Kreis Pinneberg

Das ist die neue Leitpfosten-Allee von Tangstedt

| Lesedauer: 4 Minuten
Burkhard Fuchs
Leitpfosten, soweit das Auge reicht: Im Pinneberger Weg in Tangstedt sollen sie jetzt Raser bremsen.   Foto: Fuchs

Leitpfosten, soweit das Auge reicht: Im Pinneberger Weg in Tangstedt sollen sie jetzt Raser bremsen.   Foto: Fuchs

Foto: Burkhard Fuchs

Die Gemeinde hat zu einer der ungewöhnlichsten Verkehrsberuhigungsmaßnahmen im gesamten Kreis gegriffen.

Tangstedt.  Die Gemeinde Tangstedt hat jetzt zu einer der wohl ungewöhnlichsten Verkehrsberuhigungsmaßnahmen im gesamten Kreis Pinneberg gegriffen. Im Pinneberger Weg, einer Anliegerstraße, die oft als Abkürzung nach Pinneberg genutzt wird, stehen zwischen der Dorfstraße und dem Voßmoorweg, der die Ortsgrenze zu Rellingen markiert, auf beiden Seiten der Straße dicht hintereinander Straßenbegrenzungspfähle.

Auf dem etwa 800 Meter langen Teilstück des Pinneberger Weges dürften es etwa 200 Leitpfosten sein, die da jetzt im Abstand von wenigen Metern gesetzt worden sind, schätzt Volker Höhn, Vorsitzender des Bauausschusses der 2200 Einwohner zählenden Gemeinde. Die Abstände zwischen den Leitpfosten betragen hier vielleicht zwei bis drei Meter statt des sonst außerhalb geschlossener Ortschaften üblichen Abstandes von 50 Metern.

Leitpfosten sollen Raser abschrecken

„Wir wollen damit die Bankette schützen und verhindern, dass im Pinneberger Weg weiter so gerast wird“, benennt FDP-Politiker Höhn zwei Gründe für die ungewöhnliche Maßnahme, die die Gemeinde jetzt nach Angaben des Amtes Pinnau zusammen mit der Kanalschachterneuerung 68.000 Euro gekostet hat.

Er sei aber mit der Ausführung noch nicht ganz zufrieden, sagt Höhn. Die Pfähle stünden zu hoch. „Da werden wir noch mal nachbessern müssen.“ Allerdings könnte dies schwierig werden, da sich direkt unter den Leitpfosten wichtige Versorgungsleitungen befänden. Aber der positive Effekt sei da, sagt Politiker Höhn und freut sich. „Es wirkt. Die Autofahrer fahren dort deutlich langsamer, das haben die Anwohner bemerkt.“

Rasende Autos waren seit Jahren ein Ärgernis

Die nicht angepasste Geschwindigkeit der Autofahrer in dieser Anliegerstraße sei für die Gemeinde seit Jahren ein Ärgernis, berichtet Helmut Schäfer, der technische Mitarbeiter des Amtes Pinnau. „Das ist eine Raserstrecke gewesen.“ Bei Geschwindigkeitsmessungen seien viele Fahrzeuge mit Tempo 70 und teilweise sogar mit Tempo 90 gemessen worden. Darum schließt Schäfer nicht aus, dass zusätzlich zu den beidseitig aufgestellten Leitpfosten dort auch noch eine Tempo-30-Zone eingerichtet werde. Die müsste das Straßenverkehrsamt des Kreises Pinneberg anordnen, das nach Angaben von Kreissprecher Oliver Carstens beim innerörtlichen Leitpfostenbau nicht beteiligt werden musste.

Ursprünglich wollte die Gemeinde Tangstedt die Straße ausbauen. „Wir waren schon drauf und dran, das zu beschließen“, sagt Bauausschussvorsitzender Höhn. Doch dann seien die Ausbaukosten auf mehr als 1,3 Millionen Euro angewachsen, weil auch die Wasser-, Gas- und Stromleitungen in diesem Bereich hätten miterneuert werden sollen. „Das war uns zu viel“, sagt Höhn. „Den Vollausbau des Pinneberger Weges hätten die Anwohner mittragen müssen“, ergänzt Detlev Brüggemann, Leitender Verwaltungsbeamter des Amtes Pinnau, im Hinblick auf die frühere Ausbausatzung.

30-Zone ließ sich nicht durchsetzen

Die Ausbausatzung sei inzwischen abgeschafft. Eine reine Tempo-30-Zone, die die Gemeinde dann für den Pinneberger Weg wünschte, ließ sich zunächst nicht beim Straßenverkehrsamt der Kreisverwaltung durchsetzen. Und da trotz des Durchfahrverbotes für Ortsfremde und – von der Dorfstraße aus – für Lkw mit einem Gewicht von mehr als 7,5 Tonnen der Durchgangsverkehr nicht abnahm, habe sich die Gemeinde entschlossen, die Fahrbahn mit den dicht aneinander gereihten Leitpfosten auf 5,50 Meter Breite zu begrenzen, erläutert Höhn.

Denn immer wieder sei die Bankette rechts und links des Pinneberger Weges von Fahrzeugen aufgerissen und beschädigt worden, die dem Gegenverkehr auf dem Seitenstreifen ausgewichen sind. Das sei jetzt nicht mehr möglich, erklärt Techniker Schäfer vom Fachbereich Bauen und Ordnung im Amt Pinnau. „Das ist eine Schutzmaßnahme für Bankette und Grünstreifen.“

Das Amt habe der Gemeinde dieses Aufstellen der Leitpfosten als bessere Alternative zum Vollausbau des Pinneberger Weges empfohlen, erklärt Schäfer. „Sonst würde dort noch mehr gerast werden.“ Und: Im Vergleich zu den enormen Kosten von 1,3 Millionen Euro sei diese Maßnahme geradezu günstig. „Es sollte doch im Sinne des Bürgers sein, wenn wir hier erheblich Steuergeld sparen können.“

Vollausbau des Pinneberger Weges hätten die Anwohner mittragen müssen
Detlev Brüggemann, Amt Pinnau

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg