Pinneberg
Verkehr

Pinneberg plant 16 neue Fahrradstraßen

Problemkreuzung des Radverkehrs: Matthias Walenda vom ADFC Pinneberg am Westring, Ecke Mühlenstraße. Drei Bettelampeln stören hier den Verkehrsfluss für Radler.

Problemkreuzung des Radverkehrs: Matthias Walenda vom ADFC Pinneberg am Westring, Ecke Mühlenstraße. Drei Bettelampeln stören hier den Verkehrsfluss für Radler.

Foto: Nico Binde / HA

Auf dem Weg zu mehr Zweiradfreundlichkeit drückt die Stadt aufs Tempo. Genug zu tun gibt es, wie ein Abendblatt-Test zeigt.

Pinneberg. Neue Schilder, Piktogramme auf der Straße, mehr Rechte für Zweiräder: Auf dem Weg zu einer fahrradfreundlichen Stadt will Pinneberg aufs Tempo drücken. 16 neue Fahrradstraßen möchte die Stadt bis zum kommenden Jahr ausweisen. Schon in diesem Herbst sollen die ersten Strecken im Stadtgebiet umgewidmet werden. Ein entsprechender Beschlussvorschlag der Verwaltung wird am Dienstag im Stadtentwicklungsausschuss beraten.

Das Vorhaben würde die Zahl aller bisherigen Fahrradstraßen im Kreis verachtfachen – bisher gibt es zwei, eine davon führt von Thesdorf nach Halstenbek und darf mit dem Auto nur von Anliegern befahren werden. Bis Mitte 2020 sollen nun 16 weitere Straßen mit ähnlichen Regeln belegt werden. Auf den geplanten Streckenabschnitten – überwiegend Teile des bereits beschlossenen Veloroutennetzes (siehe Karte) – dürfen Radfahrer dann etwa nebeneinander fahren und haben Vorrang vor dem Autoverkehr. Auch die Verlegung von Parkplätzen auf eine Straßenseite oder neue Ampeln schließt die Stadt nicht aus.

Größere Baumaßnahmen plant die Verwaltung aber nicht. Die 46.000 Euro, die für das Projekt vorgesehen sind, dienen nur dem Aufstellen von Schildern und dem Markieren der Fahrbahn. Langfristig, heißt es aus dem Rathaus, würde die Vielzahl von neuen Fahrradstraßen dem steigenden Verkehrsaufkommen und den sich wandelnden Mobilitätsansprüchen Rechnung tragen. Kurzum: Mehr Menschen sollen ermuntert werden, aufs Rad zu steigen.

Dem Plan sei eine längere Prüfung vorausgegangen. Bevorzugt wurden Strecken, die in der Nähe von Schulen verlaufen, Tempo-30-Zonen sind und schon heute von Radfahrern frequentiert werden. Während die Verwaltung ihren Vorstoß als „Anti-Stau-Instrument“ betrachtet und das Ziel ausgibt, Pinneberg zu einer fahrradfreundlichen Stadt machen zu wollen, nimmt die Fahrradlobby den Plan wohlwollend zur Kenntnis.

„Dieser Vorstoß zeigt, dass sich für die zunehmende Zahl der Radfahrer etwas bewegt“, sagt Matthias Walenda von der Pinneberger Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Zumal es nötig sei, so der Experte. Denn aktuell müssten Radfahrer in der Stadt vielerorts mit handtuchbreiten, buckligen Radwegen oder irreführenden und gefährlichen Kreuzungen Vorlieb nehmen (siehe Infotext).

Insofern sei der Ansatz begrüßenswert, die genannten Straßen noch mehr für den Radverkehr zu öffnen und somit das bisher nur theoretisch existierende Veloroutennetz der Stadt zu stärken. Denn zumindest auf dem Papier führen vier Radrouten aus Pinneberg-Nord, Thesdorf, Waldenau und dem Wohngebiet Rosenfeld ins Zentrum. Alle Strecken wurden bei den neuen Plänen berücksichtigt – und sollen dem Namen Veloroute demnächst gerecht werden.

Auf Pinnebergs Fahrradstraßen sollen weiterhin Autos fahren dürfen

Das Modell „Fahrradstraße“ gibt es in Deutschland erst seit 1997. Normalerweise sind diese Straßen für Autos tabu. Aller Voraussicht nach sollen aber auf den Pinneberger Fahrradstraßen weiterhin Autos fahren dürfen, insbesondere die von Anwohnern und Lieferanten. Nur muss dem Radverkehr künftig mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Im Einzelnen sollen im Norden der Ossenpadd, die Straße Schulenhörn sowie die Frieden- und Bismarckstraße zur Fahrradstraße werden. Vom Zentrum in Richtung Süden werden die Straßen Am Drosteipark, die Osterholder Allee, die Manfred-von-Richthofen-Straße, der Hollandweg und die Pestalozzistraße umgewidmet. Auch Rehmen, die Burmeisterallee, die Neue Straße, die Halstenbeker Straße und der Hunnebarg nach Waldenau stehen auf der Liste. Hinzu kommen westlich des Zentrums der Kirchhofsweg und östlich der Stadtmitte Fahltskamp.

Bis im Jahr 2020 alle neuen Fahrradstraßen etabliert sind, habe die Verwaltung aber auch andernorts Nachholbedarf bei der Förderung des Radverkehrs, so der ADFC-Pinneberg. Insbesondere die Kreuzungen der Stadt sind an vielen Stellen heikel für Zweiradfahrer. Es gebe noch viel Arbeit für die Verkehrsplaner.

Wo es hakt – und was Lösungen sein könnten

1. Berliner Str./Prisdorfer Str. An dieser Kreuzung gibt es eine „ewige rote Ampel“, weil Radfahrer die Kontaktschleife nur mit Glück (oder Ortskenntnis) auslösen können. Aus ADFC-Sicht kann eine empfindlichere Schleife helfen.

2. Prisdorfer Str./Elmshorner Str. Radfahrer können nicht über die Elmshorner Straße – die nächste Querung ist die Ampel am Markt. Laut ADFC sollten Radler auf die Fahrbahn geleitet werden.

3. Elmshorner Str./Friedrich-Ebert-Str. Radfahrer auf der Ebert-Straße queren die Rechtsabbiegerspur der Autos. Der Unfallschwerpunkt kann laut ADFC mit einem Vorfahrt-Beachten-Schild oder einer Ampel entschärft werden.

4. Friedrich-Ebert-Str./Damm: Radfahrer haben hier mit Autos Grün, sind auf dem Radweg aber auf Kollisionskurs mit Fußgängern, die zu Penny wollen. Lösung des ADFC: Eine eigene Fahrradampel.

5. Damm /An der Berufsschule: Hier gibt es keine doppelte Ampelscheibe, dadurch werden Radler mit der Autoampel geleitet. Laut ADFC böte sich hier eine Kombi-Ampel für Fußgänger und Radfahrer beheben.

6. Thesdorfer Weg/Rellinger Straße: Der Radweg wird beidseitig benutzt. Autofahrer haben aber einen grün Pfeil und übersehen leicht entgegenkommende Radler. Diese Gefahrenstelle ließe sich durch Entfernen des Grünpfeils beheben.

7. Rehmen/Thesdorfer Weg:

Die Kontaktschleife auf der Fahrbahn ist unsensibel. Die Ampel bleibt gern längere Zeit als nötig rot. Auf dieser Veloroute sollte laut ADFC die Schleife auch empfindlich genug für Radfahrer sein.

8. Thesdorfer Weg/An der Raa: Die neue Kreuzung führt Schüler auf der linken Seite – das ist konfliktträchtig. Die einfach Lösung des ADFC: Schüler jeweils konsequent rechts fahren lassen.

9. Kreisverkehr Wedeler Weg: Der Radweg um den Kreisel ist gefährlich, weil Autofahrer auf Radfahrer aus beiden Richtungen achten müssen. Laut ADFC sollte der Radweg Vorfahrtsschilder und Markierungen bekommen.

10. Mühlenstraße/Westring

Der zweispurig geführte Radweg (Gegenverkehr!) hat drei „Bettelampeln“. Jede muss einzeln gedrückt werden, man wartet auf zehn Metern etwa 1.30 Minuten. Das geht flüssiger.