Pinneberg
Kreis Pinneberg

Warum Schüler spielend Informatik lernen

Die Schenefelder Schüler Leon Rüpcke (v.l.), Elias Rösler, Niklas Dietz sowie Constantin Cordes nehmen an der Softwre-Challenge teil.

Die Schenefelder Schüler Leon Rüpcke (v.l.), Elias Rösler, Niklas Dietz sowie Constantin Cordes nehmen an der Softwre-Challenge teil.

Foto: Katy Krause / krk

Jugendliche wollen Unterricht, aber es fehlen Lehrfachkräfte. Wettbewerb in Kooperation mit Hochschulen soll Abhilfe schaffen.

Schenefeld/Wedel.  „An allen Schulen sollte in der Oberstufe Informatik unterrichtet werden“, sagt Florian Schatz. Allerdings ist er etwas voreingenommen: Schatz hat Informatik studiert und an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel seine Promotion gemacht. Heute unterrichtet der Professor Studenten der Wedeler Fachhochschule (FH) im Bereich E-Commerce, also dem elektronischen Handel übers Internet. Doch nicht nur in Unternehmen werde Informatik immer wichtiger, argumentiert Schatz. Auch in anderen Wissenschaftsgebieten spiele die Datenanalyse eine zunehmend größere Rolle. „Beispielsweise in der Biologie basiert heute fast alles auf Algorithmen“, so Schatz. Doch während in der Wirtschaft und Wissenschaft die Informatik auf dem Vormarsch ist, sieht es an deutschen Schulen ganz anders aus.

Davon abgesehen, dass das digitale Lernen in vielen Schulen bereits an der Ausstattung wie einer vernünftigen Internetverbindung sowie genügend technischen Geräten scheitert, gibt es auch zu wenig Lehrer, die Informatik unterrichten können und wollen. Gleichzeitig gibt es den Bedarf, also Schüler, die es lernen möchten. Genau hier will Schatz ansetzen. Der FH-Dozent macht sich für ein Projekt stark, bei dem Schüler spielerisch die Fähigkeiten erlernen. Software Challenge heißt der Wettbewerb, an dem sich Schüler ab der Klasse 11 beteiligen können.

Bundesweit treten Gruppen dabei im Programmieren gegeneinander an. Die Besten erhalten Studienstipendien in Höhe von bis zu 3600 Euro. Zudem können sie weitere Sachpreise gewinnen. Die Fachhochschule Wedel ist seit Kurzem auch als Kooperationspartner am Start. Das heißt, die FH unterstützt den Wettbewerb zum einen mit Stipendien. Zum anderen möchte die FH einen Pool an Studenten aufbauen, die den Teilnehmern in den kommenden Jahren bei den jeweiligen Wettbewerben mit Rat und Tat zur Seite stehen. Denn Hilfe und Fachwissen wird benötigt.

„Wir haben uns alles selbst beigebracht“, sagt Niklas Dietz. Der Schüler des Gymnasiums Schenefeld beteiligt sich zusammen mit seinen Mitschülern Leon Rüpcke, Elias Rösler und Constantin Cordes an dem Wettbewerb. Ihre Lehrerin Claudia Knütel gab den Anstoß dazu. Sie sprach die Jungs an, die ihr im Informatikunterricht der achten und neunten Klasse als sehr interessiert aufgefallen waren. Gern hätten die vier Schüler Informatik auch in der Oberstufe weiterbelegt, aber das Angebot gab es nicht. Zwar hat Knütel sogar als eine der wenigen Lehrer in Schleswig-Holstein eine nötige Zusatzausbildung, um Informatik bis zum Abitur zu unterrichten – laut Bildungsministerium sind es gerade einmal landesweit 40 Lehrer. Ministerin Karin Prien sagt dazu: „Wir stufen Informatik als Bedarfsfach ein und gehen davon aus, dass die Digitalisierung dazu führen wird, dass der Bedarf an qualifizierten Lehrkräften weiter steigen wird.“ Vor dem Bedarf kommen aber erst die Pflichtfächer wie Mathe und Physik. Diese Stunden müssen vorrangig abgedacht werden und beides unterrichtet Knütel.

Die vier Elftklässler sind nun im Physikprofil. An der Software Challenge arbeiten sie während ihrer Freizeit. Knütel unterstützt sie, indem sie beispielsweise den PC-Raum reserviert. Ansonsten entwickeln die Schüler selbstständig ihr Programm. Die Aufgabe für die Schüler lautet in diesem Jahr „Piranha“. Dabei handelt es sich um ein virtuelles Brettspiel, das dem Schach nachempfunden ist und bei dem rote und blaue Fische gegeneinander antreten beziehungsweise einander auffressen. Bei dem Wettbewerb geht es darum, dass die Teilnehmer in Teams ein Programm entwickeln, das in Abhängigkeit von der jeweiligen Spielsituation möglichst gute Züge macht. Am Ende treten die Teams mit ihren jeweiligen Programmen gegeneinander an. Zwischendurch gibt es Trainingsspiele. So können die Ergebnisse fortlaufend analysiert und verbessert werden.

„Das kann keinen Lehrer ersetzen. Aber helfen, die Lücke zu schließen“, betont Schatz. Die Software Challenge sei eine gute Unterstützung. Zudem erhofft sich der IT-Professor von dem Wettbewerb einen Impuls, damit das wichtige Zukunftsthema in den Schulen Fahrt aufnimmt. Schatz betreibt dafür „Kaltakquise“, wie er es nennt. Er hat alle Schulen im Kreis Pinneberg angeschrieben, sucht den Kontakt und wirbt für eine Teilnahme. Sein Traum wäre es, wenn sich jede Schule mit einem Team beteiligen würde. Dann könnten die besten der Region ermittelt werden.

Seit 2004 gibt es den Wettbewerb, der vom Institut für Informatik der Kieler Uni in Zusammenarbeit mit der Digitalen Wirtschaft ausgerichtet wird. Im vergangenen Jahr beteiligten sich 57 Team und 258 Schüler bundesweit. Aus Hamburg und Umgebung nahmen vier Teams teil. Da ist also noch Luft nach oben. Die Teilnahmefrist läuft bis zum 15. Januar, im Februar geht’s in die heiße Phase und im März sind die Meisterschaftsspiele geplant.