Pinneberg
Pinneberg

Kreis Pinneberg setzt komplett auf Elektroautos

Ein Piktogramm eines Elektroautos (Symbolbild)

Ein Piktogramm eines Elektroautos (Symbolbild)

Foto: Arne Dedert / dpa

Bis Ende des Jahres soll der Fuhrpark der Kreisverwaltung ausgetauscht werden. Die Zahl aller Batteriefahrzeuge hat sich erhöht.

Pinneberg. Die Zahl der Autos steigt, das Netz der Tankstellen verdichtet sich – die Zukunft auf den Straßen im Kreis Pinneberg wird zunehmend elektrischer. Zeitgleich zu drei neuen Ladestationen für E-Fahrzeuge, die heute von den Pinneberger Stadtwerken in Betrieb genommen werden, hat die Kreisverwaltung am Dienstag angekündigt, bis zum Ende des Jahres ihren gesamten Fuhrpark durch Elektrofahrzeuge ersetzen zu wollen. Damit startet eine Elektrifizierungsoffensive, die aktuelle Entwicklungen im Kreis aufgreift und ergänzt.

Denn die Zahlen bestätigen die steigende Hinwendung zur E-Mobilität. Waren vor drei Jahren nur 843 Stromfahrzeuge im Kreis Pinneberg zugelassen – von seinerzeit mehr als 220.000 Wagen mit PI-Kennzeichen – sind es mittlerweile exakt 2004. Davon sind 486 Autos rein batteriegetrieben, 1518 Fahrzeuge kombinieren Strom und herkömmlichen Treibstoff. Zudem hat sich im gleichen Zeitraum zwischen Quickborn und Wedel sowie Halstenbek und Elmshorn die Zahl der Stromtankstellen von 19 auf inzwischen mehr als 50 Ladesäulen mit rund 100 Ladepunkten erhöht. Und obwohl das Wachstum nur einen Bruchteil aller Autos betrifft, ist die Tendenz: steigend.

Nun will auch die Kreisverwaltung einen großen Schritt in Richtung E-Mobilität machen. Mit der angekündigten Umstellung des Fuhrparks auf Stromantrieb setze der Kreis aber nicht nur einen politischen Beschluss um, sagte Landrat Oliver Stolz. Die Verwaltung trage auch den umweltpolitischen Herausforderungen der Gegenwart Rechnung. Die dafür nötige Infrastruktur soll deshalb am Elmshorner Verwaltungssitz gleich mit installiert werden. Dafür ist der Kreis am Dienstag eine 500.000 Euro teure Kooperation mit der Firma GP Joule Connect eingegangen. Sie übernimmt Planung, Bau und Betrieb der Anlage.

95 Prozent aller Fahrten schaffen Autos mit E-Antrieb

Im Einzelnen soll der Fuhrpark bis Jahresende mit 29 E-Kleinwagen, zwei Mittelklasse-Fahrzeugen sowie fünf Hybrid-Autos mit hohen Reichweiten für weitere Strecken ausgestattet werden. Die Ausschreibung für die Neuwagen laufe derzeit. Der Strom für die neue Flotte soll größtenteils umweltschonend gewonnen werden. So werde eine Photovoltaikanlage ebenso installiert wie 36 E-Ladepunkte – für jedes Fahrzeug einen. Im Sommer könne dadurch 75 Prozent des Energiebedarfs der Fahrzeuge gedeckt werden, ein Speichersystem sichere Energiereserven für den Notfall. Eine neue Buchungsplattform für die Mitarbeiter gehört ebenfalls zur Neuausrichtung des Fuhrparks.

„Grundlage der Entscheidung war ein erneuerbares System mit eigener Stromerzeugung“, sagt Andreas Köhler, Fachbereichsleiter beim Kreis. Firmenvertreter Torben Jöns sprach von einer „Arbeitserleichterung für die Kreisverwaltung“. Und Landrat Stolz, der selbst mit Hybrid-Fahrzeug unterwegs ist, sagte: „Unser Konzept kann als Blaupause für vergleichbare kommunale Fuhrparks dienen.“ Er könne schon jetzt viele Fahrten rein elektrisch zurücklegen. „Aber natürlich muss die Ladeinfrastruktur noch besser ausgebaut werden.“

Diese Einschätzung ist auch Konsens unter Experten. Demnach stößt Elektromobilität nur auf Akzeptanz, wenn die Infrastruktur der Ladesäulen stimmt und die Technik einfach zu bedienen ist. Momentan gibt es noch viele unterschiedliche Bezahlsysteme, die Nutzer verwirren. Eine andere Hürde ist laut aktueller Studien der hohe Anschaffungspreis von elektrischen Neuwagen. Das schrecke viele Autofahrer (noch) ab.

Eine Tatsache, die den Kreis nicht bremst. Im Gegenteil. Laut Kreissprecher Oliver Carstens werde die Elektrifizierung auch beim Bauhof geprüft. Zudem könnten künftig E-Busse für die kreiseigenen Schulen zu Einsatz kommen. Und Werbung bei Kooperations- und Vertragspartnern zur Nutzung von E-Fahrzeugen werde ohnehin betrieben.

Dem Projektstart in der Verwaltung sei eine Erhebung vorausgegangen, wonach ein Drittel aller Tagesfahrten weniger als 30 Kilometer lang sind und nur fünf Prozent eine Strecke von 200 Kilometer überschreiten. Deshalb könne, so die Rechnung, der überwiegende Teil aller Fahrten problemlos mit E-Fahrzeugen erledigt werden. Die Mitarbeiter sollen entsprechend geschult werden.

Einen weiteren „wichtigen Beitrag“ zu einer umweltfreundlichen Verkehrspolitik im Kreis leisten laut Eigenauskunft heute die Stadtwerke Pinneberg. Sie nehmen drei Ladesäulen in der Stadt in Betrieb (siehe Infotext), wie Geschäftsführer Sven Hanson sagt. Denn auch er weiß: „Eine flächendeckende Ladeinfrastruktur ist für den Erfolg der Elektromobilität entscheidend.“ Momentan sei die Entwicklung „sehr dynamisch“. Als Anreiz zum Umstieg ist der Ökostrom der Stadtwerke zunächst kostenfrei.