Wirtschaft

Pinneberger Firma plant Großlager in Rellingen

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Das Feld an der Hermann-Löns-Straße in Rellingen wird Gewerbegebiet.

Das Feld an der Hermann-Löns-Straße in Rellingen wird Gewerbegebiet.

Foto: Henrik Wendel

Aus ehemaligem Baumschulland soll ein Gewerbegebiet werden. Doch es sich bereits Widerstand. Anwohner befürchten Lärm, Abgase und Wertverlust.

Rellingen.  Das Unternehmen Riess Ambiente, das sehr erfolgreich online Designermöbel verkauft, will Pinneberg-Waldenau verlassen und nach Rellingen umziehen. Der Grundstückskauf ist bereits unter Dach und Fach. Kaum dass der Ärger um die Ausdehnung von Hass + Hatje einigermaßen verraucht ist, steht damit neuer ins Haus: Nachdem im Rellinger Bauausschuss der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan 72 gefasst worden ist, formiert sich Widerstand. Am Dienstag, 27. August, findet im Rellinger Rathaus ab 18 Uhr eine öffentliche Infoveranstaltung statt.

Das Plangebiet, um das es geht, liegt im Rellinger Ortsteil Krupunder östlich der Kellerstraße, südlich des Sportplatzes und westlich des Hermann-Löns-Weges. Es wurde bisher überwiegend landwirtschaftlich genutzt und soll jetzt zum Gewerbegebiet werden. Riess Ambiente, das sich dort ansiedeln möchte, will die gesamte Fläche von rund 46.000 Quadratmetern nutzen. „Frühestens Mitte nächsten Jahres wird der Bebauungsplan rechtskräftig“, sagt Rellingens Bauamtsleiter Tom Rasmussen.

Der Baumschuler Reinhard Pein hatte sein Haus und das große Grundstück, um das es geht, verkauft. Er sagt, er sei da jetzt raus. Dass der Grundstücksverkauf notariell fixiert ist, bestätigt der Projektentwickler Thorsten Wolfsteller von der Firma Wolfsteller Projekt und Bau. Er ist seit 20 Jahren im Geschäft und arbeitet seit zwei Jahren an der Ausgestaltung des Gewerbegebietes.

Ganz in der Nähe wohnt der Abiturient Neil Lange, der Initiator des Widerstandes ist. Er sagt, es hätten sich bereits mehr als 100 Anwohner zusammengetan, um sich gegen die Pläne zu wehren. Am Dienstag haben sie sich zum ersten Mal getroffen. „Wir haben mit diesem Bebauungsplan ein großes Problem“, sagt Lange. Als Anwohner wollten sie mit einer Stimme sprechen, „um die Chancen zu erhöhen, das zu verhindern“.

Anwohner befürchten Lärm, Abgase und Wertverlust

Sie sorgen sich um steigende Lärmbelastung, Abgase, das Verschwinden von Flora, Fauna, Kinderspiel- und Erholungsflächen, den Wertverlust ihrer Grundstücke und noch einiges mehr. In Stoßzeiten stünden Autofahrer am Kreisverkehr schon jetzt regelmäßig rund 20 Minuten im Stau: Lange fragt sich, ob angesichts dessen ein wirklich aussagekräftiges Verkehrsgutachten zugrunde liege. Als Schüler des Wolfgang-Borchert-Gymnasiums weiß er außerdem: „Sowohl die Kellerstraße als auch der Hermann-Löns-Weg sind Schulwege. Am Hermann Löns Weg fehlen Fahrradwege. Da kommt ein Sicherheitsrisiko auf die Schülerinnen und Schüler zu.“

Fest steht, dass die Hallen, die auf dem Areal gebaut werden sollen, 13 Meter hoch werden sollen, das bestätigt Thorsten Wolfsteller. Zugleich dementiert er, dass Verkehr nachts und am Wochenende zu erwarten sei: „Der neue Nutzer löst relativ wenig Verkehr aus. Es wird weder Kundenverkehr geben, noch wird dort produziert.“ Über die Proteste ärgert er sich: „Die Leute wissen noch gar nicht, was kommt, und sind schon dagegen. Das hier ist eine absolut verträgliche Lösung.“

Die Firma Riess Ambiente ist ein familiengeführtes, innovatives Unternehmen, das online schicke Designer-Möbel verkauft. Warum zieht es Nicolas Riess weg von Pinneberg? „Wir haben mehrere Lager, die wir jetzt zusammenlegen wollen. Unser Unternehmen wächst stark, deshalb brauchen wir mehr Lagerplatz und mehr Büros“, sagt der Chef. Inzwischen beschäftigt er 150 Mitarbeiter. Und die will er halten. Wäre er weiter weggezogen, hätte er sie mit all ihrer Erfahrung kündigen müssen. „Das will ich nicht.“

In Pinneberg sei es zu schwierig gewesen, etwas Passendes zu finden. Ein Problem war für Riess, dass die Busanbindung bei infrage kommenden Gewerbegrundstücken zu schlecht sei.

Der Projektentwicklerfirma Wolfsteller, die das neue Rellinger Gewerbegebiet plant, ist in Rellingen nicht unbekannt. Schließlich hat sie bereits das benachbarte Baugebiet „Rellinger Wiese“ mit Aldi-, Edeka-, DM-Markt und Wohnungen betreut. Um von vornherein Ärger zu vermeiden, habe man bereits im Vorwege versucht, „die Befindlichkeiten zu berücksichtigen“, sagt Wolfsteller. Der Lastwagenverkehr würde über die Kellerstraße geführt, der Abstand der Lagerhallen zu dem Neubaugebiet im Osten sei mit etwa 50 Metern besonders groß, damit es eben keine Schall- und Emissionsprobleme oder zu lange Schatten gebe. Der Knick allerdings, der das Grundstück durchtrennt, wird entfernt, die großen Eichen im Norden sollen stehen bleiben, und an der Grundstücksgrenze werden 24 Bäume gepflanzt.

Auch Firmeneigentümer Nicolas Riess verspricht, der Verkehr halte sich in Grenzen. Spätestens ab 19 Uhr sei Ruhe.

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