Pinneberg

Warum diese Ampel eine Gebrauchsanleitung braucht

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Katja Engler
Beate Ludka (v. l.), Jaro Barthmann, Katharina Ramm und Julia Dinse vom Kinder- und Jugendbeirat kritisieren die Ampel am Thesdorfer Weg.

Beate Ludka (v. l.), Jaro Barthmann, Katharina Ramm und Julia Dinse vom Kinder- und Jugendbeirat kritisieren die Ampel am Thesdorfer Weg.

Foto: Katja Engler

Der Kinder- und Jugendbeirat hält die Anlage in Pinneberg für gefährlich. Die Stadtverwaltung hat nun ein Infoblatt gedruckt.

Pinneberg.  Der Kinder- und Jugendbeirat in Pinneberg hat sich in die politische Diskussion eingemischt und einen Antrag gestellt. Zum ersten Mal nach langer Zeit, nach sehr langer Zeit, nach etwa zehn Jahren, wie die SPD-Fraktionsvorsitzende Angela Traboldt schätzt. Es geht um zwei der zentralen Kreuzungen vor Schulen in der Stadt: um die Kreuzung Thesdorfer Weg/Richard-Köhn-Straße/An der Raa und die daran anschließende zur Datumer Chaussee und Manfred-von-Richthofen-Straße.

Morgens tobt hier der Bär: Radelnde und zu Fuß gehende Kinder und Jugendliche, die die Theodor-Heuss-Schule oder die Grund- und Gemeinschaftsschule im Quellental besuchen, sind zusammen mit den Kleinkindern der beiden benachbarten Kindertagesstätten auf den Kreuzungen unterwegs – viele Menschen auf engem Raum, auch jetzt noch, wo die erst kürzlich erneuerten Verkehrsknotenpunkte schon viel breiter geworden sind. Es ist aber nicht der mangelnde Platz, den der Kinder- und Jugendbeirat moniert, sondern es ist die mehrteilige Ampel, die zum einen für Autos und Fußgänger, zum anderen separat für links abbiegende Fahrradfahrer installiert wurde.

Schwerer Unfall im Februar

Das stiftet bis heute Verwirrung und Missverständnisse. In ihrem Antrag fordern die Jugendlichen deshalb „eine Prüfung von Sicherheitsmaßnahmen“ für beide Kreuzungen. Um die sichere Radverkehrsführung im Thesdorfer Weg nach der Neugestaltung zu veranschaulichen, hat die Stadtverwaltung sogar extra ein Faltblatt erstellt und in den Schulen verteilen lassen. Quasi eine Gebrauchsanleitung für die Ampel.

In Großstädten sind solche Ampeln mit separaten, weiter unten angebrachten Lichtsignalen für links abbiegende Radler schon häufig anzutreffen, in Pinneberg sind sie noch immer selten und ungewohnt. Alle vier Schülerinnen und Schüler, die zum Treffen an die Kreuzung gekommen sind, empfinden die sich widersprechenden Lichtsignale pro Richtung als irreführend. „Wenn es dunkel ist, nimmt man den Pfeil nach links nicht als Pfeil wahr. Häufig erkennt man das falsche Lichtsignal und nicht das richtige“, sagt zum Beispiel Katharina Ramm. „Man kennt den Weg schon auswendig und denkt nicht mehr nach“, sagt Jaro Barthmann. „Wenn man dann auf die falsche Ampel guckt, ist das problematisch.“

In ihrem Antrag schreiben die Jugendlichen: „Es ist zu beobachten, dass es immer wieder zu gefährlichen Verkehrssituationen mit Fahrradfahrern kommt. Dabei ist es im Februar zu einem schweren Unfall gekommen, als ein Schüler an der Kreuzung die Straße An der Raa überqueren wollte und wegen einer nach rechts abbiegenden Autofahrerin scharf bremsen musste.“ Genau an dieser Stelle erkenne die ,Sicherheitsanalyse für das Hauptverkehrsstraßennetz‘ ebenfalls Sicherheitsmängel, sagen die Mitglieder des Beirates.

Radfahrer sehen zwei Signale zugleich: rot und grün

Im Klartext heißt das: Wer vom Thesdorfer Weg aus Richtung der Manfred-von-Richthofen-Straße auf die Kreuzung zur Richard-Köhn-Straße zuradelt und auf der korrekten Seite links abbiegen möchte, sieht zwei Lichtsignale zugleich: Die rote Ampel, die die Fahrt geradeaus stoppt, und die grüne etwas weiter hinten mit dem kleinen Linksabbiegersignal für Radler. Das liegt daran, dass die kleine Ampel frontal leuchtet – statt zur Seite gedreht, wie es zum Beispiel in Hamburg öfter gemacht wird.

Ein zweites Problem spricht Beate Ludka an: „Wenn wir als Fahrradfahrer in der vorgeschriebenen Haltenische stehen bleiben, müssen die Autos, die abbiegen wollen, um unsere Räder herumfahren, weil die Haltebucht zu weit auf der Straße liegt.“ Alle Mitglieder des Kinder- und Jugendbeirates, die zum Treffen gekommen sind, sagen übereinstimmend, dass sich die Situation nicht wirklich gebessert habe, seit die ganze Kreuzung vor mehr als einem Jahr neu gestaltet und mit neuen Lichtzeichen versehen worden sei. Sie hatten sich seinerzeit sogar mit einem Mitarbeiter des Verkehrsamtes vor Ort getroffen, woraufhin aber nichts geändert worden sei.

Bauamtsleiter sieht keinen Änderungsbedarf

Das Thema war zuletzt Thema im Stadtentwicklungsausschuss, wo einige Abgeordnete den Schülern beipflichteten: „Auch ich empfinde die Situation als Fahrradfahrerin als unklar. Selbst mir ist schon passiert, dass ich nicht wusste, wie ich weiterfahren soll“, sagt Angela Traboldt (SPD). Manfred Stache (Grüne/Unabhängige) hat, als er mit dem Fahrrad unterwegs war, ähnliche Erfahrungen gemacht: „Wenn es dunkel ist, sieht man grün für Fahrradfahrer, aber es ist rot. Wir müssen da noch mal einen Vor-Ort-Termin machen.“

Außerdem müsse es noch mal darum gehen, ob das Fahren auf der linken Seite bis zum Heideweg wirklich in beide Richtungen gestattet werden solle. „Da müsste dann noch eine Querung über den Thesdorfer Weg eingerichtet werden“, sagt Stache. Auch Carl-Eric Pudor (CDU), Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses, fühlt sich als Auto- und als Motorradfahrer durch die neue Ampelanlage irritiert: „Ich plädiere dafür, dem Antrag zuzustimmen.“ Bauamtsleiter Klaus Stieghorst sagte zwar, der Thesdorfer Weg sei „nach allen Regeln der Technik gebaut worden. Aus unserer Sicht gibt es da keinen Änderungsbedarf.“ Dennoch wurde im Anschluss der einstimmige Beschluss gefasst, dem Antrag des Kinder- und Jugendbeirates zu folgen.

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