Pinneberg
Appen

Wie Digitalisierung den Krieg verändert

Oberst Michael Skamel (l.), Kommandeur der Marseille-Kaserne, und Oberstleutnant Thorsten Kodalle, Führungsakademie der Bundeswehr und Cyber-Experte.

Oberst Michael Skamel (l.), Kommandeur der Marseille-Kaserne, und Oberstleutnant Thorsten Kodalle, Führungsakademie der Bundeswehr und Cyber-Experte.

Foto: Thomas Pöhlsen

Experte von der Führungsakademie der Bundeswehr referiert in der Appener Marseille-Kaserne über digitale Kriegsführung.

Appen.  „Irgendwie mit Digitalisierung“ beschäftige sich der Vortrag von Oberstleutnant Thorsten Kodalle: So eröffnete der Kommandeur der Unteroffizierschule, Oberst Michael Skamel, das Appener Gespräch in der Marseille-Kaserne am Mittwochabend – und umschrieb damit den Informationsstand, mit dem manche Zuhörer gekommen waren. Nach dem gut einstündigen Vortrag und bei der traditionellen Erbsensuppe wurden dann einige sorgenvolle Diskussionen geführt.

Hackerangriffe auf wichtige Wahlen erwartet

Kodalle beschäftigt sich an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) in Hamburg tatsächlich mit Digitalisierung – und mit deren den Auswirkungen auf die demokratische Grundordnung und militärische Auseinandersetzungen. Nicht die nukleare oder konventionelle militärische Bedrohung ist aus seiner Sicht die größte Gefahr, obwohl durchaus als seriös angesehene Experten in den USA aktuell die Frage diskutieren, wann es zu einem Nuklearkrieg mit China kommen könnte. Die Aushöhlung der Demokratie von innen als Folge der Digitalisierung ist für ihn ein durchaus realistisches Szenario.

Kodalle erwartet zum Beispiel Hackerangriffe auf die Europa-Wahl im Mai sowie die US-Präsidentschaftswahl 2020. Und Nato-Soldaten in Osteuropa haben viele Zugriffe auf ihre privaten Handys erlebt. Was die Digitalisierung für den Einzelnen noch bedeuten kann, schilderte Kodalle anhand der App Absher. Mit deren Hilfe können saudische Männer den Aufenthaltsort ihrer Frauen und Töchter überwachen.

Die Kriegsführung werde durch künstliche Intelligenz revolutioniert werden, der Offizier nennt es Cyber-Krieg. Er zeigte ein Video über „Slaughterbots“. Das sind handtellergroße Drohnen, die dank künstlicher Intelligenz ohne Steuerung durch einen Soldaten fliegen und einen Menschen töten können. Das Video ist noch Science Fiction, doch die USA, Russland, China, Großbritannien, Südkorea und Israel sollen an der Entwicklung solcher autonomen Kampfroboter arbeiten.

Mit dem German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS) haben Führungsakademie und Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr eine Denkfabrik geschaffen, um den neuen technologischen Herausforderungen zu begegnen. Kodalle betonte dabei den defensiven Charakter der NATO wie der Bundeswehr.

Was kann der Einzelne gegen die Hacker-Bedrohung tun, wollte ein Zuhörer zum Schluss wissen. Der Experte rät grundsätzlich zu mehr Sensibilität im Umgang mit Daten. Wer nicht bei Facebook ist, hat aus seiner Sicht ein wichtiges Einfalltor für Hacker weniger. Er empfiehlt Zwei-Faktor-Authentifizierung, wo immer es möglich ist. Und ein Passwort-Manager sei sinnvoll.