  In spätestens sechs Jahren sollen die ersten Pendler über einen Radschnellweg von Elmshorn in Richtung Hamburg zur Arbeit oder Schule fahren können. Zumindest ein Teilstück dieser 32 Kilometer langen, vier Meter breiten, beleuchteten und weitgehend haltefreien Radautobahn sollte dann fertiggestellt sein, sagt Hartmut Teichmann. Der Radschnellweg aus dem Kreis Pinneberg dürfte als Erster der sieben zurzeit aus dem Hamburger Umland geplanten Radschnellwege ausgebaut werden. „Das ist mein Bestreben“, sagt Teichmann, der das Projekt innerhalb der Metropolregion leitet. „Für den Kreis Pinneberg ist der Bedarf eindeutig am größten.“

So kämen zurzeit 100.000 der täglich 350.000 Einpendler nach Hamburg aus dem mit 310.000 Einwohnern bevölkerungsreichsten Kreis Schleswig-Holsteins. Er selbst sei auch betroffen, so Teichmann. Allerdings in anderer Richtung: Er fahre jeden Tag zur Arbeit von Hamburg nach Elmshorn ins Kreishaus – und meist auch mit dem Fahrrad. Sobald der Radschnellweg fertig wäre, könnte er seine Fahrtzeit womöglich auf etwa eine Stunde halbieren. Dem täglichen Stau im Auto auf der A 23, den die meisten Pendler dem Bus- und Bahnangebot vorziehen, sollten dann mehr Menschen über den Radschnellweg, der alle Bahnhöfe und Knotenpunkte des öffentlichen Nahverkehrs anbindet, entgehen können.

Wo genau wird der Radschnellweg entlangführen?

Das ist allerdings noch Zukunftsmusik. Gemeinsam mit der Projektkoordinatorin Susanne Elfferding und der Hamburger Radverkehrsbeauftragten Kirsten Pfaue hat Projektleiter Teichmann am Mittwoch den aktuellen Stand zur Radschnellwegplanung dargestellt. „Die Menschen bewegt das Thema“, sagt er. So hätten sich mehr als 1000 Bürger an der Online-Befragung beteiligt. Aus dem Kreis Pinneberg seien es 138 Anregungen gewesen. Zudem seien gut 70 Bürger zum Workshop in Pinneberg gekommen.

Am meisten bewege die Menschen die Frage, wo genau der Radschnellweg entlangführen wird. Die Detailplanung erarbeiten zurzeit zwei Planungsbüros aus Dänemark und Holland.

Von Elmshorn aus werde die Trasse durch den Kreis Pinneberg weitgehend an der S-Bahnstrecke Elmshorn–Tornesch–Pinneberg– Halstenbek liegen, erklärt Teichmann. Ob nördlich oder südlich der Bahn, sei abhängig von den örtlichen Gegebenheiten. „So wissen wir zum Beispiel noch nicht, wie wir die Bahngleise zwischen Tornesch und Prisdorf queren sollen.“

Radschnellweg trifft an der Elbgaustraße auf Velo-Routennetz

In Elmshorn seien im Idealfall zwei Anfangspunkte des Radschnellweges geplant. Einer sollte sich etwa am Kreisel von Kibek am grauen Esel, der andere am Krückau-Wanderweg befinden. In Hamburg soll er an der Elbgaustraße auf das dortige Velo-Routennetz treffen, das bis 2025 ebenfalls mit einer Gesamtlänge von 280 Kilometern Strecke ausgebaut sein soll, wie die Koordinatorin Kirsten Pfaue sagte. An allen Bahnhöfen im Kreis Pinneberg würden zudem überdachte und abschließbare Parkhäuser für Fahrräder gebaut, kündigt Teichmann an. Kommunen wie Tornesch oder Prisdorf planten oder bauten solche Anlagen bereits.

Unklar sei allerdings noch, wie die weitere Planung weitergeht, wenn bis Ende 2020 sämtliche Machbarkeitsstudien für alle zusammen 270 Kilometer langen Radschnellwege der Metropolregion im Detail mit konkreter Streckenführung vorliegen. Dass sich die Bundesländer dieser Sache federführend annehmen, wie dies in Nordrhein-Westfalen sei, glaubt Teichmann nicht. „Die Planungshoheit liegt bei den Kommunen.“ Darum würde er einen Zweckverband, dem der Kreis Pinneberg und alle betroffenen Städte und Gemeinden angehören, als Träger empfehlen, so Teichmann.

Ein Kilometer kostet etwa eine Million Euro

Auch die Finanzierung sei noch nicht gesichert. Die Bundesmittel von zurzeit 25 Millionen Euro reichten für eine 75-Prozent-Förderung bei Weitem nicht aus, wenn ein Kilometer Radschnellweg etwa eine Million Euro koste. Die Bedingung von 2000 Radnutzern am Tag hält Teichmann dabei für keine Hürde für den Kreis Pinneberg „Ich hätte mir dazu konkrete Summen im Klimapakt der Bundesregierung gewünscht“, sagt er. Aber auch die Finanzierung werde angesichts der dringenden Problematik des Klimaschutzes kein allzu großes Problem darstellen. „Schnelle und gut ausgebaute Radwege wollen heute alle.“

Die Zusammenarbeit bei diesem Projekt sei ohnehin Wegbereiter für andere Kooperationen Hamburgs mit dem Umland. Teichmann: „Eine aktuelle OECD-Studie hat gerade das Radschnellweg-Projekt als das beste Modell der Zusammenarbeit in der Metropolregion Hamburg gewürdigt.“