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Kreis Pinneberg

Die Prisdorfer hadern mit dem Brückenbau

Kann trotz Problemen auf der Baustelle und fehlender Zahlen zur Kostenbeteiligung noch lachen: Rolf Schwarz, Bürgermeister von Prisdorf

Kann trotz Problemen auf der Baustelle und fehlender Zahlen zur Kostenbeteiligung noch lachen: Rolf Schwarz, Bürgermeister von Prisdorf

Foto: Arne Kolarczyk

Das Bauprojekt der Bahn am Hudenbarg in Prisdorf verzögert sich. Am Sonntag gibt es für die Bürger Informationen auf der Baustelle.

Prisdorf.  In Prisdorf wird gebaut. Die Bahn ersetzt bei laufendem Betrieb am Hudenbarg eine Eisenbahnbrücke aus dem Jahr 1910 und vergrößert den Trog, der unterhalb der Brücke durchführt. Seit dem 15. Januar ist die Unterführung für den Verkehr gesperrt – und das dürfte noch längere Zeit so bleiben. „Der Bau der Eisenbahnbrücke verzögert sich, da die Gründungsarbeiten mehr Zeit in Anspruch nehmen als geplant“, sagt Prisdorfs Bürgermeister Rolf Schwarz (BbP), dessen Büro nicht einmal 50 Meter Luftlinie von der Baustelle entfernt liegt. Und dort tat sich Unerwartetes: „Der feine Sand, der in großer Menge aus der Baugrube herausbefördert wurde, weist auf die schwierigen Bodenverhältnisse hin.“

Weil die Sandschichten ringsum die Baugrube nicht verrutschten durften, sei die Unterführung wochenlang geflutet worden. „Die Betonsohle musste unter Wasser eingebaut werden“, so Schwarz. Dazu wurden Taucher angefordert, die mehr als einen Monat lang täglich auf der Baustelle im Einsatz waren. Um die Betonschicht unter Wasser erstellen zu können, mussten laut Schwarz an einem Tag 100 Betonmischer anrücken. „Das war logistisch eine Herausforderung.“

Auch eine Sprecherin der Bahn bestätigt, dass es am Hudenbarg zu Schwierigkeiten gekommen sei. So sei beim Aushub des Erdreichs in der Baugrube das Erdreich von außerhalb in Bewegung geraten und in die Baugrube gerutscht. „Das war nicht vorhersehbar.“ Die ausführende Firma habe keine Fehler gemacht, da vorab erstellte Baugrundgutachten keine Auffälligkeiten ergeben hätten und die Vorgehensweise auf statisch geprüften und freigegebenen Plänen beruhte.

Auswirkungen auf Fertigstellung unklar

„Die Schwachstelle wurde daraufhin mit Beton verfüllt und wieder gefestigt.“ Sicherheitshalber sei eine zusätzliche Abstützung innerhalb der Baugrube errichtet worden, die erheblich tiefer als die erste Abstützung in den Boden eingebracht worden sei. Damit habe, so die Bahnsprecherin, das Problem gelöst werden können. Allerdings sei dadurch auch eine Verzögerung im Bauablauf von etwa vier bis sechs Wochen eingetreten.

Eine Folge, die von der Bahn eingeräumt wird, hat auch Schwarz beobachtet: „Der für September geplante Ausbau der Hilfsbrücken und der Einbau der neuen Brücke ist nicht erfolgt.“ Nach seiner Kenntnis könne dies nun erst im Frühjahr 2019 erfolgen. Die Bahn bestätigt dies, der Brückentausch werde nun „im ersten Halbjahr 2019“ während bereits jetzt festgelegter Sperrzeiten des Bahnverkehrs erfolgen.

Strittig ist, ob diese Verschiebung auch Auswirkungen auf das geplante Fertigstellungsdatum hat. Die Bahn sagt Nein. „Nach heutigem Kenntnisstand wird die geplante Gesamtbauzeit der Maßnahme Brücke und Straßentrog dadurch nicht verzögert werden“, so die Bahnsprecherin auf Anfrage. Es bleibe bei einer Fertigstellung Mitte 2019.

Schwarz mag das nicht so recht glauben. Er kritisiert zudem, dass die Gemeinde nur minimal an Planung und Ausführung des Projektes beteiligt war, jedoch wegen des Eisenbahnkreuzungs-gesetzes einen nicht unerheblichen Teil der Kosten übernehmen muss. „Am Anfang sind wir von einer Beteiligung in Höhe von 240.000 Euro ausgegangen“, so Schwarz. Nach letzten Schätzungen habe sich dieser Betrag auf 800.000 Euro erhöht, wovon eventuell 30 bis 40 Prozent durch Zuschüsse aufgefangen werden könnten.

„Uns liegen noch immer keine verlässlichen Zahlen über die Baukosten vor“, so der Bürgermeister weiter. Er könne sich angesichts der Probleme beim Bau vorstellen, dass auf die Gemeinde eine deutlich höhere Summe zukomme. Schwarz: „Wir können uns schon 800.000 Euro eigentlich nicht leisten.“ Weil Zahlen zu den Baukosten fehlen, könne die Gemeinde zudem keine verlässliche Finanzplanung für 2019 und die Folgejahre aufstellen.

Wenn alles fertig ist, werden die 300 bis 400 Einwohner Prisdorfs südlich der Bahn einen 60 Meter langen Trog vorfinden, dessen Durchfahrtshöhe von 3,20 auf vier Meter vergrößert worden ist. Auch die Straßenbreite vor und hinter der Brücke soll vergrößert werden.

Über den Stand der Bauarbeiten können sich Interessierte am Sonntag, 14. Oktober, direkt auf der Baustelle von 14 bis 15 Uhr informieren.