Pinneberg
Pinneberg

Pinneberger Notaufnahme hat Kapazität mehr als verdoppelt

Dr. Hamid Mofid (r.), Sven Hartmann und Stephanie Goldenstein in der neuen Notaufnahme im Klinikum Pinneberg, wo allein diesem Raum acht Patienten gleichzeitig behandelt werden.

Dr. Hamid Mofid (r.), Sven Hartmann und Stephanie Goldenstein in der neuen Notaufnahme im Klinikum Pinneberg, wo allein diesem Raum acht Patienten gleichzeitig behandelt werden.

Foto: Burkhard Fuchs

Nach der Modernisierung können bis zu 26 Patienten gleichzeitig versorgt werden. Bislang war Platz für elf Menschen.

Pinneberg.  Patienten, die wegen plötzlicher Erkrankungen oder schwerer Verletzungen dringender ärztlicher Hilfe bedürfen, werden jetzt im Klinikum Pinneberg noch besser und schneller bedient als bisher. Für 20,5 Millionen Euro haben die Regio Kliniken die Zentrale Notaufnahme (ZNA) mit neuen OP-Räumen im Pinneberger Krankenhaus komplett erneuert und in einen neu errichteten Anbau integriert. Dadurch könnten von kommender Woche an statt bisher elf bis zu 26 Patienten parallel medizinisch behandelt, untersucht und therapiert werden, sagt Sven Hartmann, Leiter der Notaufnahme.

Jeden Tag kommen 70 bis 120 Patienten in die Notaufnahme

„Wir können jetzt die Patienten, die mit akuten Beschwerden zu uns kommen, in der Notaufnahme noch schneller und effizienter medizinisch versorgen“, erläutert PD Dr. Hamid Mofid, der einer der beiden neuen Ärztlichen Direktoren bei den Regio Kliniken ist. Die alte ZNA im Pinneberger Krankenhaus, die bis vor 20 Jahren noch aus wenigen Räumen bestand und 2008 zuletzt umgebaut und erstmals interdisziplinär eingerichtet wurde, konnte den stetig steigenden Patientenzulauf nicht mehr bewältigen, erklärt Mofid.

Gut 36.000 Menschen melden sich jedes Jahr wegen lebensbedrohlicher Notfälle und kleinerer Wehwehchen allein im Pinneberger Krankenhaus. „Das sind zwischen 70 und 120 Patienten täglich, die in die Notaufnahme kommen oder von einem Rettungswagen gebracht werden“, sagt Teamleiterin Stephanie Goldenstein. Durchschnittlich ein Drittel von ihnen muss anschließend stationär im Krankenhaus aufgenommen werden. Zwei von drei Patienten könnten nach der medizinischen Untersuchung, Akutversorgung und -behandlung wieder nach Hause geschickt werden, sagt Dr. Mofid.

Im Durchschnitt verbleibe ein Patient etwa zweieinhalb Stunden einschließlich der Wartezeit in der Notaufnahme, erläutert Hartmann. Dieser Zeitrahmen verkürze sich dank des Neubaus jetzt. Ohnehin würden die Patienten nach dem Schweregrad ihrer Erkrankung oder Verletzung behandelt, was nach einem internationalen Standard in der Fachsprache „Manchester-Triage-System“ genannt wird, je nachdem, ob der Patient sofort, dringend oder normal zu behandeln sei. „Wer mit einem Schlaganfall, Herzinfarkt oder einem offenen Bruch eingeliefert wird, wird natürlich als Erstes behandelt. Während Patienten mit einem leicht grippalen Infekt warten müssen“, erläutert Stephanie Goldenstein die medizinischen Prioritäten.

In der "Decision Unit" können acht Patienten gleichzeitig behandelt werden

Herzstück der neuen und nach neuesten medizinischen Erkenntnissen eingerichteten, modernen ZNA ist die sogenannte „Decision Unit“, ein zentral überwachter Raum, in dem acht Patienten gleichzeitig versorgt und therapiert werden können, während beispielsweise ihre Blutwerte im Labor untersucht werden, bevor überhaupt entschieden ist, ob sie ambulant oder stationär behandelt werden müssen. „Eine solche Einrichtung hatten wir in der Notaufnahme bisher nicht“, erklärt ZNA-Leiter Hartmann. Die Patienten liegen dabei auf Betten, die von mobilen Raumteilern von den anderen abgetrennt sind. Dies führe zu einem Mehr an Sicherheit für die Patienten, das für etwas geringeren Schutz der Intimsphäre erkauft werden müsse, erläutert Mofid. Denn so haben die insgesamt 29 Mitarbeiter der ZNA ihre Patienten besser im Blick, als wenn diese in Einzelzimmern untergebracht wären.

Mögliche typische Behandlungsfälle könnten hier zum Beispiel sein, wenn Patienten über plötzliche Herzpalpitationen klagten, also ihr Herz rase, klopfe oder flattere, erläutert Hartmann. „Das ist für die Patienten unangenehm, aber in der Regel ungefährlich, muss aber natürlich umgehend abgeklärt werden.“ Diese vorübergehenenden, oft stressbedingten Beschwerden genau zu diagnostizieren sei nun in der Notaufnahme noch besser und bequemer für die Patienten abzuklären.

Auch in Elmshorn wird die Notaufnahme modernisiert

Die Patienten erreichen die neue ZNA wie bisher rechtsseitig im Erdgeschoss über den Haupteingang des Klinikums. Der Patientenempfangsbereich für die ZNA wird dafür noch weiter nach vorn versetzt und zusätzliche Warteräume geschaffen. Diese Umbauten sind aber erst im nächsten Jahr fertig, wenn auch die sechs neuen OP-Säle darüber im ersten Stocks des neuen Anbaus voll medizinisch eingerichtet sind.

Auch in der Elmshorner Klinik wird gerade die Zentrale Notaufnahme komplett erneuert, was bis 2021 abgeschlossen sein soll. Nur in Wedel gibt es keine solche ZNA mehr, da dort nicht alle in einer neuen Maßnahme vom Gesetz vorgeschriebenen Fachrichtungen von Innerer Medizin, Anästhesie sowie Unfallchirurgie angeboten werden können. PD Dr. Mofid versichert: „Aber natürlich wird auch in Wedel weiterhin jeder Patient von uns entsprechend versorgt und behandelt oder weitergeleitet.“