Pinneberg
Kohlekraftwerk

Asche-Regen über Wedel: Hamburg stellt Hilfe in Aussicht

Das Kraftwerk Wedel gehört ab sofort und rückwirkend zum Jahreswechsel der Freien und Hansestadt Hamburg.

Das Kraftwerk Wedel gehört ab sofort und rückwirkend zum Jahreswechsel der Freien und Hansestadt Hamburg.

Foto: Alexander Sulanke / HA

Hamburg als neue Eigentümerin des Kohlekraftwerks an der Elbe zeigt sich kulanter als der bisherige Eigentümer Vattenfall.

Wedel. Die Stadt Hamburg hat als neuer Betreiber des alten Kohlekraftwerks Wedel einen kulanteren Umgang mit sichtbaren Beeinträchtigungen für die Anwohner des Elbstädtchens in Aussicht gestellt. Nachdem die Metropole mit ihrem Energienetz auch mit sofortiger Wirkung das Kraftwerk Wedel zurückgekauft hat, ist nicht mehr Vattenfall Betreiber des Meilers, dessen Asche-Regen den Lack von Anwohnerautos verätzen soll, sondern Hamburg. Das bestätigte die Umweltbehörde auf Abendblatt-Anfrage.

Die Anwohner, die seit Jahren beklagen, dass die Partikel aus dem aktiven, 150 Meter hohen Schornstein des Heizkraftwerks stark sauer und damit ätzend sind, wie diverse Schäden an Autos oder Dächern der Anwohner beweisen würden, haben nun zwar einen neuen Ansprechpartner – die Probleme und Forderungen bleiben aber die gleichen. „Wir wollen, dass das Kraftwerk analysiert wird und technisch einwandfrei läuft, ohne gesundheitsschädliche, ätzende Partikel auszustoßen“, sagt Kerstin Lueckow, Sprecherin der Bürgerinitiative „Stopp! Kein Megakraftwerk Wedel“. „Andernfalls muss es eben stillgelegt werden.“

Erst am vergangenen Wochenende sei es zu neuen Ätzschäden durch Partikel an einem schwarzen Seat gekommen, sagt Lueckow. Fotos und eigene Messungen dokumentierten die Demolierung und den Säuregehalt. Die zuständigen Genehmigungsbehörden in Kiel, das Landesamt für Umwelt und das Umweltministerium, wurden zu Stellungnahmen aufgefordert. Auch die Schadensregulierung des neuen Betreibers, Wärme Hamburg, wurde mit der Bitte um Entschädigung angeschrieben.

Doch die Antwort bleibt auch mit neuem Betreiber unnachgiebig. „Unter Berücksichtigung der uns vorliegenden Erkenntnisse zu den Partikelemissionen des Heizkraftwerks Wedel, unter anderem aufgrund der ausführlichen Gutachten und Untersuchungen, müssen wir davon ausgehen, dass eine Schädigung durch Partikelniederschläge aus dem Kraftwerk ausgeschlossen ist.“ Kurzum: Auch die Stadt Hamburg kommt nicht für Schäden auf.

Vattenfall stellte 2017 Regresszahlungen ein

Obwohl die aktuellen Partikel niemand untersucht hat und mehrere Gutachten die Beschwerden der Anwohner stützen, wurden Regresszahlungen seitens des Betreibers 2017 eingestellt. „Nach den Partikelniederschlägen 2016 hat die zuständige Genehmigungsbehörde eine Anordnung erlassen, die zusätzliche Auflagen enthielt“, heißt es dazu vom neuen Eigentümer. „Diese Auflagen wurden vom Betreiber vollständig erfüllt.“ Doch daran glauben die Anwohner nicht. Zu oft sei seither Ascheregen auf Häuser und Autos gerieselt und habe eindeutige Schäden hinterlassen. Zuletzt stellte sogar das Umweltministerium in Kiel auffällige Partikel aus dem Schlot fest und lässt sie seither näher auf ihre Gefahr für Gesundheit und Autos untersuchen.

„In den vergangenen Wochen gab es bei Proben Anhaltspunkte für mögliche größere Abweichungen zu früheren Untersuchungsergebnissen“, sagte Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) jüngst. Bei ersten Untersuchungen habe sich zwar herausgestellt, dass diese Abweichungen weniger stark seien als angenommen. Dennoch seien weitere Analysen angebracht. Sie sollen Klarheit bringen, welche chemischen Verbindungen der Ascheregen enthält. Dabei sollen Schwermetalle oder Stoffe wie Schwefel und Aluminium sowie der pH-Wert bestimmt werden. Gutachter der Bürgerinitiative hatten laut Umweltministerium wiederholt Aluminiumsulfat mit den Lackveränderungen an Autos im Umfeld des Kraftwerks in Verbindung gebracht. Das Umweltministerium will nun in einer gesonderten Untersuchung die Wirkung der Partikel auf verschiedene Materialien testen.

Vom neuen Eigentümer, der Stadt Hamburg, heißt es dazu: „Das Heizkraftwerk Wedel hält nach Feststellung der Behörde zuverlässig alle bestehenden gesetzlichen Grenzwerte ein.“ Gleichwohl, so ein Sprecher der Umweltbehörde, sei der „Partikelniederschlag wesentlich abhängig von der Windrichtung und stellt unzweifelhaft eine Belästigung dar.“ Deshalb sei die Behörde des grünen Umweltsenators Jens Kerstan immerhin bereit „gemeinsam mit dem Betreiber zu prüfen, inwieweit ein kulanteres Vorgehen bei der Beseitigung von sichtbaren Beeinträchtigungen möglich ist.“