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Bürgermeister Trampe: „Wir müssen uns breiter aufstellen“

Rellingens Bürgermeister Marc Trampe, hier mit Bürgervorsteher Hans-Günther Reinke, ist seit drei Jahren im Amt.

Rellingens Bürgermeister Marc Trampe, hier mit Bürgervorsteher Hans-Günther Reinke, ist seit drei Jahren im Amt.

Foto: Katja Engler

Halbzeit: Rellingens Bürgermeister Marc Trampe spricht nach der Hälfte seiner Amtszeit über Erfolge, Probleme, eigene Pläne.

Rellingen.  Seit drei Jahren ist Marc Trampe jetzt Chef im Rellinger Rathaus. Drei weitere Jahre dauert die Amtszeit des 38-Jährigen, der zuvor in der Kreisverwaltung und bei der Stadt Pinneberg gearbeitet hat. Im Abendblatt-Interview spricht er über seine persönliche Zukunftsplanung, zeigt Verständnis für wütende Bürger in Krupunder und stellt den Umbau der Stau-Kreuzung im Ortskern in Aussicht.

Halbzeit, Herr Trampe. Sie sind genau drei Jahre Bürgermeister von Rellingen. Was war der schönste Moment in dieser Zeit?

Marc Trampe Da gibt es unterschiedliche Ebenen. Der Beschluss für den B-Plan zum Seniorenwohnen am Lohkamp und der für das Wohnprojekt mit Kita am Lohacker gehören zu der politischen. Eine andere Ebene erlebte ich in meiner Bürgersprechstunde, als eine Familie mit der Bitte kam, bei der Suche nach einem Werkstattplatz für ihre behinderte Tochter zu helfen. Das konnte ich. Ein schöner Moment.

Und welcher Moment hat Sie am meisten aufgewühlt?

Der Moment, in dem unser Projekt für Seniorenwohnen zum Scheitern verurteilt schien. Wir kamen mit dem Eigentümer für die verkehrliche Erschließung nicht auf einen Nenner, es ging nicht weiter. Zum Glück konnten wir das Problem letztlich lösen.

Solide Finanzen, klare politische Mehrheit: Manch Amtskollege mag Rellingen als Komfortzone bezeichnen. Ein entspannter, trotzdem gut bezahlter Job in Rellingen also?

Wenn Sie ein gut und seriös arbeitendes Rathaus sowie eine funktionierende, sachorientierte Politik als Komfortzone bezeichnen, dann ja. Ansonsten arbeiten wir alle im Rathaus hart und viel, aber auch gern. Hauptamtliche Bürgermeister müssen Impulsgeber sein, politische Beschlüsse umsetzen und repräsentieren. Keiner, der den Job macht, erlebt eine Komfortzone.

Ein Thema ist in den vergangenen Wochen geradezu explodiert: Es geht ums Gewerbegebiet in Krupunder, wo ein Möbelhändler Hallen bauen will. Überrascht sie die Vehemenz des Widerstands?

Nicht wirklich, ich habe Verständnis, dass die Bürger die Entwicklung kritisch bis ablehnend begleiten. Wir müssen die Bedenken im weiteren Verfahren aufnehmen, letztlich entscheidet aber ja die Politik. Mit derart vielen Teilnehmern an unserer öffentlichen Infoveranstaltung habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Aber wir leben im Zeitalter sozialer Medien, da wird Mobilisierung von Menschen leichter. Und sie kostet auch nichts. Jeder kann problemlos eine Facebook-Gruppe zum Thema eröffnen.

In der Veranstaltung gab es lautstarke Buh-Rufe und Unmutsbekundungen…

Und das war zu erwarten. Mit Applaus haben wir nicht gerechnet. Es gab auch hinterher noch eine große Anzahl von Briefen und E-Mails, die uns erreicht haben. Es gehört zum Job des Bürgermeisters, mit Kritik umzugehen.

Ein Argument für das Projekt in Krupunder sind die erhofften Gewerbesteuereinnahmen. Bei denen geht es seit Jahren für Rellingen rapide bergauf. Andere, größere Kommunen wurden locker abgehängt…

Richtig, die finanzielle Lage Rellingens ist sehr gut. Wir rechnen dieses Jahr mit 32 Millionen Euro bei der Gewerbesteuer. Aber wir sind abhängig von einzelnen, großen Unternehmen. Darum plädiere ich dafür, uns noch besser zu wappnen und neue mittelständige Unternehmen anzusiedeln. Wir müssen uns für die Zukunft breiter aufstellen, die Gewerbesteuer ist eine der wenigen Einnahmemöglichkeiten, bei der wir selbst gestalten können. Gleichzeitig haben wir aber eine große Abhängigkeit von wirtschaftlicher Lage und einzelnen Unternehmenserfolgen. Daher ist langfristige Planung schwierig.

Dass Geld gebraucht werden wird, ist klar. Aktuell werden Millionen in Schulen investiert. Geht Rellingen da nicht ein zu hohes Risiko ein?

Richtig, die Brüder-Grimm-Schule hat uns sieben Millionen Euro gekostet, die neue Caspar-Voght-Schule wird uns um die 25 Millionen kosten. Aber wir schaffen einen Bildungs-Leuchtturm. Anmeldezahlen belegen, dass das angenommen wird. Und wir verändern rund um die Caspar-Voght-Schule das gesamte Quartier, auch die verkehrliche Situation. Das ist eine Aufwertung, die viele Chancen bietet.

Apropos Chancen: Welche bieten sich im Ortskern? Stichwort Arkadenhof, in dem es Leerstand gibt.

Wichtig ist erst mal, dass in Rellingen alle an einem Strang ziehen. Das ist eine gute Voraussetzung. Ich hoffe auf einen neuen Impuls durch das in Auftrag gegebene Ortsentwicklungskonzept. Ich will beleuchtet haben, was sich die Menschen wirklich wünschen. Damit sie auch 2025 noch gern im Ort unterwegs sind. Wir wollen mehr Aufenthaltsqualität im Ortskern, maßen uns dabei nicht an, jetzt alles schon zu wissen.

Ist der Unternehmer Thomas Pötzsch, der viele Flächen in Rellingen aufgekauft hat und gestalten will, ein Partner?

Ja, wir sind auch mit Immobilienbesitzern im Ortskern im Gespräch. Dazu gehört natürlich auch Herr Pötzsch. Es ist positiv, dass sich viele in die Gestaltung einbringen wollen.

Beim dank eines Investors vor der Pleite geretteten Nordsport gab es ja eine gute Nachricht im Sektor Einzelhandel. Sind Sie optimistisch, dass es dort langfristig weitergeht?

Ja, ich habe Vertrauen in die handelnden Personen. Das neue Konzept bei Nordsport, das mehr auf Konzentration auf starke Produkte setzt, klingt plausibel für mich. Ich hoffe für den Standort Rellingen jetzt auf eine positive Entwicklung.

Ein Rellinger Dauerthema ist der Verkehr. Schließlich herrscht im Ortskern zu den Stoßzeiten und wenn die A 23 voll ist oft Stillstand. Es gab mal die Idee einer Umgehungsstraße…

Die Idee halte ich für unrealistisch. Und wir haben nicht nur im Ortskern Probleme sondern auch in Krupunder. Für Rellingen ist die nahe Autobahn eben nicht nur ein Segen, sondern auch ein Fluch. Aber wir stehen hoffentlich kurz davor, eine Lösung für die Kreuzung Hauptstraße und Tangstedter Chaussee zu finden. Es könnte dann bauliche Veränderungen geben, die für erhebliche Entlastung sorgen werden. Zudem schweben mir Projekte wie Bike-Sharing oder verbesserte Zubringermöglichkeiten zum Nahverkehr für Rellingen vor.

Sie haben zu Amtsantritt erklärt, Rellingen verjüngen zu wollen. Wo ist das erkennbar?

Zum Beispiel im geplanten Neubaugebiet Lohacker, wo Ein- und Zweifamilienhäuser gebaut werden sollen, eine Kita der Johanniter ebenfalls. Das schafft Anreize für Familien. An der Hempbergstraße entstehen 40 Wohneinheiten der Neuen GeWoGe, zwei Drittel davon öffentlich gefördert. Und wie schon angesprochen, investieren wir in die Schulen, bringen die Jugendarbeit voran.

Aber wie passt dazu, dass im Ortskern für Senioren gebaut wird?

Gut passt das. Denn wir hoffen, dass ältere Rellinger dort einziehen, die ihre zu groß gewordenen Häuser im Ort abgeben. Diese Häuser werden dann frei für Familien, die den Platz brauchen.

Kommen wir zu Ihrer persönlichen Lebensplanung, Herr Trampe. Für Oliver Stolz, einen Ihrer Vorgänger, war Rellingen Sprungbrett ins Büro des Landrats. Sie kommen eigentlich aus der Kreisverwaltung. Da der Kreis einen Nachfolger für Stolz sucht, sei die Frage erlaubt: Lust auf Landrat?

Nein, da habe ich überhaupt keine Ambitionen. Das ist für mich kein Thema. Und ich bin auch nicht gefragt worden…

… und wenn man Sie fragte?

Ich kann das komplett ausschließen.

Also doch Bürgermeister. In Rellingen? Steht schon fest, ob sie sich 2022 erneut bewerben?

Ja, ich will mich in Rellingen für eine zweite Amtszeit bewerben. Der Job macht Spaß, ich kann hier etwas bewegen. Und die Politik arbeitet konstruktiv mit. Außerdem habe ich ein tolles Team im Rathaus.

Zum Amtsantritt sprachen wir über Ihren damaligen Wohnort Pinneberg. Suchen Sie noch nach einem Haus in Rellingen, oder hat sich das Pendeln bewährt?

Na ja, so weit pendele ich ja nicht. Tatsächlich lebe ich mit mit meiner Familie mittlerweile in Appen, da kommt meine Frau her. Ich bin auch Familienvater, da gibt es einiges zu bedenken. Wir haben zuvor lange in Rellingen gesucht, aber nichts passendes gefunden. Aber ich habe trotzdem meinen Lebensmittelpunkt hier, kaufe hier auch ein. Und das ihr Bürgermeister nicht in Rellingen wohnt, das kennen die Rellinger ja aus der Vergangenheit. Da sind sie Kummer gewohnt, würde ich mal sagen (lacht).