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Das letzte Patienten-Radio in Schleswig-Holstein

Gründungsmitglied Thorsten Rück spielt seit 30 Jahren Musik für Patienten im Regio Klinikum Elmshorn.

Gründungsmitglied Thorsten Rück spielt seit 30 Jahren Musik für Patienten im Regio Klinikum Elmshorn.

Foto: Anne Dewitz

Wie Programmchef Thorsten Rück und Cheftechniker Jens Kelting den Sender im Regio Klinikum Elmshorn zum Kult gemacht haben.

Elmshorn.  Sendeleiter Thorsten Rück und Cheftechniker Jens Kelting bilden das Team des ehrenamtlichen Patientenfunks im Regio Klinikum Elmshorn. Inzwischen blicken sie auf 30 Jahre an den Reglern ihres kleinen Sendestudios zurück. „Wir spielen die Hits der letzten 300 Jahre“, verspricht Rück. „Alles von Abba bis Zappa.“ In Schleswig-Holstein ist das Elmshorner Klinikradio das letzte noch aktive.

Die ersten Krankenhausradios in Deutschland wurden in den 1960er-Jahren gegründet – in vielen Fällen von Tonband-Amateuren, die mit ihrem Hobby etwas Gutes tun wollten. Teilweise initiierten auch Krankenhaus-Mitarbeiter und Seelsorger die Stationsgründung, da das Mittel Radio zur Unterhaltung und Versorgung mit Informationen der Patienten in einem Krankenhaus erkannt wurde. So entstand im niedersächsischen Uelzen 1966 ein Krankenhausfunk. Er ist der heute älteste aktive Sender dieser Art in Deutschland.

Mike Krüger war zu Gast in einer Sendung

In Elmshorn hatten 1989 unter Führung von Henning Lauenstein sechs Radiobegeisterte das Format aus der Taufe gehoben – damals unterstand das Krankenhaus noch der Kreisverwaltung. Prominente Gäste schauten über die Jahre vorbei und gingen mit den Amateuren auf Sendung. Am 1. Mai war es nun exakt 30 Jahre her, dass die ersten Klänge der Elmshorner Privatradiomacher klinikweit über den Äther gingen. Seitdem versorgen die Ehrenamtlichen die Patienten mit Musik und launigen Sendungen. „Seit der Kreis Pinneberg als Träger des Klinikfunks ausgeschieden ist, tragen wir uns mit viel Engagement selbst“, sagt Rück. „Dabei hilft uns das Regio Klinikum Elmshorn, indem uns der Raum kostenfrei zur Verfügung gestellt wird.“

Heute gehören die Regio Kliniken zum Sana-Konzern. Die Klänge kommen übrigens nicht nur von CD oder aus anderen digitalen Quellen, sondern noch ganz traditionell vom Plattenteller. Mehr als 500 gespendete Langspielplatten und Singles umfasst der Fundus an der Agnes-Karll-Allee. Das Sende-Duo bemüht sich um Abwechslung, bereichert das Programm nach Möglichkeit auch personell.

„Wir sind bestrebt, Gastmoderatoren einzuladen, damit die Patienten auch mal andere Stimmen hören“, sagt Rück, der im Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr arbeitet. So war im vergangenen Jahr der Country-Spezialist Joe East aus Niedersachsen zu Gast und stellte sich den Fragen der Elmshorner Radio-Amateure. Auch Prominente wie Mike Krüger waren schon zu Gast. „Dieter Thomas Heck haben wir immer wieder eingeladen, leider vergeblich“, sagt Rück, der zu den Gründungsmitgliedern zählt. Dafür kam lokale Prominenz wie die Musikgruppe Speelwark, der Karikaturist Werner Jonas, die Elmshorner Schriftstellerin Barbara Schöning und Vertreter vom Opferschutz Weißer Ring

Gesendet wird rund um die Uhr, an sieben Tagen pro Woche, zwölf Monate im Jahr. Ein Zufallsgenerator stellt aus dem großen Fundus an vorproduzierten Sendungen das Programm zusammen. Dass ein Patient eine Sendung zweimal hört, sei bei der heutigen durchschnittlichen Verweildauer unwahrscheinlich, sagt der Sendeleiter. „Wir haben genug Programm für mehr als eine Woche.“

Zur Hochzeit des Klinikradios konnten Patienten die Moderatoren über die hausinterne Rufnummer 717 kostenfrei im Studio anrufen und sich mit Grüßen und Musikwünschen an den Moderator wenden oder auf Wunsch live in die laufende Sendung einbinden lassen. Oft bedankten sich Patienten beim Pflegepersonal oder grüßten ihre Mutter. Musikwünsche konnten auch beim Krankenhaus-Personal abgegeben werden. Damals waren noch 20 Ehrenamtliche im Senderteam. „Das ist zeitlich heute nicht mehr möglich, da wir nur noch zu zweit sind“, sagt Rück. Er und Kelting können neben nicht rund um die Uhr im Studio sein.

Die Moderatoren spielen auch noch gern Schallplatten ab

Daher kam auch der Gedanke auf, das krankenhauseigene Radiostudio zu digitalisieren. Von 2011 an wurde geplant, gelötet und geschraubt. „Mithilfe von einigen Spenden konnten wir einen Traum realisieren, um den uns so mancher öffentlich-rechtliche Sender beneidet“, sagt der 53-Jährige. In mehr als 3000 Stunden schuf Tontechniker Jens Kelting ein digitales Studio, in das er sogar die alte analoge Technik mit einband. 2014 wurde der Umbau fertig. Auch die erste Sendung vom 1. Mai 1989, die auf Audiokassetten aufgenommen wurde, ist digitalisiert.

„Unsere Musik und Beiträge laufen länger als acht Tage, ohne sich zu wiederholen. Dafür stehen uns ein Senderechner, Plattenspieler, CD-Spieler und ein digitaler Musikrechner zur Verfügung“, sagt Rück. Er und Kelting können die Sendebeiträge dann herstellen, wenn die Freizeit Platz für das Ehrenamt lässt.

„Wir wollen noch lange weitermachen“, sagt Rück. „Es macht uns wahnsinnig viel Spaß.“ Freuen würden sie sich über weitere Mitstreiter, die Lust haben, Radio zu machen. Besondere Anforderungen gebe es nicht, nur „klug schnacken und Musik machen“, so Rück. Angst haben müsse keiner. Wer einen Computer dazu bringen könne, Musik abzuspielen oder eine Schallplatte auflegen könne, sei hier an der richtigen Adresse. „Ja, Kelting und ich sind Freunde des Knisterns. Wir spielen auch noch Schallplatten ab“, sagt der Hobby-Moderator.